Katy Perry in Berlin 2025
: So war das Konzert in der Uber Arena

Im Rahmen ihrer viel diskutierten „The Lifetimes Tour“ gibt US-Popstar Katy Perry ein Konzert in der Uber Arena Berlin – ist das wilde Getöse um die Show gerechtfertigt?
Von
Michael Heider
Berlin
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Machte auf ihrer "The Lifetimes Tour" Halt in der Uber Arena Berlin: Popstar Katy Perry (hier wenige Tage zuvor bei einem Konzert in Hannover)

Machte auf ihrer „The Lifetimes Tour“ Halt in der Uber Arena Berlin: Popstar Katy Perry (hier wenige Tage zuvor bei einem Konzert in Hannover)

Moritz Frankenberg/dpa
  • Katy Perry trat 2025 im Rahmen der „The Lifetimes Tour“ in der fast ausverkauften Uber Arena Berlin auf.
  • Die Show thematisierte den Kampf gegen eine Künstliche Intelligenz, visuell untermalt mit Videosequenzen.
  • Highlights waren Hits wie „Dark Horse“, „California Gurls“ und „Firework“, die für Begeisterung sorgten.
  • Zuschauer interagierten über QR-Codes und kreative Outfits, Katy Perry zeigte Akrobatik und sprach mit Fans.
  • Die Show bot eine spektakuläre Mischung aus Musik, Bühnenbildern, Lichteffekten und interaktiven Elementen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was musste sich Katy Perry nicht alles anhören? Ihr Kurztrip ins Weltall per Milliardärs-Rakete und ihr spirituell anmutendes Auftreten nach Wiedereintritt in die Atmosphäre sorgten bereits für Gespött in den Sozialen Medien. Es gab fiese Kritiken zu ihrem in EDM-Gefilden wildernden Album „143“ und dann wurde ihrer „The Lifetimes Tour“ auch noch das Label „cringe“ angeheftet. Kein Wunder, dass sich die Sänger wie eine „menschliche Piñata“ fühlte, wie sie bei X postete.

Doch Katy Perry kann weiter auf eine treue Fangemeinde bauen. Das ist trotz aller Online-Häme auch am Dienstagabend in Berlin mehr als deutlich. Nach Hannover ist der Auftritt des 40-jährigen Popstars in der fast ausverkauften Uber Arena das zweite Konzert ihrer „Lifetimes Tour“ in Deutschland. Und eines vorweg: Die Voll-Katastrophe, die andere in der Show erkennen wollen, bleibt in Berlin aus. Arm an Seltsamkeiten ist der Abend trotzdem nicht.

Katy Perry im Kampf gegen die Künstliche Intelligenz

Die britische Sängerin Becky Hill wirkt als Support auf der großen Bühne noch etwas verloren, füllt ihre Rolle aber mit viel Enthusiasmus und wummernden Drum and Bass aus. Erst als es Zeit für den Star des Abends ist, stimmt der Maßstab. Los geht es mit einem dystopischen Videospiel-Intro. Eine machthungrige Künstliche Intelligenz namens „The Mainframe“ habe die Menschheit ihrer wichtigsten Energiequelle beraubt: Schmetterlinge. Seit sie entführt sind, herrscht eine gefühlskalte Technik-Apokalypse. Doch es regt sich Widerstand gegen den AI Overlord in Form einer Kämpferin, die halb Mensch, halb Maschine ist. Ihr Name? KP143, besser bekannt als Katy Perry.

Schwebend im Kampf gegen eine machthungrige Künstliche Intelligenz: Katy Perry auf ihrer "The Lifetimes Tour"

Schwebend im Kampf gegen eine machthungrige Künstliche Intelligenz: Katy Perry auf ihrer „The Lifetimes Tour“

Moritz Frankenberg/dpa

Die steigt zum dumpfen Beat von „Artificial“ im futuristisch glänzenden Outfit aus dem Bühnenboden empor. „Berlin, what‘s good?“ Dem kollektiven Kreischen nach zu urteilen? Einiges! Die Sängerin schwebt über die Köpfe hinweg in den wilden Auftakt zu einer noch wilderen Show, in der derart viel passiert, flimmert und herumfliegt, dass sich ein Hinweis für Menschen mit Epilepsie empfohlen hätte.

Wie der Name bereits andeutet, feiert Katy Perry auf der „The Lifetimes Tour“ die verschiedenen Phasen ihrer bisherigen Karriere. Mit „Chained to the Rhythm“ und „Teary Eyes“ bilden Songs aus jüngeren Phasen den Auftakt – keine Hits, aber durch ihre EDM-Beats atmosphärisch treffsichere Titel. Erst als die Melodie zu „Dark Horse“ einsetzt, zeigen die Berliner Fans jedoch, welche Höhen ihre Begeisterungsfähigkeit wirklich erreichen kann. „Do you remember it, Germany?“, fragt Katy Perry ihr Publikum. Das lautstarke Mitsingen des Refrains ist wohl Antwort genug.

Die Fans singen Katy Perrys Songs so laut, dass es kitzelt

Schade, dass die aufkeimende Party direkt von einer weiteren Videosequenz unterbrochen wird. Es ist nicht das einzige Mal, dass der Plot rund um die entführten Schmetterlinge den Rhythmus des Abends ausbremst. Zum Glück hat die US-Sängerin einige der eingängigsten Popsongs der Musikgeschichte in ihrem Repertoire. Bei „California Gurls“ schallt es derart laut „Oh, oh-oh-oh-oh-oh-oh“ durch die Uber Arena, dass es am eigenen Körper kitzelt. „Have I still got it?“, vergewissert sich die Sängerin und macht auf ihren bevorstehenden 41. Geburtstag aufmerksam. Sie hat es!

„Teenage Dream“, „Hot N Cold“, es sind vor allem Songs der Hit-Alben „Teenage Dream“ und „Prism“, die ohne Umwege die eskapistische Euphorie des 2010er-Pops bis in die letzte Reihe transportieren. An der Bühne ist der Freudentaumel gar so groß, dass ein Fan während „Last Friday Night (T.G.I.F.)“ sein Handy vor die Füße des Popstars wirft. Die gibt ihm das Gerät persönlich zurück und beginnt sogar ein Gespräch. Der aus Georgien stammende Fan nutzt die Gelegenheit, um auf die anti-russischen Proteste in seinem Heimatland aufmerksam zu machen, was viel Applaus erntet.

Gemeinsam mit Klassikern wie „I Kissed a Girl“ geben die „frühen“ Hits auch neueren, oft sterilen Titeln wie „Nirvana“, „Crush“ oder „I'm His, He's Mine“ den nötigen Auftrieb. Dabei überzeugen Live-Band genauso wie der Gesang von Katy Perry. Einzig der Sound der Videosequenzen übersteuert in der Berliner Arena verlässlich.

Per Schmetterling durch die Uber Arena

Ausgeschmückt ist die Musik mit ständig wechselnden Bühnenbildern, die je nach Kapitel bzw. Videospiel-Level den Plot der Show unterstreichen – mal mit einer weiblichen Atlas-Statue, mal mit riesigen psychedelischen Pilzen. Das rein männliche Ensemble verausgabt sich indes auf einer Bühne, die wie ein Unendlichkeitszeichen geschwungen ist und weit in die Zuschauermassen hinein und um sie herum reicht. Pause erhalten die Tänzer nur, wenn die Akrobaten übernehmen. Prominenteste Akrobatin an diesem Abend ist Katy Perry selbst, inklusive Saltos am Trapez. Auch auf einem gigantischen Schmetterling fliegt sie durch die Uber Arena.

Das Publikum in Berlin wird regelrecht bombardiert mit Showelementen: Animationen, schrille Kostüme, Funken, Laser, sogar Lichtschwerter werden im Kampf gegen die Künstliche Intelligenz eingesetzt. Anders als es für Häme sorgende Online-Videos zu Beginn der „The Lifetime Tour“ vermuten ließen, machen die vielen Einlagen im Gesamtkontext der Show aber durchaus Sinn. Von „cringe“ fehlt jede Spur. Dass Katy Perry immer wieder Pausen einbaut, um mit Fans zu interagieren, ist dennoch eine willkommene Milderung der Reizüberflutung. Interaktion für alle gibt es mittels QR-Codes, mit dem ein Song in die Setlist gewählt werden kann. In Berlin ist es die Ballade „Unconditionally“.

Katy Perry nimmt sich in Berlin viel Zeit für ihre Fans nimmt. Einige von ihnen bittet sie sogar auf die Bühne und lässt sich einige neue Wörter auf Deutsch beibringen, darunter „Liebe“ und „Schlampe“. Man muss es den Berlinerinnen und Berlinern lassen, sie geben an diesem Abend alles. Und sie sehen dabei fantastisch aus! Egal ob als Cupcake wie im Musikvideo zu „California Gurls“, mit Schmetterlingsflügeln, blauen Perücken oder einfach nur in jeder Menge Glitzer – viele in der Uber Arena verneigen sich mit kreativen Outfits vor ihrem Idol. Das gilt für die Teenies von einst wie Teenies von heute, die beide vertreten sind. Sie beweisen, dass der oft als Musik aus der Retorte gescholtene Pop der 2010er über eine erstaunliche Halbwertszeit verfügt.

Mit ihrem Publikum sorgt Katy Perry für eine knallbunte Show, die gekonnt zwischen Party und zuckerwattiger Wonne changiert. Hätte Willy Wonka nicht in Schokolade, sondern in Live-Shows gemacht, dieser Abend in der Hauptstadt wäre ganz nach seinem Geschmack. Als nach gut zwei Stunden mit „Firework“ das fulminante Finale gespielt ist, braucht es niemanden wundern, dass sich nicht nur die Schmetterlinge freuen. Und so muss sich Katy Perry auch am Ende ihrer Show in Berlin wieder einiges anhören – diesmal ist es tosender Applaus.