Deftones in Berlin 2026: Ikonen mit TikTok-Hype? So war das Konzert in der Max-Schmeling-Halle

Sorgt in Berlin für eine ausverkaufte Max-Schmeling-Halle: Chino Moreno, Sänger der Deftones (hier 2013 bei einem Konzert in Gelsenkirchen)
Caroline Seidel/dpa- Deftones spielten in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle in Berlin.
- Start mit „Be Quiet and Drive (Far Away)“, starke Energie und Moshpits.
- Publikum auffallend jung; TikTok-Hype hilft, erklärt Erfolg aber nicht allein.
- Setlist: Klassiker und viele Songs vom neuen Album „private music“.
- Zweites Berlin-Konzert angekündigt: im August in der Wuhlheide mit Ecca Vandal und Turnstile.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Da ist es, dieses unverkennbare Kratzen auf den Saiten. Leise Atmosphäre, irgendwo zwischen Riff und Melodie. Lautes Kreischen. Unzählige Handybildschirme beginnen über dunklen Silhouetten zu leuchten. In der Max-Schmeling-Halle wissen alle, was gleich kommt. Chino Moreno tritt ins Licht, hebt kurz den Arm zur Begrüßung und leitet mit dumpf gepressten „Uagh!“ den Drop von „Be Quiet and Drive (Far Away)“ ein.
Mit einem ihrer größten Hits starten Deftones an diesem Freitagabend ihr Konzert in Berlin. Wie Wachs in einer Lavalampe wabern die Riffs von Gitarrist Stephen Carpenter durch die Halle. Der Bass dröhnt diabolisch. Bierbecher fliegen in die Luft. Alles an diesem Moment ist herrlich verschwenderisch! Es dauert nicht lange, bis das Wogen der Masse in Pogen übergeht und kleine Moshpits entstehen.
Erstaunlich, welche Energie die Deftones transportieren
Moreno, in hellem Hemd gekleidet, hüpft und sprintet über die Bühne. „Locked club“, „ecdysis, „Diamond Eyes“ – nach wenigen Songs hängen ihm dunkle, schweißgetränkte Strähnen im Gesicht. Dieser Mann soll 52 sein? Es ist erstaunlich, welche Energie die Deftones noch transportieren. Nur mal zur Einordnung: Als dieser Band mit „Around the Fur“ 1997 der Durchbruch gelang, hieß der Bundeskanzler noch Kohl und die erste Ausgabe von „Tony Hawks Pro Skater“ ließ noch zwei Jahre auf sich warten.
Dass die Deftones kein schwindendes Echo vergangener Zeit sind, zeigt das Berliner Publikum. Zahlreiche junge Fans sind darunter, auffallend jung für ein Konzert solchen Härtegrades. Teenies mit schwarzem Lippenstift und Nietengürtel machen Selfies. Immer wieder ist zu lesen, die Kalifornier hätten diesen Anklang bei der Gen Z TikTok zu verdanken. Songs wie „Cherry Waves“ oder „Change (In the House of Flies)“ sind dort unter virale Clips gelegt.
Virale Videos (allein) bescheren Deftones keine ausverkaufte Arenen
In Sachen Popularität hat dies sicher nicht geschadet. Allein erklären, warum im Berlin der Gegenwart knapp 12.000 Menschen 80 Euro für ein Deftones-Ticket hinlegen, kann es aber nicht. Die Antwort liegt vielmehr in der Setlist. Die TikTok-Hits und Klassiker wie das vergleichsweise ruhige „Sextape“ sind darunter, aber auch viel Neues. „Souvenir“, „cut hands“, „infinite source“ – eine Menge Musik des jüngst erschienen Albums „private music“. Songs, die vielleicht nicht innovativ sind, aber doch mehr als nur mehr vom Alten.
Mit ihrem Mix aus Alt-Metal, atmosphärischem Shoegazing und einem Hauch Metalcore gelingt den Deftones ein gewaltiger Spagat. Sie halten nicht nur Fans aus frühen Nu Metal-Jahren bei der Stange, sondern sind zugleich für eine Zielgruppe anschlussfähig, die aktuelle Progressive Bands wie Spiritbox oder Sleep Token feiert.
Gut also, dass die Musik in Berlin im Vordergrund steht. Chino Morenos Stimmbänder mögen ein, zwei Songs brauchen, um dem sphärisch-dröhnendem Soundkosmos seiner Bandkollegen etwas entgegenzuhalten. An Einsatz mangelt es dem Sänger nicht. Unablässig rennt er, animiert die Fans, tänzelt auf Bühnenmonitoren. Mal schmettert er seine Texte vom Bühnenrand der ersten Reihe entgegen, mal vom Podest, auf dem Drummer Abe Cunningham und Plattendreher Frank Delgado positioniert sind.
In Berlin sind Deftones Sound-Alchemisten
Die Bühne ist schlicht. Unter einer zum X geformten Traverse wachsen vier schmale Lichtsäulen in die Höhe. Sie flimmern, flackern und blitzen wie ein Stroboskop. Dazwischen brauen diese sechs Alchemisten (Gitarrist Lance Jackman und Fred Sablan am Bass ergänzen die Deftones live) ihr infernales Klanggemisch. Wie passend, dass zu „My Mind Is a Mountain“ Ausschnitte aus Alejandro Jodorowskys „Montana Sacra (Der heilige Berg)“ den Videoscreen füllen, einem Kultstreifen über Gewalt, Mystik und Alchemie.
Die Berlinerinnen und Berliner nehmen gierige Schlücke aus der Pulle. Band und Publikum speisen sich gegenseitig mit enormer Energie. Die Deftones schreiben wenig Texte zum Mitsingen, ihre Musik trägt live eine vollends körperliche Dimension. Schweiß wird in der Schmeling-Halle zur unerschöpflichen Ressource. Wem es im kochenden Pulk vor der Bühne zu heiß wird, bleibt mitunter nur Crowdsurfing - eine Exit-Strategie, von der rege Gebrauch gemacht wird.
Chino Moreno ist beeindruckt: „Ihr seid überhaupt nicht müde“
Doch egal, wie oft die Betonwand von Riffs auf sie prallt, es bleiben genug, um mit den Deftones die Flamme dieses intensiven Spektakels brennen zu lassen. Berlin, eine Stadt voller Teufelskerle und -frauen! Sogar als mit „Genesis“ und „milk of the madonna“ die Zugabe näherrückt, haben sie noch nicht genug. „Ihr seid überhaupt nicht müde“, zeigt sich Chino Moreno beeindruckt.
Nur folgerichtig, dass Deftones wenige Stunden zuvor ein zweites Konzert in der Hauptstadt angekündigt haben. Im August wollen sie in der Wuhlheide spielen, gemeinsam mit Ecca Vandal und Turnstile. Verdammt große Geschütze also! Doch eines ist nach knapp zwei Stunden in der Max-Schmeling-Halle klar: Berlin ist gewappnet!


