Als der Anruf aus der Jurysitzung kam, war sie gerade auf der Straße unterwegs, nach einem mühsamen Tag in der Bibliothek, mit dem Versuch, am Sonnabend zu schreiben – und hat erst einmal zu weinen angefangen.
„Ein sehr emotionaler Moment“, bestätigt auch Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums, der die Nachricht überbrachte.

Uraufführung ist im Juni 2023 in Augsburg

Elisabeth Pape ist die Kleist-Förderpreisträgerin des Jahres 2023. Die 1995 geborene Tochter einer ukrainischen Mutter, die in Berlin und Czernowitz aufwuchs und derzeit an der Universität der Künste Berlin Szenisches Schreiben studiert, gewinnt den Preis für ihr Stück „Extra Zero“, das sich mit Essstörungen bei Jugendlichen beschäftigt.
Die mit dem Preis verbundene Uraufführung richtet das Staatstheater Augsburg am 24. Juni aus. Preisverleihung und Aufführung in Frankfurt (Oder) sind dann zum Start der diesjährigen Kleist-Tage am 11. Oktober. Die Laudatio hält Mitjuror Oliver Bukowski.
In der Jury-Begründung heißt es: „Elisabeth Papes Stück ,Extra Zero‘ ist die Studie einer jungen Frau, die aufgrund einer Essstörung in psychiatrischer Behandlung ist. Das Stück geht jedoch weit über den Einzelfall hinaus. ,Die mit der Pringles-Dose‘ steht im Zentrum des Geschehens und ist gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt eines umfassenden Themenkomplexes, dem Elisabeth Pape bis an seine Ränder, Ursachen und Folgen nachspürt.
In jedem Satz zeigt sich ihre detaillierte Beobachtung und umfangreiche, messerscharfe Recherche – von gesundem Essen über Body Positivity auf Instagram bis zum Fitnesswahn sowie von der regelkonformen psychiatrischen Behandlung bis zur institutionellen Überforderung.“

„Wir stehen vor einem Trümmerhaufen“

Die Preisträgerin, die in ihrer Dankesrede auf die dramatische Situation Jugendlicher nach der Corona-Pandemie und die dysfunktionalen Zustände in vielen Kliniken hinweist, spricht von einem „Trümmerhaufen“, vor dem wir stehen: „Die Wut treibt mich an.“