Danger Dan: Warum der Rapper nicht beim ZDF auftreten darf

Pianist Igor Levit spielt mit dem Sänger Danger Dan (r) bei einer Probe vor einem Benefizkonzert für Ukraine im Berliner Ensemble.
Carsten Koall/dpa- ZDF lädt Danger Dan und Igor Levit aus „Die Anstalt“ aus – Verweis auf Programmrichtlinien.
- Begründung: Der Song „Keine Angst“ könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden.
- „Die Anstalt“-Redaktion widerspricht und nennt die Entscheidung mutlos.
- DJV spricht von Eingriff in redaktionelle Freiheit, Verdi übt ähnliche Kritik.
- ZDF plant eine „Aspekte“-Sondersendung, die den Song journalistisch einordnet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Dienstag (21.7.) wollte die ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ ihre Jubiläumsfolge senden. Die Show mit Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl, die 2014 gestartet war, sendet achtmal im Jahr eine Themensendung, die mit theatralen Mitteln die ganz großen Themen wie Klimawandel, Ukrainekrieg oder Donald Trump, aber auch den Immobilienmarkt, das Heizungsgesetz oder Lobby-Netzwerke im Bundestag behandelt.
Doch um die Jubiläumsfolge gab es jetzt vorweg großen Ärger, weil das ZDF entschied, den Song „Keine Angst“ des Rappers Danger Dan, den dieser mit Starpianist Igor Levit präsentieren wollte, nicht zu senden. Die beiden Künstler wurden kurz vor der Aufzeichnung ausgeladen. Der Sender begründete das damit, dass der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne. Das stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF.
Im Song, den Danger Dan in der Nacht zu Freitag auf YouTube veröffentlicht hat, gibt er eine Art Anleitung zum Kampf gegen rechts: „Ruf' erst mal ein, zwei Leute an, denen du vertraust
Auf die man sich verlassen kann und macht ein Treffen aus“, heißt es im Song, allerdings auch: „Doch ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst / Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil: Es gibt so viele Faschos bei der Polizei.“ Der Song endet mit „Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk.“ Damit dürften die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei ihrer Mitstreiter gemeint sein, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.
Das Satire-Team kritisiert die Entscheidung als „mutlos“
Das Team der Satiresendung „Die Anstalt“ hat die ZDF-Entscheidung zur Ausladung des Rappers Danger Dan als mutlos kritisiert. „Wir, ‚Die Anstalt‘, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF“, schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf Instagram. „Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren“, schrieben sie - gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme.
Der nordrhein-westfälische Medienminister Nathanael Liminski zeigt Verständnis für die Entscheidung des ZDF, den Rapper Danger Dan nicht in der Satiresendung „Die Anstalt“ auftreten zu lassen. „Der Liedtext ruft zu Aktionen mindestens am Rande der Legalität auf und zeigt eine Nähe zu teilweise verurteilten Extremisten“, sagte der CDU-Politiker, der auch im ZDF-Fernsehrat sitzt.
Journalisten-Verband sieht Eingriff in redaktionelle Freiheit
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem „schwerwiegenden Eingriff in die redaktionelle Freiheit“. „Ob das Lied ausgestrahlt werden sollte oder nicht, entscheidet die Redaktion und niemand sonst“, sagte die Bundesvorsitzende Mika Beuster. Eine Sonderausgabe des ZDF-Kulturmagazins „Aspekte“ wird sich mit dem Song „Keine Angst“ beschäftigen. Text und Aussage des Liedes erforderten eine gründliche journalistische Einordnung“, teilte das ZDF mit. Diese wolle man nun in der Sendung an diesem Samstag (18. Juli) leisten.
Ähnlich klang das bei der Gewerkschaft Verdi. Mit diesem ‚Eingriff aus Angst vor möglicher Kritik an einer Satire-Sendung‘, deren Inhalte sorgfältig vorbereitet und geprüft worden seien, werde der Redaktion und den Künstlern in den Rücken gefallen, kritisierte Christoph Schmitz-Dethlefsen, der im Bundesvorstand für Medien und Kultur zuständig ist.
Auch Linken-Chef Luigi Pantisano schaltete sich in die Debatte ein. Der „Rheinischen Post“ sagte er: „Ein antifaschistischer Song muss beim ZDF selbstverständlich Sendezeit bekommen. Die Absage an Danger Dan und Igor Levit hinterlässt den Eindruck eines vorauseilenden Gehorsams gegenüber einer rechtsextremen AfD, die die öffentlich-rechtlichen Sender am liebsten abschaffen will.



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