Black-Sabbath-Fans sollten Platz im Plattenschrank machen. Denn binnen Jahresfrist veröffentlichen die Hard-Rocker zum zweiten Mal schwergewichtig und umfangreich eines ihrer früheren Alben. Im Gegensatz zum seinerzeit schon erfolgreichen „Paranoid“ war „Technical Ecstasy“ allerdings bei Kritik und Anhängern eher durchgefallen. Dennoch lohnt sich eine näherer Blick, denn Ozzy und die Seinen haben ein durchaus interessantes Paket geschnürt.

Heavy Metal orientierungslos

Die Mythen, die sich um die Entstehung des siebenten Sabbath-Albums rankten, ließen schon nichts Gutes erahnen. Tür an Tür mit The Eagles nahmen Osbourne, Iommi, Butler und Ward in den Criteria Studios in Miami ihr neues Album auf. In Eigenregie, nachdem man sich mit der Plattenfirma überworfen hatte. In England war der Punk ausgebrochen und als Gegenstück dazu kletterten Queen mit melodiösem Rock, der sich dazu immer mehr Synthesizer-Anleihen bediente, die Chartleiter nach oben. Kurzum, die Erfinder des Heavy Metal standen irgendwie orientierungslos da.
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Zwar hatte man auf der gerade abgelaufenen Sabotage-Tour bereits elektronische Hilfsmittel eingesetzt, aber gänzlich ein neuer Sound war dabei nicht herausgekommen. Iommi, der nun als Produzent auftrat, wollte Black Sabbath auf neue Wege bringen, Ozzy soll das gar nicht gefallen haben. Am Ende kam „Technical Ecstasy“ mit Titel und dem von der Graphik-Agentur Hipgnosis entworfenen Cover ziemlich neuzeitlich daher, doch Fans wie Kritiker zeigten eher die kalte Schulter.

Fünf LPs und Zugaben in einer Box

45 Jahre später nun der zweite Versuch. Nicht kleckern, sondern klotzen war dabei die Devise von Plattenfirma und Band. Zwar wurde auch einfach das originale Album neu aufgelegt, aber die wiederum mehrere Kilo schwere Super Deluxe Edition ist das eigentliche Herzstück des Re-Issues. Hier finden sich gleich fünf schwarze Scheiben, alle in Heavy-Vinyl-Asführung, Booklet mit dem Artwork, Liner Notes, und einer Replika des Welt-Tour-Konzert-Buches von damals sowie ein Poster.

Analogbänder für neuen Mix

Musikalisch sind dabei vor allem drei Dinge interessant. Da wäre eine Neuabmischung der Original-Platte - es gibt das Album also zweimal in der festen Papp-Box. Steve Wilson hat dafür die alten Analogbänder genutzt und den Sound durchaus mehr an heutige Hörgewohnheiten angepasst. Es liegen nicht gerade Welten zwischen Original und 21er-Update, aber letzteres gefällt vor allem durch mehr Details und die deutlich vernehmbareren Höhen. Zwar kommt dadurch Ozzys Stimme mitunter etwas dünn rüber, aber das soll nicht heißen, dass der Leadsänger nicht wirklich so geklungen hat seinerzeit. Da gleichzeitig aber auch das Bassfundament fester steht, gewinnt der Sound in der Breite auf jeden Fall. Insofern ist die 76-er Abmischung wohl vor allem etwas für Nostalgiker und Sammler.

Black Sabbath-Klassiker live

Eine weitere schwarze Scheibe widmet sich Outtakes und Alternative-Mixes. Gemeinhin wird bei solchem Material gespöttelt, dass damit alles zusammen gekehrt wurde, was die Musiker einst an Abfall produzierten. Konkret allerdings sind die acht Tracks - „It’s Alright“, gesungen von Bill Ward fehlt hier, dafür gibt es „She’s Gone“ in zwei Versionen - durchaus interessant. Denn sie lassen hören, in wieweit die Musiker tatsächlich bereit waren, zu experimentieren. Nach heutigem Standard wäre die Bestückung des Albums vielleicht anders ausgefallen. Schließlich vervollständigen - die aus keiner Neuauflage mit Bonus mehr wegzudenkenden bisher unveröffentlichten - Live-Aufnahmen das Paket. Hierfür wurden Live-Mitschnitt der dem Release folgenden Welt-Tour verwendet. Immerhin hören wir hier mit „Gypsy“, „Dirty Women“ und in „All Moving Parts (Stand Still)“ gleich drei Tracks aus „Technical Ecstasy“. Unter den insgesamt zehn Stadion-Titeln finden sich aber auch „Black Sabbath“, „Snowblind“ und „Children Of The Grave“, also echte Sabbath-Klassiker. Insgesamt ist die Live-Performance gewohnt rockig und auch technisch einwandfrei.

Neuer Blick aufs bekannte Werk

Am Ende gibt’s einen Haufen Black Sabbath für eine ganze Stange Geld. Ob sich damit neue Fans generieren lassen, fraglich. Alte Anhänger werden aber durchaus zu schätzen wissen, was es hier zu hören, sehen, anfassen gibt. Die Box ist sehr hochwertig und detailreich gestaltet und lädt geradezu dazu ein, einen neuen Blick auf „Technical Ecstasy“ zu werfen. Der sollte - nicht nur, weil die Käufer vielleicht mittlerweile altersmilde geworden sind - deutlich wohlwollender ausfallen als vor 45 Jahren, wo viele Fans den versuchten Stilwechsel der Band nicht goutieren wollten.

Black Sabbath: Technical Ecstasy Super Deluxe

BMG