Tokio Hotel in Berlin 2025
: So war das „Durch den Monsun“-Konzert in der Wuhlheide

20 Jahre „Durch den Monsun“: Tokio Hotel feiern mit einem Konzert vor Tausenden Fans ihren legendären Hit. Die Show in der Wuhlheide Berlin strotzt vor Extravaganz – genau wie mancher prominente Gast.
Von
Michael Heider
Berlin
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Tokio Hotel feiern 20 Jahre „Durch den Monsun“: 15.08.2025, Berlin: Bill Kaulitz (vorn) und Tom Kaulitz von der Band Tokio Hotel treten beim 20 Jahre "Durch den Monsun" Konzert in der Berliner Wuhlheide auf. Am 15. August 2005 veröffentlichte die Magdeburger Rockband Tokio Hotel ihre erste Single «Durch den Monsun». Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Jubiläum mit Champagner: Tokio Hotel mit einem Konzert in der Wuhlheide Berlin 20 Jahre „Durch den Monsun“.

Fabian Sommer/dpa
  • Tokio Hotel feiert 20 Jahre „Durch den Monsun“ mit 17.000 Fans in der Berliner Wuhlheide.
  • Extravagante Show mit Feuerwerk, Las-Vegas-Stil und mehreren Outfitwechseln von Bill Kaulitz.
  • Setlist umfasst Hits der Bandgeschichte, inkl. Akustik-Set und ikonischem Finale mit „Durch den Monsun“.
  • Fans feiern LGBTQ-Ikone Bill und zeigen sich in farbenfrohen, glitzernden Outfits.
  • Konzert wird in Staffel 3 der Netflix-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ zu sehen sein.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es gibt Songs, die teilen die Popgeschichte in ein Davor und ein Danach. „99 Luftballons“ ist so einer. Auch „Wind of Change“ oder „Über sieben Brücken musst du gehen“. Songs, die mehr sind als Ohrwürmer. Sie fangen die Stimmung einer Generation ein und schreiben sich tief hinein ins kollektive Musikgedächtnis. Ganz ohne Zweifel gehört auch „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel in diese Kategorie.

Wer jetzt die Melodie im Kopf hat und „…hinter die Welt, ans Ende der Zeit, bis kein Regen mehr fällt“ summt, dürfte wissen, was gemeint ist. Wem trotzdem noch ein Beweis für die kulturelle Bedeutung dieser 3 Minuten 55 Sekunden fehlt, ist ein Blick in die Berliner Wuhlheide an diesem Freitagabend ans Herz zu legen. Der startet mit Feuerwerk – und einem Bill Kaulitz, der im funkelnden Einteiler von der Bühnendecke einschwebt.

Tokio Hotel glänzt mit Extravaganz

Es ist ein besonderer Abend, mehr als nur ein Tokio Hotel-Konzert. Denn auf den Tag genau 20 Jahre nach Veröffentlichung ihrer Debütsingle feiert die Band ihre „Big Anniversary Show“ – mit und 17.000 Fans. Es ist ein Geburtstag, der mit Extravaganz glänzt. „Als allererstes müssen wir mal anstoßen. Mit Champagner!“, läutet Bill Kaulitz den Abend ein. „Ich trinke auf 20 Jahre Monsun! The Party has arrived!“ Dass die ins Haus stehen würde, war schnell klar. Bereits als die Hamburgerin Jolle mit ihrem lieblichen Pop den Abend als Support eröffnete, sind alle Reihen der Wuhlheide voll. Und auch die Location selbst war Indiz. Es ist die größte Show, die Tokio Hotel bislang in Berlin gespielt haben. Oder wie Bill es ausdrückt: „Mein Gott waren wir aufgeregt!“

Anzumerken ist es ihnen nicht. Die vier Jungs, deren Karriere als Schülerband in Magdeburg begonnen hat, liefern eine solide Show im Las Vegas-Stil. Rauchschwaden, Feuersäulen, Funken, ganz viel Lametta, eine Kiss-Cam und ein gigantischer Screen, der über die gesamte Breite der Bühne reicht und Visuals abspielt, die großen EDM-Festivals würdig sind. Auch die Podeste, auf denen Tom, Georg und Gustav gelegentlich in die Höhe fahren, dienen als Bildschirme.

Hauptattraktion ist jedoch Frontmann Bill. Immer wieder wechselt der 35-Jährige seine Outfits. Der größte Hingucker ist wohl sein Auftritt als glitzernder römischer Legionär mit Gitarre aus pinken Plüsch.

Musikalisch bietet Tokio Hotel in Berlin einen Querschnitt ihrer Karriere. Ältere Songs wie „Darkside of the Sun“ sind genauso dabei wie „Home“, den die Band vergangenes Jahr für die Netflix-Doku über die beiden Kaulitz-Zwillinge Bill und Tom veröffentlichte. Zwar haben die vier sich mit ihrer Musik immer stärker von den rockigen Anfängen entfernt und dem Dance-Pop angenähert, live erweisen sie sich jedoch als poppige Rockband. Zu „In Your Shadow (I Can Shine)“ gibt es sogar ein Akustik-Set.

Die kreischenden Horden von einst sind auch heute in der Wuhlheide

Möglich ist dies wohl auch, weil die Fans die Band inzwischen nicht mehr übertönen. Das war zu Beginn ihrer Karriere noch anders. Als „Durch den Monsun“ am 15. August 2005 erscheint, fegt der Song wie eine Naturgewalt erst über Deutschland, dann den Rest der Welt. Der Hype um die Gruppe mit dem androgynen Sänger ist derart brachial, dass sich Bill und Tom zur Flucht nach Los Angeles gezwungen sehen.

Wie die Zeit vergeht: Gustav (l-r), Tom, Bill und Georg im Jahr 2005. "Durch den Monsun" von Tokio Hotel war da gerade auf der Song der Stunde.

Wie die Zeit vergeht: Gustav (l-r), Tom, Bill und Georg im Jahr 2005. „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel war da gerade auf der Song der Stunde.

Patrick Lux/dpa

Die kreischenden Horden von einst sind an diesem Abend auch in der Wuhlheide anwesend, dem Teenie-Alter sind sie aber inzwischen entwachsen. Auch wenn ein Blick durch die Reihen zeigt, dass mit den Jahren neue, jüngere Fans dazugekommen sind. Die Zeiten der hyperventilierenden Anhimmelung sind aber vorbei. Im Vordergrund steht heute, eine gute Zeit zu haben.

Dazu gehört, sich so zu zeigen, wie man sich am wohlsten fühlt. Denn längst gilt vor allem Bill als LGBTQ-Ikone. Und so gut wie an diesem Freitag sah die Wuhlheide selten aus: Glitzernde Outfits, Glitzer im Gesicht, rosafarbene Cowboyhüte. Die stylischen und expressiven Outfits der Fans lassen die Bühne im Osten Berlins in allen Farben des Regenbogens strahlen. Einzig die schwarze Gelfrisur, mit der der Sänger einst berühmt wurde, feiert kein Comeback.

Die Show wird in „Kaulitz & Kaulitz“-Staffel 3 zu sehen sein

Es ist eine dankbare Kulisse für die vielen Kameras, die das Jubiläums-Konzert begleiten. Tokio Hotel kriegen die Wuhlheide wohl auch deshalb so spielend voll, weil die Kaulitz-Zwillinge dank zahlreicher TV- und Werbeauftritte zu Deutschlands prominentesten Gesichtern zählen. Und medienaffin, wie sie sind, lassen sie Drohnen auf wie über der Bühne filmen und gleich mehrere Kamerateams umherziehen. Dass das Konzert auch in der dritten Staffel der Netflix-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ zu sehen sein wird, verkündet Bill zur großen Freude des Publikums.

An prominenten Gesichtern herrscht auch sonst kein Mangel bei Tokio Hotels großem Jubiläum. Für den gemeinsam veröffentlichten Hit „Fahr mit mir (4x4)“ geben sich die beiden Kraftklub-Sänger Felix Brummer und Karl Schumann die Ehre. Und noch ehe die Stars des Abends die Bühne betreten, bricht bereits kollektives Kreischen aus. Der Grund? Heidi Klum nimmt ihren Platz ein. Minutenlang recken sich nahezu alle Köpfe in die Richtung des Models, das seit 2019 mit Tom Kaulitz verheiratet ist.

Selbst die Drohnenshow stellt das Highlight nicht in den Schatten

Als das Konzert nach gut zwei Stunden auf die Zielgerade einbiegt, recken sich die Köpfe jedoch in den Nachthimmel über der Wuhlheide. Tokio Hotel drückt da gerade mit Songs wie „An deiner Seite (Ich bin da)“ und „Der letzte Tag“ ordentlich auf die Nostalgie-Drüse, begleitet von einer Drohnenshow. Noch mehr Las Vegas in Köpenick. Das Highlight des Abends wird dennoch von Bill eingeleitet: „Ich habe gehört, ein Sturm zieht auf.“

Klar, es ist der Song, für den 17.000 heute hier sind. Der Song, mit dem alles begann. Und der das grandiose Finale einer großartigen Show bildet: „Durch den Monsun“. Absolute Gänsehaut gibt es, als Tokio Hotel alle Instrumente ruhen und nur die Fans singen lassen.

In Berlin zeigt sich, dass Tokio Hotel 20 Jahre nach Veröffentlichung von „Durch den Monsun“ immer noch ein Phänomen sind. Für ihre Fans sind sie ein Vehikel, die eigene Identität und gegenseitige Liebe zu feiern – wie auch immer dies aussieht. Am Ende ihres „Big Anniversary“-Konzerts sind Bill, Tom, Georg und Gustav aber vor allem eines: mitreißende Musiker und fantastische Show-Männer.