Hitze auf Festivals
: Konzerte als Dehydrations-Falle – darauf sollte man achten

Wer Konzerte in der Hitze besucht, sollte ausreichend Wasser trinken. Einer Studie zufolge tun das überraschend wenige. Das kann schnell gefährlich werden.
Von
Michael Heider
Berlin
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Abhilfe bei Hitze: Auf dem Melt-Festival in Ferropolis nahe Gräfenhainichen kühlen sich zwei Festivalbesucherinnen mit Wasser ab

Abhilfe bei Hitze: Auf dem Melt-Festival in Ferropolis nahe Gräfenhainichen kühlen sich zwei Festivalbesucherinnen mit Wasser ab

Britta Pedersen/dpa

Sommerzeit ist Festivalzeit – und die streichen sich Tausende Musikfans dick im Kalender an. Selbst hohe Ticketpreise, lange Anfahrten und noch längere Schlangen können der Euphorie nichts anhaben. Einmal auf dem Festivalgelände, wird getanzt, getrunken, die Sorgen vergessen. Und das oft bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke.

Eine Kombination mit Gefahrenpotential. Besonders für jene, die bei aller Feierlaune nicht genug Trinkwasser zu sich zu nehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des deutschen Duftwasser-Start-Ups Air Up. Sie macht deutlich: Knapp jeder zweite deutsche Festivalbesucher hat bereits Dehydrationssymptome erlebt.

Mehr als jeder Zweite musste Festival frühzeitig abbrechen

Die Ergebnisse der Studie lassen aufhorchen. Von den 1000 online durch das Marktforschungsinstitut Appinio Befragten gaben 56,8 Prozent an, während des Festivalbesuchs nicht auf eine ausreichende Wasserzufuhr zu achten. 59 Prozent hätten aufgrund von Dehydrierung bereits ihren Lieblingsact verpasst.

Mehr noch, nämlich 64,6 Prozent, mussten demnach ein Festival aufgrund von Dehydrierung sogar frühzeitig abbrechen. Details, was genau mit Abbruch bzw. Dehydration gemeint ist, nennt das Start Up nicht. Dass knapp Zweidrittel ein Festival vor Schluss wegen Dehydration verlassen haben und nach Hause sind, erscheint jedenfalls etwas hoch.

Nichtsdestotrotz: Die gesundheitlichen Risiken, die bei Festivals und Open-Air-Konzerten in starker Hitze entstehen können, sollten ernst genommen werden. Zumal, weil oft viel Bewegung, etwa durch ausgiebiges Tanzen, und viel Alkohol im Spiel sind. Worauf sollte man also achten? Welche Symptome gehen mit unzureichender Wasseraufnahme einher?

Hitze auf Festivals: Das sind Symptome für Dehydration

Zu den ersten Anzeichen einer Dehydration zählen laut Oliver Opatz von der Charité Berlin Durst, ein trockener Mund und eine trockene Zunge. Auch wer nur noch selten auf Toilette gehen müsse, hat vermutlich zu wenig getrunken. Zwei bis drei Mal pro halben Tag sei normal. Weitere Symptome sind dunkler Urin, trockene Haut und Kopfschmerzen.

Ernster wird es bei Schwindel und Benommenheit. „Das sind klare Anzeichen, dass es deutlich zu wenig ist und man schon stark dehydriert ist“, betont Opatz.

Besondere Vorsicht gelte beim Konsum von Drogen und Alkohol, warnt der Charité-Mediziner. „MDMA, Amphetamine, Kokain und Ketamin – das sind alles Substanzen, die sich auf Wasserhaushalt und Durstempfinden auswirken.“ Nicht nur das Empfinden, ob man genug getrunken hat, sei durch sie gestört. Sie könnten die Dehydrations-Symptome zusätzlich verstärken.

Doch warum ist ein zu niedriger Wasseranteil im Körper so gefährlich? Egal ob Gehirn, Muskeln oder Knochen: „In jedem Gewebe unseres Körpers ist Wasser“, erklärt Oliver Opatz. „Wird in den Zellen das Wasser knapp, funktionieren sie nicht mehr richtig“. Es komme zu einer Verschiebung von Stoffen, die im körpereigenen Wasser gelöst sind: Elektrolyte. Das Gleichgewicht des Körpers gerate aus dem Tritt. „Dadurch funktioniert unser Reizleitungssystem und Hormonsystem nicht mehr richtig.“

Anzeichen von Dehydration? So sollte man reagieren

Mediziner Oliver Opatz rät: „Immer gleichmäßig viel trinken.“ Eine pauschale Menge Wasser empfiehlt er nicht. Die nötige Literzahl schwankt je nach Körpergröße und -gewicht. „Man sollte eher auf Symptome achten. Bekomme ich Herzklopfen? Schwitze ich nicht mehr? Habe ich Kopfschmerzen? Dann sollte ich etwas trinken.“

Doch ob nun die eigenen Freunde oder der fremde Festivalbesucher, der neben einem feiert, grundsätzlich gelte laut Dr. Oliver Opatz: „Aufeinander achten.“