Juden in Deutschland: Die 10 wichtigsten jüdischen Orte in Brandenburg

Bei der Sanierung des Friedhofs in Groß Neuendorf im Oderbruch: Zwischen 1992 und 1994 wurde am Eingang ein mit einer Menora versehenes eisernes Gittertor angebracht.
Cornelia MikatDas Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien hat kürzlich eine Liste mit zehn bedeutenden Orten jüdischen Lebens in Brandenburg veröffentlicht. Sie wurden von der Judaistin Ellen Fischer ausgewählt.
Um folgende Orte geht es:
1. Messingwerk in Finow

Am Erker vom Alten Hüttenamt: Für die neue Broschüre „100 Jahre Gemeinde Messingwerk“ ist Karl–Dietrich Laffin der Geschichte zahlreicher Wohnhäuser in dem als einmalig geltenden Quartier nachgegangen.
Ellen WernerMessingwerk in Finow (Erich-Steinfurth-Str. 15 in Eberswalde OT Finow) – Hier befindet sich die älteste Werksiedlung in Brandenburg, sie wurde vor mehr als 300 Jahren errichtet. Das einst größte Messingwerk Europas wurde über mehrere Generationen von der jüdischen Familie Hirsch geleitet. Neben Betstätten und einer Sukha (Laubhütte zur Feier des Laubhüttenfestes) errichtete die Unternehmensleitung auch Wohnhäuser für die Beschäftigten. Das Werk und die Siedlung sind ein bedeutendes Zeugnis der Industriekultur und bis heute gut erhalten.
2. Mikwe in Schwedt

Gelände des sanierten Jüdischen Ritualbades in Schwedt, bestehend aus einer Mikwe (Rundbau) und einem ehemaligen Tempeldienerhaus (Hintergrund). Das Ritualbad wurde zwischen 1869 und 1871 errichtet. Ein Verbindungsgang mit Treppe führt in das Badehaus mit dem Tauchbad (Mikwe) hinab.
Patrick Pleul/dpaMikwe in Schwedt (Gartenstr. 8) – Das ab 1862 errichtete jüdische Ritualbad (Mikwe) diente bis in die 30er Jahre religiösen Waschungen. Unterhalb der gemauerten Kuppel geht es fast fünf Meter in die Tiefe. Es ist in Brandenburg das einzige erhaltene jüdische Ritualbad und wurde 2009 restauriert. 2010 wurde hier ein jüdisches Museum eröffnet, das von April bis September freitags bis sonntags von 10-17 Uhr geöffnet ist. Fotos und Infos findet man unter https://stadtmuseum-schwedt/ritualbad
3. Synagoge in Cottbus

Blick auf die Synagoge der Jüdischen Gemeinde von Cottbus. Die Synagoge befindet sich in der ehemaligen evangelischen Schlosskirche von Cottbus.
Patrick Pleul/dpaSynagoge in Cottbus/ehemalige Schlosskirche (Spremberger Straße) – 1714 wurde die Schlosskirche in Cottbus von evangelischen Hugenotten gebaut, die als Glaubensflüchtlinge von Frankreich in die Lausitz kamen. 2003 wurde die Kirche saniert, aber immer weniger genutzt und deswegen nach einer neuen Verwendung gesucht. Gleichzeitig war die neue jüdische Gemeinde, die sich 1998 in Cottbus gegründet hatte, auf der Suche nach eigenen Räumen – seit der Zerstörung der Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 gab es in Cottbus keine Synagoge mehr. So kam es, dass die Schlosskirche der jüdischen Gemeinde 2015 übergeben wurde, die sie seitdem als erste Synagoge in Brandenburg nutzt.
4. Jüdischer Friedhof in Potsdam

Der Jüdische Friedhof in Potsdam
Clemensfranz/Wikimedia CommonsJüdischer Friedhof Potsdam (Puschkinallee 18) – Auf dem Friedhof befinden sich bedeutende Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie eine historische Trauerhalle. Er ist in Brandenburg der größte und am besten erhaltene jüdische Friedhof und der einzige, auf dem Beerdigungen nach jüdischem Ritus stattfinden. Mit seinen mehr als 500 Grabanlagen gehört er zum UNESCO-Welterbe. Geöffnet bis Ende April sonntags, mittwochs und donnerstags 10-13 Uhr, von Mai bis September 10-16 Uhr.
5. Hutfabrik in Luckenwalde

Die Hutfabrik in Luckenwalde
Nestor BachmannHutfabrik Friedrich Steinberg Herrmann & Co. in Luckenwalde (Industriestr.) – 1922/23 wurde die Fabrik mit vier Produktionshallen, einer Färbereihalle und einem Kessel- und Turmhaus nach Plänen des Architekten Erwin Mendelssohn erbaut. Die Färberei wurde mit einer modernen Entlüftung im Dach ausgestattet, welches einem Hut ähnelte und so zum Markenzeichen von Luckenwalde wurde. Die jüdische Familie Herrmann floh frühzeitig vor den Nazis, die Fabrik diente ab 1934 der Rüstungsproduktion. Ab 1957 befand sich hier das VEB Wälzlagerwerk. Nach der Wende verfielen die Gebäude, die als wichtiges Zeugnis moderner Industriearchitektur gelten. 2001 wurden sie instandgesetzt. Heute werden sie zeitweise für künstlerische Veranstaltungen genutzt.
6. Jüdisches Erholungsheim in Lehnitz

Die Villa Sachs, das ehemalige Jüdische Erholungsheim in Lehnitz bei Oranienburg
Friedhelm BrenneckeJüdisches Erholungsheim Lehnitz (Magnus-Hirschfeld-Str. 19 in Oranienburg) – 1900 als Jüdisches Genesungsheim eröffnet, war das Erholungsheim in der NS-Zeit bis 1938 eine wichtige Zufluchtsstätte für Juden sowie eine Hauswirtschaftsschule für jüdische Mädchen, die vom Berliner Verband des jüdischen Frauenbundes ins Leben gerufen wurde. In der Reichspogromnacht wurde die Einrichtung zerstört. Zu DDR-Zeiten war es u. a. ein Heim für geistig behinderte Kinder und Jugendliche und nach der Wende ein Internat mit Förderschule.
7. Judenhof in Perleberg

Der ehemalige Judenhof in Perleberg (Brandenburg)
Maurizio Gambarini/dpaJudenhof Perleberg (Parchimer Str. 6A) – Bereits im Mittelalter war dies der Platz rund um die Synagoge. Heute ist der Judenhof der einzige in seinem Grundriss komplett erhaltene Hof seiner Art in Norddeutschland. Hier befindet sich ein Besucherzentrum mit Ausstellungen, Vorträgen, Workshops sowie Theater- und Musikveranstaltungen (siehe judenhof-perleberg.de)
8. Landwerk Neuendorf im Sande

Das Gut Neuendorf im Sande
Jana Reimann-GrohsLandwerk Neuendorf im Sande (Gutshof in Steinhöfel OT Neuendorf im Sande) – Die Ausbildungsstätte, auch Hachschara genannt, bereitete jüdische Jugendliche während der NS-Zeit auf landwirtschaftliche Berufe und die Auswanderung nach Palästina vor. Es ist heute die einzige Hachschara-Stätte in Deutschland, in der historische Bauwerke noch vorhanden sind (siehe https://geschichte-hat-zukunft.org)
9. MAKOM Kunst & Schule in Beelitz
MAKOM Kunst & Schule (Wittbrietzener Dorfplatz 11 in Beelitz OT Wittbrietzen) – In der ehemaligen Dorfschule bieten die Künstlerinnen Anna Adam und Jalda Rebling Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Workshops an (siehe www.makom-kunstundschule.de). Makom ist die hebräische Bezeichnung für Ort.
10. Neue Synagoge in Potsdam

Ein Baugerüst steht im Sakralraum auf der Baustelle der neuen jüdischen Synagoge in Potsdam.
Monika Skolimowska/ dpaNeue Synagoge Potsdam (Schloßstr. 1) – Mitten in der Stadt wird in diesem Jahr die neue Synagoge und ein modernes Gemeindezentrum eröffnet, der erste Synagogenneubau in Brandenburg. Der Gebetsraum bietet 199 Personen Platz.
Weitere Listen, die das Moses Mendelssohn Zentrum anlässlich der Nummer 100 seines Heftes „Dialog“ aufgestellt hat, finden sich unter www.mmz-potsdam.de. Wenn Sie weitere interessante jüdische Orte in Brandenburg wissen, schreiben Sie uns unter kultur@moz.de

