„Der Leopard“ bei Netflix
: Kann die Serie mit dem Film von 1963 mithalten?

Luchino Viscontis Verfilmung „Der Leopard“ mit Alain Delon und Claudia Cardinale ist legendär. Nun hat Netflix den Stoff neu verfilmt. Lohnt sich das?
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
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Streaming-Ausblick: „Der Leopard“

Müder Löwe: Kim Rossi Stuart als Fürst von Salina in der Netflix-Serie „Der Leopard“

Lucia Iuorio/Netflix/dpa
  • Netflix hat den Roman "Der Leopard" neu verfilmt; Start der Serie ist in Frankfurt (Oder).
  • Die Serie zeigt prachtvolle sizilianische Paläste und opulente Kostüme.
  • Kim Rossi Stuart spielt den Fürst von Salina, Saul Nanni den Neffen Tancredi.
  • Neuakzent: Concetta, die Tochter des Fürsten, erhält eine größere Rolle.
  • Originalverfilmung von 1963 mit Burt Lancaster, Alain Delon und Claudia Cardinale bleibt unerreicht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist ein Lieblingssatz der Konservativen: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern“. Er stammt aus Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman „Der Leopard“. Diesen Satz hatte wohl auch Wolfgang Schäuble im Sinn, als er das Buch einst Friedrich Merz zu Weihnachten schenkte. Der retournierte das Geschenk postwendend: Mit einem Roman könne er nichts anfangen.

Nun hat sich der Streamingsender Netflix des Stoffs angenommen, und die Frage ist, ob er mehr anfangen kann mit der Geschichte vom Niedergang eines Adelsgeschlechts im von Garibaldis Truppen heimgesuchten Sizilien in den Jahren nach 1860. Sicher, Schauwerte hat die sechsteilige Serie jede Menge, die prachtvollen sizilianischen Paläste in verschiedenen Stadien des Niedergangs, die weite Landschaft, die opulenten Kostüme.

Kim Stuart Rossi spielt den Leoparden, Fabrizio, Fürst von Salina, der sich aus Resignation oder Einsicht den Neuerungen nicht verschließen will, die sein Neffe Tancredi (Saul Nanni) in das festgefügte Familien- und Herrschaftsarrangement bringt. Wozu auch gehört, dass Tancredi nicht Concetta (Benedetta Porcaroli), die Lieblingstochter des Fürsten heiratet, sondern die so schöne wie ehrgeizige Angelica (Deva Cassel, Tochter von Monica Bellucci), Tochter des Dorfbürgermeisters in Salinas Sommersitz Donnafugata.

Unerreichtes Vorbild: Luchino Viscontis Verfilmung von 1963

Das Problem ist: Diese Geschichte ist filmisch schon einmal erzählt worden, und zwar so monumental, elegant und unwiderstehlich, dass keine Serie der Welt hier punkten kann. Was will man schon gegen eine Besetzung von Burt Lancaster (Salina), Alain Delon (Tancredi) und Claudia Cardinale (Angelica) anfangen, und gegen den epischen Schwung, in dem Luchino Visconti in seinem Film von 1963 der finalen Ballszene ganze 45 Minuten widmete?

Immerhin: ein paar Neuakzente wagt die Serie, indem sie Concetta eine größere Rolle zubilligt: Die mindestens ebenso willensstarke Tochter des Fürsten wächst über ihre unglückliche Liebe hinaus zur eigentlichen Nachfolgerin heran. Damit hat sich, aus feministischer Sicht, doch einiges verändert. Damit alles bleibt, wie es ist.

„Der Leopard“, abrufbar bei Netflix