Friedenspreis des deutschen Buchhandels
: Ex-Viadrina-Professor Karl Schlögel geehrt

Kritiker Putins und Stimme für eine souveräne Ukraine: Ex-Viadrina-Professor Karl Schlögel wird bei der Frankfurter Buchmesse geehrt.
Von
dpa
Frankfurt (Oder)
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Karl Schlögel

Lehrte von 1995 bis 2013 an der Viadrina in Frankfurt (Oder): der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel

David Young/dpa
  • Karl Schlögel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2023 für 25.000 Euro.
  • Der Historiker warnte früh vor Putins Expansionspolitik und betont die Bedeutung einer freien Ukraine.
  • Schlögel war von 1995 bis 2013 Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).
  • Werke wie „Terror und Traum“ und „Das sowjetische Jahrhundert“ setzen Maßstäbe in der Geschichtsschreibung.
  • Preisverleihung am 19. Oktober in der Paulskirche, Tradition zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der deutsche Historiker und Essayist Karl Schlögel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Als einer der Ersten habe der Osteuropa-Kenner vor der aggressiven Expansionspolitik Wladimir Putins gewarnt, so die Jury: „Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben.“

Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert. Sie wird seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben, der Berufsorganisation der Verlage und Buchhandlungen. Die feierliche Übergabe findet traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche statt - in diesem Jahr am 19. Oktober.

Karl Schlögel wurde 1948 in Hawangen im Allgäu geboren. Er studierte in Berlin osteuropäische Geschichte, Philosophie, Soziologie und Slawistik. 1966 reiste er erstmals in die Sowjetunion, 1968 erlebte er den Prager Frühling persönlich, Aufenthalte in Moskau und Leningrad in den 1980er Jahren prägten seine Forschung. 2014 reiste er nach der Besetzung der Krim in die Ukraine.

Von 1995 bis 2013 an der Viadrina in Frankfurt (Oder)

1990 erhielt er den Ruf auf die neugegründete Professur für Osteuropäische Geschichte an der Universität Konstanz, wo er von 1990 bis 1994 lehrte und sein Forschungsprojekt zur russischen Emigration in Deutschland begann. 1995 übernahm er die Professur für Osteuropäische Geschichte an der 1991 neu gegründeten Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2013 blieb.

Von 2003 bis 2005 war er hier Dekan der Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Mit der Aufnahme der Arbeit an der Viadrina rückten die Geschichte Polens und der deutsch-polnischen Beziehungen, speziell des Oderraums, sowie Grundfragen kulturwissenschaftlicher Theorie und Methode in Schlögels Blickfeld.

Mit Werken wie „Terror und Traum“ (2008) oder „Das sowjetische Jahrhundert“ (2017) habe er „Maßstäbe für eine anschauliche, lebendige Geschichtsschreibung gesetzt“, so Börsenvereins-Vorsteherin und Stiftungsrat-Vorsitzende Karin Schmidt-Friderichs.

Empirische Geschichtsschreibung und persönliche Erfahrungen

In seinem Werk verbinde Schlögel empirische Geschichtsschreibung mit persönlichen Erfahrungen. „Mit seiner Erzählweise, die Beobachten, Empfinden und Verstehen verbindet, korrigiert er Vorurteile und weckt Neugier“, so Schmidt-Friderichs.

Der neue Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels hat den Westen in einer ersten Reaktion zur weiteren Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg aufgerufen. Es gebe den Spruch: „Wenn du den Frieden willst, stelle dich ein auf den Krieg“, sagte Schlögel der Deutschen Presse-Agentur. Die Verteidigung sei das beste Mittel, sich gegen die Aggression und Ausweitung eines Krieges zur Wehr zu setzen. „Deswegen ist die Unterstützung der Ukraine auch der beste Weg, um den Frieden in Europa zu sichern.“

Im vergangenen Jahr war die US-amerikanische Historikerin Anne Applebaum geehrt worden, die in ihrer Dankesrede ebenfalls eindringlich davor warnte, die Unterstützung für die Ukraine einzuschränken.

Im Jahr davor hatte der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie den Friedenspreis erhalten. Gegen ihn hatten Islamisten eine Fatwa ausgerufen, 2022 hatte er einen Anschlag nur knapp überlebt und dabei ein Auge verloren.