Kolumne zum Eurovision Song Contest
: Ein bisschen authentischer

Ist es wirklich so schwer, einen guten deutschen Liedschreiber zu finden?
Von
Stephanie Lubasch
Frankfurt (Oder)
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Stephanie Lubasch fragt sich, warum es so schwer ist, einen ESC-Song zu finden

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Gelingt das nicht, ja, landen sie am Ende gar im letzten Drittel des Sängerfeldes, ist die Enttäuschung groß. Landesweit wird dann analysiert und kritisiert, überdacht und neu aufgestellt. Wobei der unbedingte Wille zum Sieg die absurdesten Blüten treibt. Um nichts mehr dem Zufall zu überlassen, holte sich der im deutschen Fernsehen für den ESC zuständige NDR sogar strategische Hilfe bei einer Unternehmensberatung. Das Prozedere der Vorauswahl ist seitdem aufgepumpt wie ein Michelin–Männchen: Neben den Fern­seh­zu-­schauern stimmen 100 europäische ESC–Fans ab sowie eine international besetzte Expertenjury. Wäre doch gelacht, wenn man den Main­stream­geschmack Europas nicht treffen könnte!

Im vergangenen Jahr, als man so zum ersten Mal den deutschen ESC–Kandidaten aussiebte, hat das – wahrscheinlich eher trotz statt aufgrund dieses Verfahrens — gut geklappt. Michael Schulte schaffte es mit seiner emotionalen Erinnerungsballade an seinen Vater, „You Let Me Walk Alone“, bis auf Platz vier. Dieses Mal jedoch deutet sich bereits Versagen an: Der Siegertitel wirkt wie aus der Show–Retorte. S!sters, ein zusammengecastetes Mädchenduo, singt — auf Englisch — den von einem internationalen Komponistenteam arrangierten und in der Schweiz für den ESC bereits durchgefallenen Titel „Sister“.

Das soll unser Lied für Israel sein? Authentisch geht anders. Trotz des immensen Casting– und Camp–Aufwandes vorab und des dreifachen TÜVs kam ohnehin die gesamte Vorauswahl schon erschreckend schwach daher. Ist es wirklich so schwer, einen guten deutschen Liedschreiber zu finden? Vielleicht lohnt sich für die Macher ja mal ein Blick in Richtung Kinderkanal: Der zeigt seit 2008 mit seinem Format „Dein Song“, wie es gehen kann. Auch in der jüngsten Staffel lieferten dort alle acht jugendlichen Finalisten mit Leidenschaft eigene Musikstücke ab, für die man sich selbst beim ESC nicht schämen müsste.  Ganz ohne europäischen Expertenüberbau. Dafür authentisch. Und einfach eine Nummer kleiner.