DDR-Band Karat
: Ex-Bassist klagt gegen Kultband um Sänger Claudius Dreilich

36 Jahre spielte Christian Liebig bei Karat. 2023 aber trennte sich die DDR-Band von dem Bassisten. Der klagt nun gegen seinen Rauswurf.
Von
Michael Heider
Berlin
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Die Band Karat mit Sänger Claudius Dreilich (l.) tritt am 13.04.2017 in Berlin am Eröffnungstag auf dem Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) auf.

Da war er noch Mitglied bei Karat: Bassist Christian Liebig (r.) mit Sänger Claudius Dreilich (l.) und Gitarrist Bernd Römer 2017 bei einem Karat-Konzert in Berlin.

Britta Pedersen/dpa

Für Fans der DDR-Kultband Karat begann das Jahr 2023 mit einem Schock. Überraschend verkündete die Gruppe damals, dass sich ihre Wege von denen des Bassisten Christian Liebig (69) und Schlagzeugers Michael Schwandt (76) fortan trennen. Nun müssen Karat-Anhänger erneut eine schlechte Nachricht hinnehmen. Wie am Donnerstag (18. April) bekannt wurde, klagt Ex-Bassist Liebig gegen seine einstigen Bandkollegen.

Zuerst berichtete die B.Z. über die Klage vor dem Landgericht Tegeler Weg in Berlin. Demnach soll das Zivilgericht darüber entscheiden, ob die Trennung von dem Bassisten den gesetzlichen Grundlagen entsprach. Nach Informationen des Springer-Blatts soll es allerdings nicht um eine Wiedereinstellung des Musikers bei Karat gehen, sondern um Geld. Die Rede ist von „Honorarforderungen Liebigs in einem größeren fünfstelligen Eurobereich“.

Neuer Gerichtstermin für Verfahren gegen Karat

Der ursprünglich im Bericht angegebene Prozessbeginn am 25. April 2024 ist allerdings nicht mehr aktuell. Wie eine Pressesprecherin der Berliner Zivilgerichte auf Nachfrage mitteilte, wurde das Verfahren an eine andere Zivilkammer abgegeben. Der neue Termin ist nun für den 22. Juli 2024 anberaumt (Az. 7 O 117/24).

Ob es zu dem Verfahren kommt, scheint allerdings noch nicht in Stein gemeißelt. Wie Christian Liebig gegenüber der B.Z. verriet, gebe es noch einen Gütetermin. „Wenn wir uns da einigen, ist der Prozess natürlich hinfällig“, sagte der Musiker. Das Management von Karat wollte den B.Z.-Bericht nicht kommentieren und verwies auf die Zeit nach dem Gerichtstermin.

Über Gründe für Trennung kursieren viele Gerüchte

Knapp 36 Jahre lang war Christian Liebig Mitglied bei Karat, die mit Songs wie „Über sieben Brücken musst Du geh’n“ oder „König der Welt“ Erfolge über die Grenzen der DDR hinaus feierten. Der Bassist stieß 1986 als Ersatz für Henning Protzmann zur Band, der die Gruppe wegen persönlicher und musikalischer Differenzen mit dem damaligen Sänger Herbert Dreilich verließ. Als Nachfolger Liebigs wurde im April 2023 Daniel Bätge (47) zusammen mit Heiko Jung (51), der Schlagzeuger Michael Schwandt ersetzte, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zu den Gründen für die Trennung von Liebig und Schwandt, der bereits ab 1976 bei Karat trommelte, kursieren schon lange Gerüchte. Auch von Spannungen zwischen Christian Liebig und Sänger Claudius Dreilich (53) war die Rede. Offiziell bestätigt ist davon allerdings nichts. Dass die mehrheitlich beschlossene Personaländerung – als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) trifft Karat Entscheidungen durch Abstimmung – jedoch nicht reibungslos ablief, darauf deutete bereits ihre Bekanntgabe hin.

Diese veröffentlichten Karat am 1. Januar 2023 auf Facebook. In dem Post verwies die Gruppe auf eine Schweigevereinbarung, die im Vorfeld zwischen den Bandmitgliedern getroffen, offenbar aber nicht eingehalten wurde. Tatsächlich berichtete die BILD-Zeitung wenige Tage vor der Bekanntgabe Karats über das Ausscheiden der beiden Bandmitglieder.

So reagieren Karat-Fans auf die Klage

Fans von Karat reagierten auf die Meldung über die Klage unterschiedlich. In den Kommentarspalten der sozialen Medien wird einerseits das Waschen „schmutziger Wäsche in der Öffentlichkeit“ beklagt.

Im Angesicht vieler ungeklärter Gerüchte um die Trennung von den Ex-Bandmitgliedern erkennen andere aber auch überfälligen Aufklärungsbedarf: „Wird höchste Zeit [und] ist mal ganz gut dass mal ALLE die Wahren Gründe darüber erfahren“, schreibt ein Anhänger der Band. Einige äußern auch Bedauern über die Vorgänge: „Muss es immer so weit kommen? Sehr schade.“

Für die übrigen Karat-Mitglieder dürfte die Klage jedenfalls zur Unzeit kommen. Die Band, die 1975 in Ost-Berlin gegründet wurde, steuert gerade auf ihr 50. Bühnenjubiläum zu. Wie Sänger Claudius Dreilich Ende 2023 in der „Beatrice Egli Show“ ankündigte, planen er und seine Kollegen für das Jubiläumsjahr zudem mit der Veröffentlichung eines neuen Albums. Aktuell befindet sich Karat auf Tour. Am 26. April spielt die Kultband ein Konzert im Nikolaisaal in Potsdam.

Termine von Karat in der Region 2024

26.4.: Nikolaisaal Potsdam

1.6.: Schlosspark Oranienburg

22.6.: Optikpark Rathenow

23.6.: Kastanienwiese Neuhardenberg

29.6. Junge Garde Dresden

24.8.: Open Air Finsterwalde

30.10: Lausitzhalle Hoyerswerda

15./16.11.: Konzertkirche Neubrandenburg

17.11.: Kulturkirche Neuruppin

29.11.: Admiralspalast Berlin

2025 gehen Karat auf die „50 Jahre Karat“-Jubiläumstour, u.a. nach Frankfurt (Oder), Cottbus, Schwedt, Luckenwalde, Oranienburg und Potsdam. Termine und Tickets über https://karat-band.com/termine-karat-band/