Er gilt als DDR-Superstar, als Sunnyboy des Ostens – Schlagerlegende, Produzent, Schauspieler und Moderator Frank Schöbel. An diesem Donnerstag erscheint seine Biografie „Danke, liebe Freunde!,“ mit der er sich bei seinem Publikum für dessen Treue bedankt.
„Warum schreibt der jetzt noch ’n Buch? Hört der etwa auf? Ehrlich gesagt, ich weiß es noch nicht“, schreibt Schöbel geheimnisvoll auf der ersten Seite seines Buches. 60 Jahre auf der Bühne, 80 Jahre auf dieser Welt sollten Anlass genug sein, um auf ein bewegtes Leben im Rampenlicht zurückzublicken. Mit ihm wuchsen Generationen auf.

Mit dem Musikfilm „Heißer Sommer“ spielte er sich in die Herzen des Publikums

Frank Schöbel, Jahrgang 1942 und Sohn einer Opernsängerin aus Leipzig, startete seine Bühnenkarriere 1962. Mit dem Musikfilm „Heißer Sommer“ (1968) spielte er sich in die Herzen seines Publikums und stürmte mit dem Schlager „Wie ein Stern“ (1971) nicht nur im eigenen Land die Hitparaden.
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1985 erschien die in der DDR meistverkaufte LP „Weihnachten in Familie“, die er zusammen mit Aurora Lacasa und den gemeinsamen Töchtern aufnahm. Mehr als 600 Titel hat Schöbel bis heute gesungen. In der DDR war er der erfolgreichste Schlagersänger – einige Jahre lang im Traum-Duo mit seiner damaligen Frau Chris Doerk.

366 Fragen werden Frank Schöbel in seinem Buch gestellt

350 Seiten umfasst die Biografie; das klingt erst einmal sehr mächtig. Und doch bedient sich Schöbel eines Stilmittels, das die Lektüre – selbst für Nicht-Fans – kurzweilig und interessant macht: „In den 60 Jahren wurden mir viele Fragen gestellt. Nun schau’ mich nicht so an und stell’ deine“, fordert der Entertainer zu Beginn seines Buches einen fiktiven Interviewer auf. Insgesamt 366 sind es geworden, biografische, persönliche, interessante und kuriose Fragen, die Schöbel freimütig und ohne Floskeln beantwortet.

Angst vor Kuss-Szenen bei „Reise ins Ehebett“

„Welche Erinnerungen hattest du an die Dreharbeiten mit der DEFA?“, lautet eine Frage. Frank Schöbel berichtet sehr sympathisch über seine Angst vor Kuss-Szenen bei seinem ersten Film, „Reise ins Ehebett“: „Ich hatte Angst vor der Kuss-Szene mit Eva-Maria Hagen und Anna Prucnal. Der Regisseur Joachim Hasler machte mir das vor. Ich sollte beide an den Hüften festhalten, nach hinten beugen und ihnen ganz genüsslich je einen Kuss geben. Er meinte, ich solle den Mund hin und her drehen. Das sah vielleicht bescheuert aus. Kein Mensch küsst so. Ich hatte mir vorher bestimmt fünfmal die Zähne geputzt.“

Viele positive Erinnerungen an DDR-Zeit

Auch mit Vorurteilen gegenüber dem DDR-Regime und den dortigen Bedingungen räumt Schöbel unumwunden und mit viel Humor auf. „Es gab das Gerücht, dass auf Rügen die Lichter ausgingen, wenn das Team Nachtdreh hatte, weil das Stromnetz zu schwach war. Stimmt das?“, heißt es in einer Frage. Schöbel antwortet: „Wir hatten vor Ort natürlich Notstromaggregate. Da hätte sich ganz Rügen dranhängen können. Das Gerücht sollte sicher witzig sein, so in der Art: Die Ossis sind zu blöd, einen Film zu drehen.“

Frank Schöbel: „Es tat sehr weh, immer der ‚Ostdödel‘ zu sein“

„Hat es dich geschmerzt, dass man sich musikalisch nicht mit der großen weiten Welt messen durfte?“, lautet eine weitere Frage. Schöbel antwortet auch hier direkt: „Ja, ich denke, auch viele meiner Kollegen in der DDR empfanden das so. Es tat sehr weh, immer der ‚Ostdödel‘ zu sein und nur hin und wieder zu TV-Sendungen in den Westen fahren zu dürfen, obwohl es Angebote gab. Und heute gibt es ja auch einige Wessis, die uns verhindern, wie damals die Genossen in der DDR. Aber meine Fans halten mir die Treue, und da sind mir die Ignoranten von nebenan egal. Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Lothar, was können die uns tun? Leid!“
Auch zeitgenössischen Fragen stellt sich der Entertainer: „Wann siehst du die Zeit gekommen, dich von Jeans und Lederjacke zu trennen?“ „Nie, selbst in die Kiste gehe ich nur mit Niethosen und ’ner Lederjacke“, antwortet er gewohnt humorvoll.
Seine Authentizität und Bodenständigkeit hat sich Frank Schöbel trotz seines Ruhmes bewahrt. Am 11. Dezember wird er 80 Jahre alt. Er habe vor Corona noch 80 bis 100 Auftritte im Jahr gehabt, erzählt er. In der Pandemie habe er dann gemerkt, „wie schön es sein kann, wenn man nicht mehr den Hit-Paraden nachjagt, wenn man nicht in immer dümmer werdenden, oft hinter den Kulissen verlogenen Sendungen sein muss, wenn man in Ruhe Freunden zuhören kann und nicht schon wieder auf der Jagd zur nächsten Mugge ist“, schreibt Schöbel im Vorwort. Also doch ein Abschied für immer? Sein Nachwort klingt sehr danach: „Macht’s gut, ihr Lieben – ich hatte eine wahnsinnig schöne Zeit mit euch!“ Schöbel wolle nicht auf der Bühne sterben, auch wenn er dies einmal gesagt habe. Er sei einfach nur dankbar.