Diskussion in Schloss Trebnitz: Die Zukunft des Hirschberger Tals

Auferstanden aus Ruinen: Schloss Fischbach wurde 1844 von Stüler umgebaut. Seit 2014 ist es ein Schlosshotel.
Camillo Kupke/MOZFür Klaus von Krosigk, emeritierter Gartenbaudirektor aus Berlin, ist das Trebnitzer Schlossgespräch am Mittwoch ein Heimspiel. Er kennt das Hirschberger Tal seit den frühen Neunzigern und hat sich vehement für eine Eintragung als Weltkulturerbe eingesetzt – bis jetzt allerdings erfolglos. Wie oft hat er diesen Vortrag wohl schon gehalten, über die Schlösser Buchwald, Ruhberg, Fischbach, Schildau und Erdmannsdorf, die sich die preußische Königsfamilie und ihr Hof unter Mithilfe von Schinkel, Stüler oder Lenné zu Sommeresidenzen in weitläufigen Parks ausbauten? Wie viele Studienreisen hat er nach Schloss Lomnitz geführt, wo Familie Küster seit 1992 das Schloss ihrer Vorväter aus Ruinenzustand wieder zur ersten Anlaufstelle aller polnisch-deutschen Denkmal- und Kulturbegeisterten gemacht hat?
Und doch mischt sich in die Erzählung des streitbaren ICOMOS-Vertreters zunehmend Resignation angesichts einer polnischen Denkmalpflege, die seit Machtübernahme der Kaczynski-Brüder Mitte der Neunzigerjahre zunehmend weniger Interesse an der Pflege der ehemals preußischen Kulturgüter zeigt? Während Investoren einen Hotelklotz nach dem nächsten in die sensible, durch jahrzehntelange Missachtung bemerkenswert unzerstört gebliebene Kulturlandschaft setzen und das polnische Baurecht ohne Flächennutzungspläne jedem Grundbesitzer gestattet, Bungalows nach eigenem Geschmack und Größe auf das eigene Land zu bauen, Kulturlandschaft hin oder her. „Wenn das so weitergeht“, orakelt von Krosigk, „kann man den Welterbestatus in zehn Jahren vergessen“.
Der Welterbestatus für den Talkessel, den schon Caspar David Friedrich malte und Alexander von Humboldt rühmte, ist die Lieblingsidee des Denkmalschützers, der sich nach juristischen Handreichungen sehnt, um dem schlimmsten Wildwuchs zu begegnen. Hat so ein Status am Mittelrhein, in Dresden, Potsdam oder im Gartenreich Dessau-Wörlitz zumindest zeitweilig als Argument gegen Brückenbaupläne, Großbauten und Windräder gedient. Aber auch was die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen angeht, ist von Krosigk inzwischen frustriert. Nach verheißungsvollen gemeinsamen Anfangsjahren habe er heute fast keinen Kontakt zu den polnischen Kollegen mehr. Und auch nicht den Eindruck, dass sie vor Ort viel ausrichten könnten.
Denn noch immer verfallen rund die Hälfte der 30 Schlösser, die das Hirschberger Tal zur einzigartigen Kulturlandschaft machen. Auch fehlen Ideen für sinnvolle Nutzungen jenseits von Schlosshotels. „Kein Investor ist in der Lage, die immens hohen Kosten einer denkmalgerechten Wiederherstellung aufzubringen“, gesteht von Krosigk angesichts des heute als Schule genutzten Königsschlosses Erdmannsdorf ein.
Eine Situation, die der in der Mark vergleichbar ist. Auch hier, weiß Moderatur Stefan Felsberg zu berichten, fehle für rund 30 Prozent der mehr als 800 Gutshäuser ein vernünftiges Nutzungskonzept. Hausherr Darius Müller erläutert am Beispiel von Trebnitz, dass man seit 1992 nach Partnern gesucht und sie mit dem Gustav-Seitz-Museum und dem Archiv für Heilpädagogik auch gefunden habe. Ähnlich kreative Kulturkonzepte wünscht man auch den Kommunalpolitikern im Hirschberger Tal.
Schlesisches Elysium: Das Hirschberger Tal
Das Hirschberger Tal liegt zu Füßen des Riesengebirges unweit der Stadt Jelenia Góra (Hirschberg) in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien, 70 Kilometer östlich von Görlitz. Als Info eignet sich Arne Franke, Katrin Schulze: "Das schlesische Elysium – Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und Parks im Hirschberger Tal". ⇥red
