Die „blaue Blume der Romantik“ ist sprichwörtlich – kein Wunder, dass blaue Blumen auch das Programm der Kleist-Festtage 2022 zieren und Anke Pätsch als neue Leiterin des Kleist-Museums Frankfurt (Oder) eine „blaue Stunde“ erfunden hat. Die besondere Lichtstimmung der Dämmerung zwischen Tag und Nacht ist für sensible Seelen seit jeher etwas Besonderes: Das Kleist-Museum bietet für die diesjährigen Kleist-Festtage wahlweise einen Foto-Workshop mit Tobias Tanzyna morgens um 5.30 Uhr, Sternbeobachtungen ebenfalls frühmorgens im Planetarium Frankfurt (Oder) oder am Nachmittag um 17 Uhr eine Geburtstagsparty für Heinrich von Kleist mit Karaoke-Singen „blauer Lieder“ – „wetten, Sie kennen auch mindestens drei?“ fordert die Direktorin das Publikum heraus. Und noch etwas „Blaues“: Der in Frankfurt (Oder) geborene Polizeireporter Uwe Madel gibt Blaulicht-Tipps.

Preisträgerstück über Erdöl

Dass die Chemie stimmt zwischen ihr und Florian Vogel, als Künstlerischer Leiter des Kleist-Forums Mitveranstalter des renommierten Festivals in der Kleist-Stadt Frankfurt (Oder), ist dem diesjährigen Programm unter dem Motto „Die Wahrheit ist ...“ deutlich anzumerken. „Man darf auch lachen“, verspricht Vogel, bei aller Ernsthaftigkeit, die insbesondere das Stück „Wonderwomb“ des diesjährigen Kleist-Förderpreisträgers Amir Gudarzi mit sich bringt, das am 6. Oktober das Festival eröffnet. Denn da geht es um Erdöl als Motor der Gesellschaft, und bei der Entscheidung für Gudarzi war noch nicht abzusehen, wie aktuell und bedrückend uns gerade dieses Thema derzeit beschäftigen werde, so Vogel.
Das mit der Romantik verbindet sich mit der Sonderausstellung, die das Kleist-Museum zu den Festtagen eröffnet: „Kleist romantisch“ heißt die von Barbara Gribnitz kuratierte Schau und widmet sich jenseits der für Literaturwissenschaftler bedeutsamen Frage, ob Kleist ein Romantiker war, auch der Frage, was wir heute überhaupt als „romantisch“ empfinden und wie viel das mit der Epoche der Romantik zu tun hat. Studierende der Universität Halle/Wittenberg haben sich Romantik-Hotels und Postkarten mit „romantischen Grüßen“ vorgenommen, und am Ende darf auch der Besucher oder die Besucherin abstimmen, ob es romantisch war.
Dass Kleist zumindest in der Theaterwelt immer noch zieht, hat Anke Pätsch beglückt erlebt: So kommen Sandra Hüller und Jens Harzer und werden aus dem „Käthchen von Heilbronn“, das Kleist als „romantisches Drama“ bezeichnet, lesen, Thomas Thieme nimmt sich in bewährter Manier gemeinsam mit seinem Musikerrsohn Arthur Robert Guiskard und den Dorfrichter Adam vor, und Fanny Staffa liest aus Kleists und anderen Rezensionen über den Ur-Romantiker Caspar David Friedrich.

Alexander Scheer singt David Bowie

Nicht Caspar, sondern David Friedrich, der Poetry-Slammer und MOZ-Talk-Moderator, wird sein erstes Theaterstück „Apocalyppo“ zu Gehör bringen, und Alexander Scheer, bekannt durch seine kongeniale Gundermann-Verkörperung, singt und spielt mit „I‘m Only Dancing“ diesmal Songs von David Bowie - man darf gespannt sein.Für Familien gibt es „Hokuspokus“, das neue Maskentheater der Familie Flöz, und für politisch interessierte „Hate Speech“, ein Wochen-Workshop auf dem Brückenplatz. Und für alle den Festivalpass für 10 Euro, der 50 Prozent Ermäßigung auf alle Vorstellungen garantiert. Eigentlich müsste man mit Zelt und Schlafsack kommen, um wirklich alles Gebotene mitzunehmen, erklärt Florian Vogel. Nehmen Sie ihn beim Wort.