Linkin Park in Berlin 2025
: Wie war das Comeback mit Emily Armstrong im Olympiastadion?

Neue Sängerin, neues Album und, klar, neue Tour: Linkin Park gastiert für ein Konzert im Berliner Olympiastadion – und bietet mehr als nur Nostalgie für Millennials.
Von
Michael Heider
Berlin
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Emily Armstrong bei ihrem Konzert mit Linkin Park im Olympiastadion Berlin.

Ein Schrei, der baff macht: Emily Armstrong bei ihrem Konzert mit Linkin Park im Olympiastadion Berlin.

Fabian Sommer/dpa
  • Linkin Park kehrt 2025 mit neuer Sängerin Emily Armstrong zurück, Konzert in Berlin ausverkauft.
  • Songs des neuen Albums „From Zero“ und Klassiker wie „Numb“ begeistern 60.000 Fans im Olympiastadion.
  • Armstrong überzeugt mit starker Stimme, erinnert an Chester Bennington und bringt frische Energie.
  • Show kombiniert Nostalgie und Innovation, Stadion brennt bei „Two Faced“ und „Bleed It Out“.
  • Band beweist Live-Stärke, neues Album knüpft klanglich an „Meteora“ und „Hybrid Theory“ an.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bei den Rockgöttern! Sind sie wirklich zurück? So richtig? Gut möglich, dass sich das viele der gut 60.000 im Olympiastadion ebenfalls fragen, als das herrlich atmosphärische Intro von „Somewhere I Belong“ aus den Lautsprechern drängt. Die rückwärts abgespielten Gitarren, die sanften Drums, die als Teenager geschmiedeten Erinnerungen! Dann schneidet das harte Riff in die kontemplative Ruhe – und pustet die Fragezeichen weg: Here I Belong!

Da sind sie also wieder: Linkin Park. Durchaus passend, dass sie ihr Konzert in Berlin mit dem sehnsuchtsvollen Herzstück des Albums „Meteora“ beginnen lassen. Acht Jahre ist es her, dass sie in der Hauptstadt spielten. Für Sänger Chester Bennington war es das letzte Konzert auf deutscher Bühne. Wenig später nahm sich das Ausnahmetalent, das gleich mehrere Frontmänner in einer Stimme vereinte, das Leben. Und Linkin Park? War nicht mehr.

Linkin Park-Frontfrau mit Berghain würdiger Kutte

Erst im vergangenen Herbst meldete sich die kalifornische Band fulminant zurück. Am Mikro singt nun Emily Armstrong. Bis dahin hatte sich die 39-Jährige in der grandiosen, aber vor allem in den USA bekannten Alternative-Formation Dead Sara einen Namen gemacht. Nun tritt sie auf der „From Zero World Tour“ als neue Linkin Park-Frontfrau vor die Berliner Rockgemeinde, stilecht im Berghain würdigen Adidas-Netzhemd-Jumpsuit.

Sie füllt die Rolle so selbstbewusst wie würdig aus. Es können noch so wie viele Animationen und Filter über die riesigen Bühnenschirme flimmern, Lichter flackern oder Laser gen Himmel strahlen, wenn Armstrong den ins Publikum reichenden Bühnensteg abschreitet, richten sich alle Augen auf sie. Lediglich wer weiter weg sitzt, muss sie bei Songs wie „Burn It Down“ im Meer schwingender Arme erstmal finden.

Mit „Crawling“ zeigt die neue Sängerin früh, warum die Wahl auf sie fiel. Mit seinen dynamischen Kontrasten war der Song eine Werkschau von Chester Benningtons einzigartigem Talent: Ruhige, fast gehauchte Strophen, nur um im explosionsartigen Refrain einen Schrei von solcher Verzweiflung rauszudonnern, dass er direkt ins Mark geht. Nur wenige können so etwas reproduzieren. Emily Armstrong ist eine davon. Darüber täuscht auch nicht hinweg, dass sie das Mikro etwas zu oft zu dem Publikum entgegenhält.

Auch der Haribo-Bär lässt sich blicken

Das Konzert ist ein eindrucksvoller Beweis für den zweiten Frühling des Nu Metal. Jenem Mix aus Sprechgesang und harten Gitarren, der in den Nullerjahren seine Blüte hatte. Dennoch ist Linkin Park wohl die einzige Band des Genres, die in Deutschland ein derart wuchtiges Stadion ausverkauft bekommt. Immer schon waren sie der kleinste gemeinsame Nenner. Wem Fred Durst zu viel rappte oder Slipknot zu sehr Schwermetall war, bekam von Mike Shinoda und Konsorten Mainstream taugliche Brücken geschlagen. In Berlin zeigt sich: Deren Statik ist bis heute intakt.

Mike Shinoda (r), Musiker, und Dave Farrell, Musiker, beim Konzert der Band Linkin Park im Berliner Olympiastadion auf der Bühne. Die Band Linkin Park hat sich nach dem Tod ihres Leadsängers im Jahr 2017 neu formiert und tritt mit ihrer ersten Tournee seit der Neuformation auch in mehreren Städten in Deutschland auf. +++ dpa-Bildfunk +++

„Jetzt bin ich ein echter Berliner“: Mike Shinoda (r.) und Dave Farrell beim Konzert von Linkin Park im Berliner Olympiastadion.

Fabian Sommer/dpa

Auch dass Linkin Park stets die kommerziellsten Vertreter des Nu Metal waren, besitzt noch Gültigkeit. Die Band war sich schließlich nicht zu schade, Musik zu Michael Bays „Transformer“-Reihe beizusteuern, der Film gewordenen Produktplatzierung. Autobots landen zwar nicht in Berlin, dafür wandelt der Haribo-Bär kurz vor Konzertbeginn als Selfie-Opportunity durch die Massen. Grund ist ein limitierter Fruchtgummi-Mix, an dessen Beutel und Inhalt die sechs Bandmitglieder „kreativ mitgewirkt“ haben – Pfirsich, Cola, Himbeere, alles dabei.

Die Fans wären wohl auch ohne derartige Kooperationen begeistert dem Ruf ins Stadion gefolgt. Es sind überwiegend Um-die-40-Jährige, die stilecht in Linkin Park-Trucker Caps und -Shirts erschienen sind oder noch am Merchstand Schlange stehen. Sie wollen den Soundtrack der eigenen Jugend aufleben lassen. Anhänger aus jüngeren Generationen hingegen sieht man fast exklusiv im Familienbund mit enthusiastischen Eltern.

Zu „Two Faced“ brennt das Olympiastadion endgültig

Doch egal, welcher Generation sie angehören, die Berlinerinnen und Berliner haben jede Menge Bock. Ob Klassiker wie „New Divide“ oder Neues wie „Up From the Bottom“ – sie singen, klatschen, tanzen. Und während es Front of Stage auf Tuchfühlung mit den Bandmitgliedern geht (Mike Shinoda bekommt sogar ein pinkes Einhorn-Cap geschenkt), drehen sich hinter dem Wellenbrecher mehrere Moshpits. Als der Shinoda für „Two Faced“ (Gangart: hart) zu weiteren „Pits“ motiviert, brennt das Olympiastadion endgültig.

Zwar vertreten die Support-Acts Grandson und Architects an diesem Mittwochabend würdig die Gegenwart, dennoch dominiert die Kraft der Nostalgie. Vor allem Hits wie „Numb“ oder „In the End“ sind potente Throwbacks, zu denen mit fest geschlossenen Augen und Hand auf der Brust mitgesungen wird. Mike Shinoda, neben seiner Rolle als Rapper, Gitarrist und Keyboarder mehr denn je Linkin Park-CEO, weiß es zu schätzen. Von einem handgeschriebenen Zettel ablesend, richtet er Liebesgrüße auf Deutsch ans Publikum. Auch dass er die beste Currywurst hatte, lässt er wissen. „Jetzt bin ich ein echter Berliner.“

Auch im Jahr 2025 beweisen Linkin Park ihre Live-Qualitäten

Erkenntlich zeigen sich Linkin Park mit Fan-Favorites wie „One Step Closer“ oder „Faint“ in gewaltiger Wucht. Wer die Band schon in der Bennington-Ära erlebt hat, weiß um die Präzision und Atmosphäre ihrer Auftritte. Im Zusammenspiel mit Shinoda, Dave Farrell am Bass und DJ Joe Hahn erweisen sich auch Colin Brittain, der Rob Bourdon am Schlagzeug ersetzt hat, und der neue Bühnen-Gitarrist Alex Feder als wahre Bank. Dem notorisch herausfordernden Olympiastadion ringen sie dank zahlreicher Lautstärker-Stacks sogar guten Sound ab.

Sie singen, klatschen, tanzen: Fans von Linkin Park im Berliner Olympiastadion

Sie singen, klatschen, tanzen: Fans von Linkin Park im Berliner Olympiastadion

Fabian Sommer/dpa

Bei aller gefühlstrunkener Vertrautheit liegt in Berlin aber auch Aufbruch in der Luft. Linkin Park demonstriert: Geschlossen geglaubte Kapitel der Plattensammlung können gewinnbringend weitergeschrieben werden. Gekonnt verweben sie die Klassiker mit neuem Material. Ganze acht Songs des neuen Albums „From Zero“ sind Teil der Setlist.

Die Songs von „From Zero“ fügen sich nahtlos ein

Und nicht nur die kraftvolle Comeback-Single „The Emptiness Machine“, die im Olympiastadion mit ausschweifendem Enthusiasmus gefeiert wird, fügt sich nahtlos ein. Das liegt auch am vertrauten Sound der Platte, der an Alben wie „Hybrid Theory“ oder „Meteora“ erinnert. Neue Songs wie das atmosphärisch düstere „Overflow“ und das voll in die Fresse gehende „Casualty“ überzeugen live ebenfalls. Größter klanglicher Fremdkörper des Abends ist „Where’d You Go“, ein Stück von Fort Minor, dem Soloprojekt von Mike Shinoda.

Nach knapp 30 Songs ist klar: Emily Armstrong am Mikro von Linkin Park ist ein Coup. Die neue klangliche Dimension der Frontfrau steht der Band gut an. Genauso wie ihre eigenen Live-Qualitäten. Dass sie zum Schluss sogar noch Luft für einen sekundenlangen Urschrei zu „Heavy is the Crown“ in den Lungen hat, macht baff.

Das dürften auch die Rockgötter jetzt sein. Ihnen bleibt, nachdem der Abend mit „Bleed It Out“ zum Ende kommt, gar keine Wahl als es zu zertifizieren: Linkin Park ist zurück!