Tesla Grünheide: IG Metall fordert Distanzierung des Managements von Elon Musk

IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen Dirk Schulze im Februar 2024 bei einem Streik in Sachsen, Espenhain. Bei der Jahrespressekonferenz kritisierte er das Tesla-Management in Grünheide scharf.
Jan Woitas/dpa- IG Metall kritisiert Tesla Grünheide wegen Arbeitsbedingungen und autoritärer Kultur.
- Forderung: Management soll sich von Elon Musks Aussagen und Gesten distanzieren.
- Umfrage: 80% der Arbeiter fühlen sich überlastet, 90% leiden unter Schmerzen.
- IG Metall fordert Pausen und Zeit für die Toilette, kritisiert Verbot der Meinungsäußerung.
- Neue Betriebsratswahlen in 2026 sollen bessere Arbeitsbedingungen bringen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bei der Jahrespressekonferenz der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen hat am Mittwochmorgen (29. Januar) Bezirksleiter Dirk Schulze das Tesla-Management von der sogenannten Gigafactory in Grünheide aufgefordert, sich von den politischen Aussagen und Gesten des Tesla-Chefs Elon Musk zu distanzieren. Dieser sollte es seiner Meinung nach unterlassen, sich in den deutschen Wahlkampf einzumischen und „sich dafür entschuldigen“.
„Das sind nicht nur schlechte Manieren. Das sollten wir ihm nicht durchgehen lassen. Schon gar nicht eine Geste, die die allermeisten als Hitlergruß interpretieren mussten“, sagte Schulze. „Anlässlich von Hitlergruß und Parteinahme für die AfD fordere ich das örtliche Management auf, sich hiervon zu distanzieren.“ Die Mitglieder der Brandenburger Landesregierung müssten hingegen für sich reflektieren, ob in der Vergangenheit die Nähe zum Milliardär Musk zu groß gewesen sei.
Schulze betonte zwar, dass die IG Metall die Ansiedlung Teslas in Grünheide nahe Berlin „sehr begrüßt“ habe und dies auch bei den geplanten Ausbau- und Erweiterungsvorhaben und der angekündigten Verdopplung der Beschäftigungszahl auf 24.000 der Fall sei. Dennoch übte er auch scharfe Kritik an der Management-Kultur des Unternehmens, der arbeitgebernahen Mehrheitsgruppe des Betriebsrates und an den Arbeitsbedingungen in der Autofabrik.
IG Metall fordert Pausen und Zeit für Gang zur Toilette
Eine Umfrage der IG Metall zur Arbeitssituation habe vergangenen Herbst gezeigt, dass die Tesla-Mitarbeitenden unter einer starken Arbeitsbelastung leiden würden. Über 1200 Mitarbeitende von aktuell 12.000 hätten daran teilgenommen. „Die Arbeit bei Tesla in Grünheide ist ein Knochenjob. Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten fühlen sich überlastet. Nur jeder Zehnte glaubt, die Belastung bis zur Rente aushalten zu können. Neun von zehn leiden unter arbeitsbedingten Schmerzen, etwa Kopf-, Nacken-, Gelenk- oder Rückenschmerzen“, schilderte Schulze.
Die Arbeitnehmer in den Produktionshallen bräuchten dringend Zeit zum Durchatmen, zum Trinken und zum Gang auf die Toilette. Es bräuchte eine stärke Personalbesetzung in den Teams, damit keine Mehr- und Schnellarbeit für die Verbliebenen anfalle, wenn Mitarbeiter krank seien. Zudem bräuchten die Tesla-Arbeitnehmer zusätzlich bezahlte Kurzpausen, wie sie in anderen Autowerken üblich und „eigentlich selbstverständlich“ seien. „Ich bin sicher, dass die Belegschaft es nicht auf Dauer hinnehmen wird, schlechter behandelt zu werden, als Belegschaften in anderen Automobilunternehmen“, sagte Schulze.
Schulze: Verbot der freien Meinungsäußerung im Tesla-Werk
Kritische Worte fand Schulze auch für das Tesla-Management in Grünheide: „Es gibt eine sehr autoritäre Management-Kultur gegenüber den Beschäftigten“, so der Bezirksleiter der IG Metall weiter. Das unterscheide Tesla von anderen Unternehmen. Hier sei ihm keine Kultur erkennbar, die auf das Mitdenken, konstruktive Kritik und gemeinsame Verhandlung ausgelegt sei. „Das kenne ich leider von Tesla nicht, sondern die versuchen alles, um gewerkschaftliches Engagement, wirkliche Arbeitnehmerinteressen und die IG Metall im Besonderen herauszuhalten.“ Diese „Schikanen gegenüber den IG Metallern“ müssten aufhören, forderte er.
Die örtliche Führungsmannschaft kriege laut Schulze „offensichtlich Instruktionen von Elon Musk oder aus den USA“ und setze diese um. „Bei Tesla gibt es eine enorm hohe Fluktuation und das hat was mit den Arbeitsbedingungen körperlicher Natur, aber auch psychischer Natur, also sprich, mit der Unterdrückung und dem Verbot, quasi eine freie Meinungsäußerung ausüben zu können, zu tun.“
In der Belegschaft traue man sich nicht, politische Debatten zu führen. Es gebe einen „großen Druck der Führungsmannschaft“ auf die Beschäftigten, nichts über den Betrieb Tesla und die Arbeitssituation nach außen kommen zu lassen. „So werden kritische, aber konstruktiv-kritische Debatten auch versucht, im Keim zu ersticken. In der Öffentlichkeit noch viel mehr, aber genauso auch im Betrieb“, so Schulze.
Erneute Betriebsratswahlen bei Tesla Frühjahr 2026
Deshalb setze sich die Gewerkschaft im Tesla-Betriebsrat, wo die IG Metall-Gruppe nicht die Mehrheit hat, für bessere Arbeitsbedingungen ein. Man hoffe, dass die Betriebsratswahlen der Gigafactory im Frühjahr 2026 etwas an den Verhältnissen ändere. Das sei Zielsetzung und der Hebel, noch mehr zu erreichen. „Die Gigafactory braucht einen Betriebsrat, in dem alle Mitglieder für die Interessen der Belegschaften arbeiten. Dafür setzt sich die IG Metall ein, auch gegen den erbitterten Widerstand der Geschäftsführung, des Tesla-Eigentümers und der arbeitgebernahen Betriebsrats-Mehrheit.“
Erste Fortschritte seien schon erzielt, wie beispielsweise die Lohnerhöhungen von Tesla im vergangenen Jahr. Dennoch lägen die Entgelte bei Tesla „deutlich unter dem Tarifniveau der Branche“, mahnt der Gewerkschafter. Auch die Vereinfachung der Prozesse bei den Krankmeldungen seien ein verbuchter Erfolg.
Zwar äußere sich die IG Metall generell nicht zu ihren Mitgliederzahlen in Unternehmen, um auch die mögliche „Kampfstärke“ nicht preiszugeben, jedoch liege man bei Tesla „überm Projektplan“. Schulze dazu: „Wir sind da ganz gut unterwegs.“
Über 9000 Männer und Frauen seien der IG Metall im vergangenen Jahr in Berlin, Brandenburg und Sachsen beigetreten. Nur im Jahr 2023 seien die Mitgliederzuwächse im Vergleich der letzten zehn Jahre noch höher gewesen. Die Zahl der Gesamtmitglieder im Bezirk sank jedoch um 1,6 Prozent auf 142.500 Mitglieder aufgrund des demografischen Wandels.
Verhandlung über Klage gegen Betriebsratschefin im Februar
Die Gewerkschaft geht aktuell auch gegen die Vorsitzende des Tesla-Betriebsrates, Michaela Schmitz, gerichtlich vor. Die IG Metaller stellten einen Antrag auf Amtsenthebung. „Wir sind der Meinung, dass sie ihren Job nicht gut macht und nicht kann, weil dort sehr bewusst, immer Anliegen und Vorhaben und Vorschläge der IG Metallerinnen und Metaller im Betriebsrat ausgeblendet und diese nicht auf die Tagesordnung genommen werden“, führte der Bezirksleiter dazu aus. „Insofern gibt es mehrere Anhaltspunkte dafür, dass auch mehrere Gesetzesverstöße vorliegen können. Das wollen wir gerichtlich überprüfen lassen.“ Erster Güteverhandlungstermin sei am 11. Februar am Arbeitsgericht in Frankfurt (Oder).

Tesla–Betriebsratschefin Manuela Schmitz im Interview mit Journalisten. Geht es nach der IG Metall, soll sie wegen Gesetzesverstößen ihres Amtes enthoben werden. Die Verhandlung ist im Februar 2025.
Janine RichterUnser Medienhaus hat das Tesla-Management der Gigafactory Grünheide um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen und Distanzierungswünschen der Gewerkschaft gebeten. Diese liegt aktuell noch nicht vor. Betriebsratschefin Michaela Schmitz hatte sich bislang nicht zum Vorgehen und den Vorwürfen der IG Metall geäußert.
So sehen aktuell die Mehrheitsverhältnisse im Betriebsrat aus
Bei Tesla in Grünheide wurden im März 2024 das zweite Mal Betriebsratswahlen abgehalten – erstmals unter Beteiligung der IG Metall. Der Betriebsrat ist seitdem insgesamt 39 Mitglieder stark. Die Liste 2 „IG Metall Tesla Workers GFBB“ bekam rund 39,4 Prozent der 8917 Stimmen und erhielten somit 16 Sitze.
Liste 6 „Giga United“, in der vorrangig Projektmanager und Teamleiter, darunter auch die Vorsitzende Michaela Schmitz, vertreten waren, erreichte 35,9 Prozent. Die Liste 1 „One Team“, in der viele Supervisoren organisiert sind, erreichte 12,4 Prozent. Beide Listen sollen dem Tesla-Management nahestehen und stellen zusammen mit anderen, kleineren Listen aktuell die Mehrheit im Betriebsrat.





