Er wurde im gleichen Jahr geboren wie Jimi Hendrix, Paul McCartney und Barbra Streisand. Frank Schöbel, dessen Karriere als „Sonnyboy des Sozialismus“ vor 60 Jahren in der DDR startete, wird am 11. Dezember 80 Jahre alt.
Der vierfache Vater und Opa von drei Enkeln könnte mit Familie und Freunden in seinem Haus in Berlin-Köpenick groß feiern. Aber Schöbel ist seinen Fans auch an diesem Tag treu: Er steht während seiner Tour mit dem Motto „Jubiläums-Gala zur Weihnachtszeit“ im brandenburgischen Prenzlau auf der Bühne.

Schon mit seinem ersten Song „Looky, Looky“ erreichte Schöbel Platz 1 der Charts

„Geburtstag feiern ist sowieso nicht mein Ding, ich bin lieber beim Publikum“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Und: „Ich möchte bitte keine großen Geschenke. Ich freue mich am meisten über freundliche, fröhliche Menschen bei unseren Muggen.“
Schöbel, Sohn einer Opernsängerin aus Leipzig, hatte schon als Jugendlicher gern gesungen und Gitarre gespielt. Seine Karriere startete gleich mit mehreren Hits: Der erste Song „Looky, Looky“ sprang auf den 1. Platz der „tip-Parade“, die Nachfolger „Blonder Stern“ und „Party-Twist“ ebenso. Die „tip-Parade“ war eine Musikwertungssendung auf Radio DDR.
Bei einem Konzert im brandenburgischen Neuenhagen 2018 singt Frank Schöbel das Lied "Mit mir können sie es ja machen" mit einer Ohren-Maske.
Bei einem Konzert im brandenburgischen Neuenhagen 2018 singt Frank Schöbel das Lied „Mit mir können sie es ja machen“ mit einer Ohren-Maske.
© Foto: Patrick Pleul/dpa
Lockenfrisur, Jeans, Lederjacke und ein sympathisches Lächeln. Diesem Look ist der Sänger, den seine Fans gern „Frankie“ nennen dürfen, seit Jahrzehnten treu geblieben. Er besitze etwa 20 Lederjacken, die älteste sei 33 Jahre alt, erzählt er kurz vor seinem 80. Geburtstag. Auf der Bühne ist er sich für keinen Spaß zu schade. Seinen Hit „Mit mir könnses ja machen“ etwa singt er gerne mit riesig großen Ohren aus Plastik.

Während DDR im Traum-Duo mit Chris Doerk

Mehr als 600 Titel hat Schöbel im eigenen Repertoire. In der DDR war er der erfolgreichste Schlagersänger – einige Jahre lang im Traum-Duo mit seiner damaligen Frau Chris Doerk. Später gehörte er mit seiner zweiten Frau Aurora Lacasa und den Töchtern Odette und Dominique an Heiligabend zum festen Programmpunkt im DDR-TV. In „Weihnachten in Familie“ sangen die Vier in ihrem Wohnzimmer. Das gleichnamige Album gilt als meistverkauftes der DDR-Plattenfirma Amiga. Schöbel und Lacasa trennten sich Mitte der 90er Jahre.
Schöbel feierte schon zu DDR-Zeiten große Erfolge.
Schöbel feierte schon zu DDR-Zeiten große Erfolge.
© Foto: Wolfgang Weihs/dpa
Er komponierte zudem 365 Lieder, unter anderem für Gisela May, Harald Juhnke, Karel Gott und Union Berlin. Dennoch sagt er, die Bezeichnung „Star“ möge er nicht. „Das klingt so weit weg von den Menschen, für die ich singe.“ „Eine Jeans, ʼn Shirt, ein Paar Turnschuhe im Jahr, und die Welt ist in Ordnung“, schrieb Schöbel in seiner Autobiografie. Immerhin: Mit Mitte 50 erfüllte er sich (fast) seinen Traum von einer „Blockhütte in Kanada“. Das mit der Blockhütte hat geklappt, sie steht aber nicht in Kanada, sondern in Berlin-Köpenick – in Gestalt eines finnischen Blockhauses mit Garten.
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Schlager-Star ohne Allüren

Auch in Interviews ist von Star-Allüren nichts zu merken. Lange traf sich Schöbel gerne dafür in einem Café im Osten Berlins. Beim Interview-Termin mit dpa vor seinem 70. Geburtstag verschwand er als sein eigener Maskenbildner kurz auf dem WC des Cafés. Nach dem längeren Gespräch bedankte er sich für die Geduld.
Doch unterdessen antwortet er nur noch schriftlich auf Fragen von Journalisten. „Da kann ich in Ruhe überlegen“, begründet er diese Entscheidung in seiner aktuellen Autobiografie „Danke, liebe Freunde!“. Zudem seien dann Missverständnisse ausgeschlossen.

„Irgendwann werfe ich das Handtuch“

Jahrzehntelang fuhr der Sänger, Komponist, Musikproduzent, Autor und Schauspieler von Auftritt zu Auftritt. Dann kam die Corona-Pandemie. Und Schöbel merkte, „wie schön es sein kann, wenn man nicht mehr den Hit-Paraden nachjagt, wenn man nicht in immer dümmer werdenden, oft hinter den Kulissen verlogenen Sendungen sein muss, wenn man in Ruhe Freunden zuhören kann und nicht schon wieder auf der Jagd zur nächsten Mugge ist.“ So schildert er es im Vorwort seiner Ende September erschienenen Autobiografie – und kündigt mit Blick auf seine Karriere an: „Irgendwann werfe ich das Handtuch.“
Aber im Moment sieht es danach nicht aus. Im Gegenteil. Allein im Dezember stehen 18 Konzerte auf dem Terminplan – bis einen Tag vor Heiligabend. Über seine Gesundheit sagt der emsige Künstler, der kurz vor seinem 80. mit Grippe im Bett lag und von dort aus per Mail die Fragen beantwortete: „Im Moment bin ich gut drauf.“ Und gibt es noch etwas, was er sich in den kommenden Jahren auf jeden Fall erfüllen möchte? Schöbel: „Sehr gern würde ich einen lustigen, nicht ganz doofen Musikfilm machen.“

Frank Schöbel – Die Jubiläums-Gala zur Weihnachtszeit

Auch in seinem 60. Bühnenjahr ist Schlagersänger Frank Schöbel noch live zu sehen. Derzeit befindet er sich mit seinem Programm „Die Jubiläums-Gala zur Weihnachtszeit“ auf Tour:
● 8. Dezember: Halle/Saale, Steintor-Variete
● 9. Dezember: Magdeburg, Johanniskirche
● 10. Dezember: Bad Elster, König Albert Theater
● 11. Dezember: Prenzlau, Uckerseehalle Prenzlau
● 13. Dezember: Coswig, Börse Coswig
● 14. Dezember: Frankfurt (Oder), Kleist Forum
● 15. Dezember: Erfurt, Alte Oper
● 17. Dezember: Hoyerswerda, Lausitzhalle
● 18. Dezember: Riesa, Stadthalle „Stern“
● 20. Dezember: Neubrandenburg, Konzertkirche
● 21. Dezember: Rüdersdorf bei Berlin, Kulturhaus
● 22. Dezember: Güstrow, Sport- und Kongresshalle
● 23. Dezember: Löbau, Messe- und Veranstaltungshalle
Tickets für die Konzerte gibt es hier.

Keine neue Geburtstags-Show im MDR

Anlässlich des 80. Geburtstags und des 60. Bühnenjubiläums von Frank Schöbel strahlt der MDR am 10. Dezember um 20.15 Uhr „Die große Frank Schöbel Jubiläumsshow“ aus. Dass es sich dabei um eine Wiederholung aus dem Jahr 2017 statt einer aktuell produzierten Show handelt, stieß bei Schöbel auf Unverständnis. In Reaktion auf eine Kritik der öffentlich-rechtlichen Programmentscheidung, die auf dem Branchenportal Schlagerprofis.de erschien, schrieb der Sänger auf Facebook: „Ich finde es auch beschämend, wie sich die Verantwortlichen beim MDR verhalten. Ich werde ihn ab sofort meiden.“
Zu sehen ist Frank Schöbel auch am 8. Dezember (18 Uhr) in der von Kai Pflaume moderierten Quiz-Sendung „Wer weiß denn sowas?“ im NDR.