Cigarettes after Sex in Berlin: Warum die US-Amerikaner so erfolgreich sind

Unbeeindruckt von den aktuellen politischen Ereignissen: Cigarettes after Sex am 7.11. in Berlin
Gunnar Leue- Cigarettes after Sex spielte vor jungem Publikum in der ausverkauften Berliner Uber Arena.
- Die US-Band aus Texas verbindet melancholischen Dream-Pop mit emotionaler Tiefe.
- Durch Tiktok und Spotify erreichte die Band eine jüngere Zielgruppe.
- Ihre Musik hilft vielen Menschen, darunter vor allem Frauen, beim Einschlafen.
- Die Band sieht dies als großes Kompliment und bleibt bei Fans aller Altersgruppen beliebt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eine interessante, gar lustige Facette der US-amerikanischen Lebenskultur ist ja, dass sie so doppeldeutig ist, man könnte auch sagen scheinheilig. Prüderie hier, Porno da. Das wirkt bis in die Popkultur, wo Sex immer noch teilweise als anrüchig gilt.
Insofern ist es durchaus bemerkenswert, dass sich eine Band aus dem konservativen Staat Texas Cigarettes after Sex nennt. Wenn man den Bandnamen googelt, sucht die KI häufig gestellte Fragen heraus, die offenbar gleich auf den deutschen User zugeschnitten sind. In diesem Fall erscheint zuerst die Frage: „Warum sind Zigaretten nach dem Sex so beliebt?“
Wohlfühlsound aus den USA
Tja. Das dürften Nichtraucher mit Blick auf ihren Geschlechtsverkehr nicht beantworten können. Fans von Cigaretts after Sex, sprich der gleichnamigen Band, allerdings schon. Es ist der verträumte, melancholische Rocksound. Er lässt den Puls schön niedrig und treibt zugleich das Gefühl von Wohligkeit nach oben. Ein niedriger Puls ist ja in diesen Tagen etwas, das viele Menschen – sowohl in der amerikanischen Heimat der Band, also auch in der Stadt ihres Konzertauftritts am Donnerstag – eher abging. Jedenfalls denjenigen, die die Regierungspolitik in ihren Ländern nicht kalt lässt.
Von einer aufgrund der aktuellen Geschehnisse irgendwie beeinflussten Stimmung merkte man den Besuchern am Donnerstag in der ausverkauften größten Berliner Konzerthalle nichts an. Natürlich. Es waren überwiegend sehr junge Menschen, meist weiblichen Geschlechts, die frohgemut in die Arena strömten. Was insofern bemerkenswert war, als dieselbe Band vor noch nicht so langer Zeit bei ihrem Konzert in einer viel kleineren Berliner Halle hauptsächlich von einem mittelalten Publikum goutiert wurde. Was insofern logisch war, weil das in etwa im Alter der Bandmitglieder war.

Greg Gonzalez (l-r), Jacob Tomsky und Randy Miller von der US-Band Cigarettes after Sex. Drei Jahre nach ihrem letzten Album meldet sich die US-Band Cigarettes After Sex mit ihrer neuen Platte «X’s» zurück.
Ebru Yildiz/Music First/dpaJetzt standen hier also drei Männer auf der Bühne wie auf einer großen dunklen Eisscholle, an dessen Rändern Nebeldunst waberte und sie blickten in ein handygemachtes Lichtermeer. Ausgebreitet wurde es von den Jüngerinnen für die Angebeteten, um darüber schweben zu können. Das taten die natürlich nicht, aber es war schon faszinierend, wie sich eine emotionale Brücke zwischen Band und Publikum bildete. Vielleicht lag es ein bisschen daran, dass, wenn man die Augen schloss, nicht den Sänger Greg Gonzales zu hören glaubte, sondern eine Frau.
Viele Tiktok-Kurzvideos sind mit ihrer Musik unterlegt
In Wahrheit, und die ist ja oft simpel, liegt die plötzliche mentale Verbindung zwischen den sehr jungen Fans und den etwas älteren Musikern – also die sensationelle Verjüngung des Bandpublikums - an schnöden konsumistischen Fakten. Auf Tiktok wurden diverse Kurzvideos mit den schwermütigen Songs der Amerikaner unterlegt. Zudem umspülten sie die Generation Z auf einer Spotify-Playlist mit traurigen Indie-Songs. Songs wie „Apocalypse“, „Dreaming Of You”, “You’re All I Want“, „Falling in Love“ bedienen einerseits Kuschelgefühle, andererseits Träumereien, die bei (weiblichen) Teenagern naturgemäß noch ausgeprägter sind als bei ihren Eltern.
Die Musik von Cigaretts after Sex ist der perfekte Poprock unserer Zeit. Gefühlig bis zum Geht-nicht- mehr, obwohl in seinem Tribut an die Entschleunigung in scheinbar paradoxem Widerspruch zum Daueralarm, in dem sich die junge Generation durch Social Media selbstbestimmt befindet.
"Cry" von Cigarettes after Sex auf YouTube:
Das ist natürlich keine Sache, die die jungen Fans in irgendeiner Weise interessiert oder interessieren muss, denn Pop ist am Ende immer Unterhaltung. Und er bedient aktuelle Gemütszustände, welche auch immer.
Die Band sieht es wohl letztlich genauso. Und für die ältere Generation hat sie ja am Ende doch auch viel zu bieten. Denn die slow-motionhaften Songs haben überdies einen sehr praktischen Nutzen. Sie landen auch auf „Einschlaf-Playlisten“, was die Musiker absolut okay finden. Sie sehen es als größtes Kompliment, wenn die Leute sagen, dass ihnen ihre Musik beim Einschlafen hilft. Das lässt sich nur unterschreiben, wenn man weiß, wie viele Menschen (mehr Frauen als Männer übrigens) unter schlechtem Schlaf leiden.
