Berlin mal von einer anderen (Fernseh-)Seite: Köpenick, gemütlich, viel Wasser, weit weg von der City. In der Auftaktfolge der neuen ZDF-Freitagskrimi-Reihe „Jenseits der Spree“ geht es dennoch zur Sache: Die Entführung einer Teenagergruppe auf einem Wohnschiff in Berlin droht zu eskalieren. Der maskierte Geiselnehmer zwingt die Mädchen, unter Deck zu gehen. In diesem Moment wittert Robert Heffler (Jürgen Vogel) von der Polizei die Chance, sich anzuschleichen und den Täter zu überwältigen. Der anders lautende Einsatzbefehl ist ihm in dem Moment egal. Doch eines der von ihm befreiten Mädchen ist so verängstigt, dass er sie zur Flucht überreden muss. Diese Sekunden bringen beide in Gefahr. Der Attentäter entdeckt sie und drückt ab. In diesem Moment wacht Heffler aus seinem Alptraum auf.
Dem Zuschauer wird bald klar, dass er bei diesem Einsatz lebensgefährlich verletzt worden sein könnte und sein Leben grundlegend geändert haben muss. Seit diesem Einsatz schiebt der alleinerziehende Vater von drei Töchtern Innendienst bei der Polizei in der Nähe seines Wohnortes in Berlin-Köpenick. Doch seine Chefin, Dezernatsleiterin Katharina Koblinski (Elisabeth Baulitz), überredet den ehemaligen Kriminalhauptkommissar, wieder in kniffligen Ermittlungen im Außendienst aktiv zu werden. So viel zur Ausgangskonstellation der neuen Krimiserie „Jenseits der Spree“, die mit der Episode „Blutsbande“ (24.9.) startet.

Wo der 1. FC Union trainiert

Der Titel der Serie bezieht sich auf die Lage des wasserreichen Bezirkes im Berliner Süden, durch den neben der Spree die Havel fließt. Seen und Wälder prägen sein Bild, aber auch ein Schloss und die alten Industrieareale in Schöneweide, wo heute zahlreiche Start-Ups wirken. Und nicht zuletzt ist der Bezirk des Hauptmanns von Köpenick, der vor mehr als 100 Jahre die kaiserliche Bürokratie narrte, durch die Erfolge des 1. FC Union wieder in aller Munde.
In das Gebiet zwischen dessen Spielstätten an der Alten Försterei und Schöneweide führen Heffler und seine Kollegin Kay Freund (Seyneb Saleh) die Ermittlungen zum Tod eines Mannes, der am Ufer der Spree angeschwemmt wurde. Tafari Bekele (Toks Körner) stammt aus Äthiopien und ist erst vor wenigen Tagen mit einem Touristenvisum nach Deutschland eingereist. Für ihn bürgte Elena Jung (Victoria Schulz), die zu einem Netzwerk gehört, deren Angehörige Scheinheiraten eingehen. Doch sie und den Äthiopier verbanden wohl echte Gefühle. Durch die Auswertung der Kontakte auf Bekeles Handy stoßen die Kommissare auf die Familie eines vermögenden Bauunternehmers aus dem Osten Berlins, der jahrzehntelang in dem afrikanischen Land gute Geschäfte machte.

Dunkle Geschäfte in Äthopien

Der zweite Teil der Serie mit dem Titel „Tunnelblick“, der am 1. Oktober ausgestrahlt wird, beginnt am Spreetunnel in Friedrichshagen, wo sich die Spree in den Großen Müggelsee verbreitert. Dabei wird mehr und mehr deutlich: Kommissarin Freund agiert oftmals ein wenig ungestüm und will Ergebnisse erzwingen. Heffler ist eher der ruhende Pol, der mit seinen Erfahrungen die Psyche der Verdächtigen gut einschätzen kann.
Das neue Duo ist durchaus sympathisch, der Zuschauer folgt beiden gerne. Trotzdem könnten die Ermittler noch ein wenig mehr Profil vertragen, schließlich laufen die Krimis auf dem traditionellen Sendeplatz am Freitag zur Primetime. Die Serie rückt einen Berliner Bezirk ins Zentrum, der bislang ein wenig abseits in der filmischen Landschaft liegt. Auch wenn sich manch Köpenicker wundern dürfte, dass auch Teile von Treptow dem Bezirk zugerechnet werden. Aber ein wenig „Flexibilität“ bei der Wahl der Drehorte gehört ja beim Film mitunter dazu. jenseits-der-spree

Das ZDF strahlt den Film, den Marcus Ulbricht nach einem Buch von Felix Benesch inszenierte, am 24. September um 20.15 Uhr aus.
Der zweite Teil der Serie mit dem Titel „Tunnelblick“ läuft am 1. Oktober.