Vor dem Mittwoch wurde wegen des Hitzehöhepunkts in Berlin seit Tagen gewarnt. Karl Lauterbach rief vor allem ältere Bürger zu extremer Wachsamkeit auf. Robert Plant, 73, wagte sich trotzdem ins Freie - um seinem Job als Sänger nachzugehen, den er eigentlich nicht mehr ausüben müsste. Aus Geldgründen schon gar nicht, weil er allein mit Led Zeppelin so reich geworden ist, dass er auch zu Hause seine Kontozahlen hoch und runter zählen könnte. Will er aber nicht, stattdessen macht er weiter Platten und Konzerte, einfach weil es ihm Spaß bereitet. Das merkt man sofort, als er am Mittwochabend die Bühne der Zitadelle Spandau bei seinem Berlin-Gig betritt.

27 Grammys für Alison Krauss

An Plants Seite sind fünf Bandmusiker und die an Lebensjahren auch nicht mehr ganz junge Alison Krauss, die nicht nur blendend aussieht, sondern in punkto Preisen ihren Bühnenpartner Robert Plant locker aussticht. 27 Grammys hat die Bluegrass-Queen inzwischen erhalten, womit sie nur von Beyoncé übertroffen wird. Das wissen inzwischen wohl auch die meisten Leute im Publikum, das ebenfalls aus zumeist älteren Menschen besteht. Schließlich hat Robert Plant, wegen dem die absolute Mehrheit – sichtbar auch an vielen Led-Zeppelin-T-Shirt – gekommen ist, mit Alison Krauss bereits 2007 kollaboriert. Ihr gemeinsames Album „Raising Sand“ wurde von der Kritik euphorisch besprochen. Nicht ganz so euphorisch waren die Kritiken zum Album „Raise the Roof“, mit dem sie 2021 ihre Zusammenarbeit wieder aufleben ließen. Aber immer noch gut.
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Einstieg mit „Rich Woman“

Teile des Albums präsentieren sie nun auch auf einem der wenigen Deutschland-Konzerte in Berlin präsentieren. Nachdem ein Troubadour das Publikum mit countryesker Klampfkunst auf hohem Niveau auf die Stars eingestimmt hat, kommen die ohne Starbohei auf die Bühne und steigen mit „Rich Woman“ ein. So viel ist gleich klar, wer von den Zuschauern immer noch vor allem seine Zeppelin-Nostalgie befriedigt sehen will, wird keinen begeisterten Abend haben. Es wird ein paar Zeppelin-Titel geben, aber mit Stadionrock hat die Interpretation hier so viel zu tun wie Spandau mit Berlin (dazu muss man wissen, dass die einst eingemeindeten Spandauer sich nicht als Berliner sehen).
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Der Zep-Klassiker „Rock‘n‘Roll“, der natürlich mit größtem Wohlwollen von den rund 6000 Zuhörern aufgenommen wird, wird als Fidel-Version präsentiert, die jeder hinterwäldlerischen Party die Krone aufsetzen würde. In Spandau kommt sie aber auch gut an, denn man weiß ja inzwischen, dass der Robert – heute in kariertem Hemd - jetzt auf diesem Trip ist. „When the Levee Breaks“ vom Zeppelin-Album „IV“, das eigentlich eine alte Bluesnummer von Kansas Joe McCoy und Memphis Minnie aus dem Jahr 1929 ist, ist ein bisschen mehr Bums.

Inzwischen lieber im Countrystyle

Aber darum geht es Plant offenbar schon lange nicht mehr. Er shuffelt jetzt lieber im Countrystyle und hat sichtbar Freude am Covern großer amerikanischer Populärmusiker wie den Everly Brothers, die er voller Ehrerbietung nennt, bevor er mit seiner Co-Sängerin deren Song „Stick with me Baby“ singt. Plant ist ein in Würde gealterter Ex-Rockstar, der eindeutig zufrieden scheint, kein Greatest frühere Hits abliefern zu müssen. Trotzdem ist er immer noch der Dominator auf der Bühne, manchmal scheint Alison Krauss eher Side Kick als gleichrangige Duettpartnerin. Nicht dass er sich in den Vordergrund spielt, eher hält sie sich , warum auch immer, etwas zurück. Nicht immer, bei „Trouble with my Love“ zeigt sie, dass auch sie, mit ihrer fantastischen Stimme, eine absolut ebenbürtige Frontfrau ist. Am Ende ist allen klar, dass hier zusammen kam, was gut zusammen gehören kann.