Konzert
: Dieter Bohlen in der Zitadelle: Ein paar falsche Töne? Geschenkt!

Lange mussten die Fans warten - am Wochenende war es dann soweit: Dieter Bohlen rockte die Zitadelle Spandau. Dass er nicht alle Töne traf, tat der Begeisterung keinen Abbruch.
Von
Stefan Kegel
Berlin
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Groß, größer, "Mega": Dieter Bohlen rockte die Zitadelle.

DEAG Concerts

Sein erstes Konzert seit damals hat Bohlen wieder nach Berlin gelegt, aber diesmal in die altehrwürdige Spandauer Zitadelle – ein Überbleibsel der Renaissance, das immer noch gut in Schuss ist. So wie der 65-jährige Bohlen, der es mit viel Fleiß und Gespür für den Publikumsgeschmack geschafft hat, seit fast vier Jahrzehnten das Leben seiner Fans musikalisch zu begleiten.

Als er bei 30 Grad Celsius in einer schwarzen Kapuzenjacke die Bühnentreppe herunterkommt, ist Bohlen die Anspannung anzusehen. Schon beim ersten Lied – sein in einen Modern-Talking-Song verpacktes Lebensmotto „You Can Win If You Want" – blickt er immer wieder konzentriert nach unten, vermutlich auf den Teleprompter mit seinem Text. Bei mehr als 1000 von ihm komponierten und oft auch selbst getexteten Titeln kann ein bisschen Unterstützung nicht schaden. Dass er sich trotzdem hin und wieder versingt, verzeiht ihm sein begeistertes Publikum. Die Fans, in der Mehrheit jenseits des dritten Lebensjahrzehnts, einige mit ihren Kindern oder Enkeln im Schlepptau, singen laut genug mit. Vor allem bei seinen älteren Hits.

10 000 Leute sind an diesem Samstagabend zum Auftakt von Bohlens Tournee gekommen. Die Karten für den Abend waren binnen zweier Tage ausverkauft, nachdem er das Konzert über die Plattform Instagram angekündigt hatte. Überhaupt nutzt Bohlen den Abend als Werbeveranstaltung für seinen Instagram-Account, mit dem er seit einem Jahr die Social-Media-Welt beglückt. 1,3 Millionen Menschen folgen ihm dort – und er will, dass es noch mehr werden. Für seine Follower hat er eigens ein paar Zeilen Musik komponiert, die er das Publikum singen lässt. „Wir sind alle Meganer“, textete der erfolgreichste Pop-Produzent Deutschlands dazu in Anlehnung an seinen Lieblingsspruch „Mega!“.

Insgesamt bringt er 24 seiner Lieder zu Gehör, die er nicht nur für Modern Talking ("Brother Louie“, „Cheri Cheri Lady") und sein Solo-Projekt Blue System ("My Bed Is Too Big") erdachte, sondern auch für Stars wie Chris Norman ("Midnight Lady") oder Andrea Berg ("Du kannst noch nicht mal richtig lügen"). Im Ringen mit den Tönen kommt ihm sein Markenzeichen – der kratzige, leicht röchelnde Gesang – zupass. Hohe Töne in den Strophen lässt er diesmal meistens weg, schwierige Notensprünge verflüstert er gern, bis ihn im Refrain die schmissigen Falsett-Chöre aus der Konserve und die Stimmen seiner sieben Band-Mitstreiter auf der Bühne in die Hook-Line retten.

Der einstige Fan des Vollplaybacks hat sich einen richtig guten Co-Sänger auf die Bühne geholt, der ein bisschen an Thomas Anders erinnert – wenn der Hipster-Vollbart nicht wäre. Seine ausgeprägt gute Laune steckt sogar Bohlen an, von dem in der zweiten Stunde die Anspannung nach und nach abfällt.

Kurz vor Schluss wird der Mann, der nach Angaben seiner Plattenfirma rund 200 Millionen Tonträger verkauft hat, sogar richtig sentimental – als er seinen Fans für ihre Treue dankt. „Hallo Schnuckelhasen“, ruft er ihnen zu, während er ein Handy-Video filmt. „Ich könnte euch alle drücken im Moment.“ Seine Fans antworten mit „Dieter, Dieter, Dieter“-Sprechchören.

Dann singt er noch „You‘re My Heart, You‘re My Soul“. Tausende wippen zum stampfenden Rhythmus, tanzen, klatschen und feiern. Ein kleines Feuerwerk ist am Schluss der Höhepunkt der sonst eher minimalistischen Show. Und spätestens als Dieter Bohlen sich dann tatsächlich noch zu einer Zugabe herausklatschen lässt, hat er es geschafft, seine Fans glücklich zu machen. Mögen seine Kritiker doch meckern.

Von Modern Talkingbis DSDS

Dieter Bohlen (65) hat im Unterhaltungsgeschäft schon viele unterschiedliche Rollen gespielt – als Musiker, Produzent und Songwriter. Er wurde in den 80er-Jahren als Mitglied des Pop-Duos Modern Talking bekannt, jüngere Leute kennen ihn eher als Juror der Casting-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS).