Corona
: Die Existenzkrise des Kinos durch Konkurrenz von Netflix und Co.

In Zeiten der Corona-Pandemie offenbart sich eine düstere Perspektive für die Zukunft der Kinos und der Filmfestivals.
Von
Boris Kruse
Berlin
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Boris Kruse zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft der Kinos und Filmfestivals.

Gerd Markert/MMH

Das gaben die Veranstalter zu Beginn der Woche mit großer Bestimmtheit bekannt. Kein Konjunktiv, keine Option auf Ausweichtermine. Es war ein Statement, aus dem die unerschütterliche Hoffnung auf baldige Normalisierung nach dem Ende der Corona-bedingten Einschränkungen des Lebens sprach.

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Nun hat die Filmbranche solche Lichtblicke besonders nötig. Denn hier droht wie nirgendwo sonst der Untergang eines gesamten Wirtschaftszweiges. Kinos, Verleiher, Filmemacher – sie alle erfahren in diesen Wochen, dass ihre Existenzgrundlage äußerst fragil ist. Denn es droht die Konkurrenz durch Streamingdienste wie Netflix und Co., die der Kinoverwertung das Wasser abgraben. Warum noch eine teure Kinokarte kaufen und fünf Euro für das Popcorn zahlen, wenn ich das alles doch auch bequem auf dem Sofa samt Riesen-Flachbildschirm haben kann? Viele Cineasten erfahren in diesen Wochen, dass es auch ohne Kino geht.

Anders bei Konzerten oder Ausstellungen. Dort ist der Verlust des Live-Erlebnisses in diesen Wochen ungleich schmerzhafter. Zumal jetzt die Open-Airs anstünden, die neben der Musik auch kollektive Entgrenzung versprechen. Es kann sein, dass das ohnehin schon gebeutelte Kino und damit die traditionelle Art, Filmkunst herzustellen, jetzt in die schlimmste seiner vielen Existenzkrisen schlittert. Deshalb ist die Entscheidung der Biennale di Venezia, ihr 77. Filmfest unbedingt zu planen, absolut verständlich. Ebenso das Bemühen des entfallenen Festivals aus Cannes, sich da irgendwie einzuklinken.

Internationale Festivals wie Berlinale, Venedig, Cannes oder auch Sundance sind in der Rolle von Qualitätswächtern, und sie befördern den Diskurs rund um die Kunstform Film. Sie sind enorm wichtig, keine Frage – nur leider in einer verzweifelten Lage. Letztlich geht es einfach ums Geschäft. Das zeigten auch vor der Pandemie schon die Debatten um Netflix-Produktionen, die weitgehend an den traditionellen Strukturen vorbei entstehen. Drehbuchautoren und Regisseure klagen über Zeitdruck und Knebelverträge, mit denen diese Projekte gestemmt werden. Wenngleich Vorzeigefilme wie „Roma“ (2018) so entstehen, ist hier langfristig Übles für weniger marktkonforme Filme zu befürchten. Flammende Appelle, die den Zauber des Kinos beschwören, werden die Branche nicht retten. Jetzt ist guter Rat teuer.

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