Deutsches Theater Berlin
: DDR-Klassiker „Weltall Erde Mensch“ – geht das auf der Bühne?

Die neue Intendantin Iris Laufenberg startet am Deutschen Theater mit einer Hommage an die DDR-Tradition, mit einer Dramatisierung von „Weltall Erde Mensch“.
Von
Irene Bazinger
Berlin
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Weltall Erde Mensch: Eine unwahrscheinliche Reise von Alexander Eisenach und Ensemble am Deutschen Theater Berlin

Thomas Aurin

Das Deutsche Theater Berlin wird ab dieser Spielzeit mit Iris Laufenberg als Intendantin zum ersten Mal von einer Frau geleitet. Und die will hoch hinaus, was ja zu diesem Amt und seiner künstlerischen Verantwortung passt. Aber musste es zur Eröffnung gleich ein Stück wie „Weltall Erde Mensch“ sein?

Ein Stück ist die Vorlage auch gar nicht, sondern ein Sachbuch, das Jugendlichen in der DDR zur Jugendweihe geschenkt wurde, um sie über die Vorteile des Sozialismus in Wissenschaft, Politik und Kunst zu belehren. Das Vorwort stammte von Walter Ulbricht.

Sätze wie diese waren in einer solchen Publikation freilich unvorstellbar: „Ich glaube, mit ihm stimmt etwas nicht. Ich glaube, er hat einen Komplex, weil er so klein ist. Er will heiraten, damit wir Kinder haben können - bei seinem Gehalt!“ Der Text der vierstündigen Aufführung stammt fast ausschließlich von Regisseur Alexander Eisenach und Ensemble samt allerlei hineingebastelten Passagen aus anderen Büchern.

Anknüpfen an die DDR-Tradition des Deutschen Theaters

Mit dem originalen Titel will man wohl in der Berliner Theaterkonkurrenz auffallen und irgendwie an die DDR-Tradition des Deutschen Theaters anknüpfen, was vielleicht aus der österreichischen Landeshauptstadt Graz gesehen, wo Laufenberg vorher Intendantin war, als gute Idee erschien, doch an der Spree extrem verschnarcht ankam. Dementsprechend müde war die Atmosphäre am Premierenabend – ohne Aufbruchseuphorie auf dem Vorplatz, in den Foyers, im Saal.

Das alles wäre weniger schlimm gewesen, hätte zumindest Alexander Eisenach versucht, die Sterne vom Himmel zu holen! Stattdessen begnügte er sich mit altbacken-dürftigem Wortgeklingel über den Geschlechterkampf, Feminismus, Sexualität, Besitzverhältnisse, die Unendlichkeit des Kosmos und diverse gescheiterte Utopien – frei assoziiert und beliebig zur konfusen Collage montiert.

Die zehn Schauspielerinnen und Schauspieler stecken in leicht futuristischen Kostümen und Perücken von Claudia Irro und versteifen sich meist ergriffen in dem zeitgeistig aufgeblasenen Science-Fiction-Blabla, den sie häufig als Monolog deklamieren müssen. Ein bisschen Gruppendynamik gibt es auch, dann rennt man im Kreis um eine abstrakte Skulptur herum – die am Ende als Rakete Richtung Plafond abhebt – oder verabschiedet sich winkend-grinsend in die nächste Galaxie.

Der letzte Man auf dem Planeten der Frauen

Julischka Eichel, Sarah Franke oder Anja Schneider machen das darstellerisch Beste aus ihren kaum erkennbaren Figuren, Felix Goeser und Florian Köhler reden sich im „Café Moskau“ die Köpfe über Kapitalismus und Kommunismus heiß, Peter René Lüdicke turnt als der letzte überlebende Mann auf dem Planeten der Frauen endlos aus einem Nest, grunzt, spuckt, wackelt mit dem Kopf und begreift die Welt nicht mehr.

Die Bühne dreht sich oft, was die ganze überfrachtete Inszenierung allerdings keineswegs in Schwung bringt. Mal taucht ein hoher Turm auf, mal liegen riesige Stoffbälle herum, außerdem werden Live-Videos eingeblendet. In einem sinnfreien Wortschwall über die Unsterblichkeit sagt Caner Sunar einmal: „Aber auch das bedeutet nichts.“ Genauso lässt sich diese eitle wie platte Aufführung zusammenfassen.

Weltall Erde Mensch. 24./30.9., 7.,21.,22.,30.10., Deutsches Theater Berlin, Tel. 030-28441-225, www.deutschestheater.de