Kiss in Berlin 2023
: Abschiedstour „End of the Road“ – das Konzert in der Max-Schmeling-Halle

Als wären sie seit der Gründung 1973 nicht gealtert: Kiss gibt in Berlin alles. Die Fans haben längst die Kinder mitgebracht. Und dann gibt es noch einen besonderen Gruß an Berlin.
Von
Martin Döringer
Berlin
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Tourstart in München, jetzt auch in Berlin: Gene Simmons, Sänger und Bassist, von der US-amerikanischen Band Kiss, ist in Deutschland unterwegs. Im Rahmen ihrer Abschieds-Welttournee «End Of The Road» spielt die Band insgesamt vier Konzerte in Deutschland.

Sven Hoppe/dpa

Pünktlich um 20 Uhr startet der Kiss-Support, die Rock-Mittelalterband IN EXTREMO ihren 30-minütigen Appetizer, der mit „Küss mich“ passend zu KISS endet. Die „End of the Road Tour“ ist der letzte Kuss – Bühnenabschied - der maskierten Kult-Rocker. Um 21 Uhr ertönt der Led-Zeppelin-Song „Rock n Roll“ vom Band und heroisch sieht man KISS auf den seitlichen Leinwänden backstage und zur Bühne gehend. Dann fällt der Vorhang vor der großen Leinwand in der prall gefüllten Berliner Max-Schmeling-Halle und präsentiert die Band, welche vor 50 Jahren gegründet wurde, mit „Detroit Rock City“ als Opener und schwebend auf fliegenden Podesten.

Die Outfits sind mehr als schrill: Überdimensionale in Silber glitzernde Plateau-Stiefel mit Fransen, die gekonnt zur Show miteingesetzt werden: Es wackelt nicht nur die voluminöse Haarmenge zum Takt, sondern auch die Fransen an den Stiefeln, bei den richtigen Bewegungen!

Trotzdem KISS längst im Rentner-Alter sind, präsentieren sich die Hard-Rocker in stählernen Körpern, als wären die Jahre seit der Bandgründung 1973 nie vergangen. Goldene und Diamanten-glitzernde Gitarren, Kostüme, die Lady-Gaga blass erscheinen lassen und eine Show, die überrascht, mitreißt und staunen lässt.

Auf einmal brennt ein Teil der Bühne

Die ganz jungen Fans von Kiss tragen Schutz-Kopfhörer. Gar keine schlechte Idee, denn es knallt so oft und laut, dass einem nach der Show die Ohren surren (sehr gewagt für einen Sänger, der auf einem Ohr taub ist!). Viel Feuer – einmal brannte ein Teil auf der Bühne, das schnell entfernt wurde – Konfetti-Regen, meterlange Luftschlangen, extreme Laser, gleißendes, flackerndes Licht in Kunstnebel, und grelle Farben formen ein Deluxe-Fest der Superlative, bei der sogar einige der größten Hits wie „Crazy Crazy nights“, „Forever“ und „God gave Rock ‚n‘ Roll to you II“ live ausgelassen werden.

Besonderer Gruß an Berlin

Gründungsmitglied, Musikproduzent, Sänger und Gitarrist Paul Stanley (71) strotzt nur so vor Selbstbewusstsein auf der Bühne! Mit kreischender Stimme unterhält er sein Publikum, erzählt, dass seine Mutter Berlinerin ist, wir seine Familie sind und haucht „Ich bin ein Berliner“ ins Mikrofon. Mit einer Armbewegung diktiert er sein Publikum, aus welcher Richtung der Applaus kommen muss: unten, oben, links, rechts, mittig. Minutenlang geht dieses Spiel – ohne Musik wohlgemerkt! Dann macht er den Vorschlag: „Berliner, wir tun jetzt mitten unter der Woche so, als wäre es Samstag!“ Die oberen Reihen fordert er auf, sich aus den Sitzen zu erheben, oder nach Hause zu gehen!

Outfits wie immer extravagant: Gene Simmons (l), Sänger und Bassist, und Paul Stanley, Sänger und Gitarrist, von der US-amerikanischen Band Kiss beim Auftakt-Konzert auf dem Königsplatz in München. Im Rahmen ihrer Abschieds-Welttournee «End Of The Road» spielt die Band insgesamt vier Konzerte in Deutschland. Am 22. Juni kamen sie nach Berlin.

Sven Hoppe

Lebensgefährlich schwingt er sich auf ein Seil und fliegt quer durch die Halle, um zwei Songs auf der anderen Seite der Bühne vor dem nun stehenden Sitz-Publikum zu performen. Schlagzeuger Eric Singer gibt ein minutenlanges Drum-Solo und Bassist Gene Simmons spuckt Feuer und Kunstblut. Schier unglaublich, wie viel Energie, Power, Freude und Coolness diese Band mit Ü70 versprüht, man mag gar nicht an ein Ende der Live-Weltkarriere denken!

Nicht nur Kinder sind auf KISS geschminkt

Die glamouröse Rock-Band schminkt sich seit jeher: Grundierung Weiß, darüber die auffallenden schwarzgeschminkten Masken (The Demon, The Starchild, The Spaceman, The Catman), der Sänger mit knallrot geschminkten Mund. Dadurch schockieren sie und bekommen genau die Aufmerksamkeit, die sie wollen. Stars wie Robbie Williams schminken sich im KISS-Stil und im Publikum von KISS sieht man nicht nur gutgelaunte, geschminkte Kinder, sondern auch Erwachsene, die den KISS-Originalen zum Verwechseln ähnlich sehen.

Der Klassiker: „I was made for loving you“

Bei den Zugaben kommt der Nummer-1-Hit, auf den alle warten. Sänger Paul Stanley summt den Refrain und das grölende Publikum antwortet mit dem in Deutschland in Gold ausgezeichneten „I was made for loving you“. Der größte Hit von KISS ist vom Dance-Bereich und der 1970er-Jahre-Disco-Welle inspiriert. Damit ist die große glamouröse Rock-Party auf ihren Höhepunkt angekommen und endet nach zwei Stunden passend mit „Rock And Roll All Nite“.