Filmfest Eberswalde 2026: Geflutete Dörfer, Goldrausch und mehr - das Programm

Zwei Generationen Goldgräber, eine Hoffnung: mit der chilenischen Dokumentation „Die fabelhafte Maschine, die Gold erntet“ eröffnet die Provinziale 2026.
Alfredo Pourailly De La Plaz- Filmfest Eberswalde 2026 zeigt 34 Filme aus 18 Ländern – vom 10. bis 17. Oktober.
- Leitmotiv ist eine „Welt in Unordnung“, geprägt von Krieg, Vertreibung und Eingriffen.
- Eröffnungsfilm: „Die fabelhafte Maschine, die Gold erntet“ über chilenische Goldgräber.
- Wettbewerbe: Doku lang/kurz, Kurzspielfilm, Animation; Publikum vergibt „Rose“ und „Distel“.
- Rahmen: Musik, Filmgespräche, Regional- und Jugendfilme, Netzwerkstatt für Filmschaffende.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Provinz ist überall“, sagt Kenneth Anders. In Kambodscha, wo Industrie Siedlern wieder und wieder ihr Dorf streitig macht. In den syrischen Qalamun-Bergen, wo eine Ordensgemeinschaft zwischen Christen und Muslimen vermittelt. Oder mitten in Berlin, wo sich eine Straßenecke zusehends verändert. Allesamt Orte, Menschen, Themen, die filmisch verarbeitet wurden und im Programm der diesjährigen Provinziale laufen, deren Leiter Anders ist.
Das Filmfestival geht in seine 23. Ausgabe. Von rund 550 gesichteten Filmen aus 55 Ländern haben es 34 Filme aus 18 Ländern in die Endauswahl geschafft. Vom 10. bis 17. Oktober werden sie im Haus Schwärzetal gezeigt. Egal ob Dokumentation, Kurzfilm oder Animation – stets wird die Beziehung von Menschen zu den Räumen, in denen sie leben, verhandelt.
Wurden früher oft Filme eingereicht, die von harmonischen Verhältnissen im Landleben berichten, ist die Realität im Jahr 2026 herausfordernder. Kriege, Vertreibung, industrielle Ein- und Übergriffe: „Lebenspraxen sind unglaublichen Störungen ausgesetzt“, umschreibt es Kenneth Anders. „Die Welt ist, wenn man so will, in Unordnung.“ Eine Unordnung, die sich in den Festivalbeiträgen widerspiegelt. „Die Menschen sind aufs Äußerste herausgefordert, um ihr ganz normales Leben leben zu können.“
Nicht die Botschaft, sondern der Film entscheidet
In „Die fabelhafte Maschine, die Gold erntet“, dem ersten Wettbewerbsbeitrag, regt diese Herausforderung zum Träumen an. Der chilenische Regisseur Alfredo Pourailly De La Plaza porträtiert darin Goldgräber Toto und seinen Sohn Jorge, der eine Maschine für die Goldsuche entwickelt, um den prekären Lebensumständen zu entkommen. „Es ist einfach wirklich ein schöner Film“, sagt der Kulturwissenschaftler Anders. Zum Auftakt wolle man dem Publikum „ein bisschen Mut machen für die Woche“.
Der deutsche Regisseur Paul Sonntag beobachtet in „Nichts bleibt und nichts verschwindet“ über fünf Jahre den Wandel einer Straßenecke in Berlin-Moabit. „Kukata Miti“ von Daniel Kötter verbindet den Verlust und die Veränderung von Wäldern in seiner Heimat, dem Bergischen Land, mit den Folgen einer sich wandelnden Umwelt in Indonesien und im Kongo. Polen Ly erzählt in seiner Dokumentation „Bis die Orchidee blüht“ von einer indigenen Gemeinschaft in Kambodscha, deren Dorf für ein Wasserkraftwerk geflutet wurde.

Eine Straßenecke in Berlin-Moabit verändert sich: Wie? Das zeigt Paul Sonntag in seinem Film „Nichts bleibt und nichts verschwindet", der im Hauptwettbewerb der Povinziale 2026 läuft
Paul SonntagEinblick in eine Filmauswahl, die das Ergebnis langer Sichtungen und Debatten unter 16 Programmbeiratsmitgliedern ist. „Es wird über alle Filme intensiv gesprochen“, beschreibt Kenneth Anders den Prozess. „Doch es ist der einzelne Film, der überzeugen muss.“ Erst im Anschluss wird versucht, die Werke so zusammenzustellen, dass sie sich im Gesamtprogramm „thematisch oder stilistisch“ gegenseitig erhellen.
Das gilt auch für die politische Dimension. Die bestehe zwangsläufig, weil Filme mit der Welt in Beziehung stünden, erklärt Anders. Entscheidend für das Programm der Provinziale sei aber „primär das Filmische“. „Würde das Politische dominieren, dann hätten wir es ja mit Propaganda zu tun.“
Regionale Filme und Nachwuchs auf großer Leinwand
So wartet das Brandenburger Filmfestival auch dieses Mal mit einem enorm vielfältigen Spielplan auf. Die ausgewählten Beiträge werden wie gewohnt in den vier Wettbewerben Dokumentarfilm lang und kurz, Kurzspielfilm und Animation präsentiert. Hinzu kommt ein buntes Rahmenprogramm mit Musik und Filmgesprächen. Im Sonderprogramm läuft unter anderem ein Film über den Einbau einer schottischen Orgel in Prenzlau durch eine Eberswalder Orgelbaufirma. Und bereits zum zweiten Mal findet die Netzwerkstatt für Filmschaffende aus der Region statt.
Auch der Nachwuchs steht wieder im Fokus. Beim Jugendfilmnachmittag werden 18 ausgewählte Filme gezeigt, die Jugendliche selbst produziert haben. Kenneth Anders gefällt daran besonders, dass die Arbeiten nicht auf eine makellose professionelle Oberfläche getrimmt werden. Die Jugendlichen sollen sichtbar bleiben – „mit allen Unfertigkeiten“. Einen Wettbewerb mit Gewinnern und Verlierern will das Festival daraus derzeit nicht machen. „Ein Preis hat zwar immer den Vorteil, dass man am Ende einen Sieger hat, aber man hat eben auch vielen die Anerkennung versagt“, sagt Anders.
An Prämierungen in den Hauptwettbewerben hält die Provinziale allerdings fest. So werden die Festivalzuschauer erneut zum Juror und würdigen mit der „Rose“ den Film, der besonders gut gefallen hat. Bei der „Distel“ sollen sie noch einmal genauer hinschauen: Wie trägt der Film inhaltlich? Wie funktioniert das Drehbuch? Was ist an der filmischen Gestaltung bemerkenswert? „Wir haben auch ein Publikumsbuch, in dem man Einträge hinterlassen kann“, erklärt der Festivalleiter. Einträge, die in die Laudatio für die prämierten Filme einfließen.
Publikum wie Jury dürften erneut die Qual der Wahl haben. Denn an großartigen Filmen, die von Menschen und ihren Lebensräumen erzählen, mangelt es der Provinziale in Eberswalde nicht. Provinz ist eben überall: „Es geht in erster Linie um den Fokus“, sagt Kenneth Anders.
Die 23. Provinziale läuft vom 10. bis 17. Oktober im Haus Schwärzetal in Eberswalde. Mehr Infos zum Programm des Filmfest Eberswalde sowie Tickets gibt es hier.


