Konzert: Viel Pop, Gefühl und reichlich Glitzer

Am 16. Dezember 2018 standen der Kandidat Eros Atomus Isler (links) und die Sängerin Jess Glynne noch im Finale der TV-Castingshow „Voice of Germany“ zusammen auf der Bühne.
dpa/Jörg CarstensenNick Howard, Charley Ann Schmutzler, Tay Schmedtmann … Noch nie von ihnen gehört? Nun ja, die musikalische Überlebenszeit der Gewinner des ProSieben-Sat.1-Formates „The Voice of Germany“ unterscheidet sich nicht von der zahlreicher anderer Formate. Um noch möglichst schnell viel Geld mit den Kandidaten zu machen, hat die Mediengruppe die Tournee unmittelbar nach dem Ende der Staffel ins Leben gerufen. So lange der Ruhm noch frisch ist. Und das funktioniert.
Bei der „Live in Concert“-Reihe touren die vier Final-Kandidaten sowie zwei vom Publikum gewählte Wildcard-Gewinner mit der Live-Band derzeit durch Deutschland. Am Dienstagabend gastierten sie im nahezu ausverkauften Berliner Tempodrom. Auffällig viele Eltern waren mit ihren Kindern angereist. So auch die neunjährige Rieke aus Königs Wusterhausen, die in Begleitung von Mutter Heike kam. „Wir haben die Sendung fast immer geguckt, und dann hatten wir zusammen die Idee, uns die Show anzusehen“, berichtet die Schülerin. Ihr Favorit: Eros Atomus Isler.
Damit auch Format-unkundige Zuschauer wissen, um was es geht, beginnt die Show mit Einspielern aus der Sendung, in der die Kandidaten vorgestellt werden. Das Besondere an „The Voice“ sind die „Blind Auditions“ (Blindes Vorsingen). Hier sitzt die Jury in den ersten Shows mit dem Rücken zu den Sängern. So soll gewährleistet werde, dass die Kandidaten nur durch ihre Stimme und nicht durch ihr Erscheinungsbild überzeugen. Weiter geht es durch die „Battles“ (Kämpfe) bis ins Finale, wo dann mit reichlich Gefühl und Konfetti der Sieger gekürt wird.
Der heißt in diesem Jahr Samuel Rösch. Der 24-Jährige aus dem Erzgebirge, der von Juror Patrick Kelly gecoacht wurde, trat mit seiner Band PaperClip bislang vor allem bei christlichen Veranstaltungen auf. Mit „Shallow“, dem aktuellen Hit von Lady Gaga und Bradley Cooper, eröffnet er den Abend. Seine Fans im Tempodrom sind breit vertreten und begrüßen ihn mit langem Applaus.
Im Song steigen die weiteren Kandidaten der Tour ein. So die drei anderen aus dem Finale: Benjamin Dolic, 21-jähriger Elektriker aus der Schweiz, der 18-jährige Eros Atomus Isler sowie Jessica Schaffler. Die 17-Jährige fällt durch ihren japanischen Kleidungsstil mit bauschigen Röcken und Katzenohren-Kopfschmuck, aber auch durch ihre gefühlvolle Stimme auf. Vor allem in Balladen hat sie das Publikum auf ihrer Seite. Einer der Gänsehautmomente ist ihre Interpretation des Pink-Songs „A Million Dreams“ sowie ihr Duett mit Benjamin Dolic zum Beatles-Klassiker „Yesterday“, vorgetragen mitten im Publikum.
Ein Heimspiel ist es für Linda Alkhodor. Die 16-jährige Berlinerin war die jüngste Kandidatin der Staffel, bewegt sich aber dafür äußerst professionell und selbstsicher auf der Bühne und überzeugt mit ihrer kraftvollen, klaren Stimme. Genau wie der smarte James Smith Jr., ebenfalls erst 16 Jahre alt, wurde sie von den Zuschauern für die Tournee ausgesucht.
Allein, im Duett oder als Gruppe führen die in bunte Glitzer-Roben gewandeten Sänger kurzweilig durch zwei Stunden Programm, singen sich dabei quer durch die Musik-Charts. Zum zweiten Gänsehautmoment führt Samuel Rösch, der „Mein Weg“ von Herbert Grönemeyer singt. Den Song, den er auch im Finale vortrug, interpretiert er schnörkellos und trotzdem sehr gefühlvoll. Auch wenn ihn die meisten in einem Jahr vielleicht nicht mehr kennen werden – bei dem Abend im Tempodrom hat er das Publikum überzeugt.
