Lit:Potsdam 2025
: Wie sich Trumps Politik auf ein Literaturfestival auswirkt

Festivalchef Denis Scheck hat von Antje Ravik Strubel bis Katja Oskamp große Namen im Programm. Doch ein berühmter Autor hat Sorgen wegen seiner Anreise.
Von
Boris Kruse
Potsdam
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Potsdamer Literaturfestival LIT:Potsdam: ARCHIV - 02.07.2023, Brandenburg, Potsdam: Denis Scheck, künstlerischer Leiter der LIT:Potsdam, beim Literaturfest LIT:Potsdam im Garten der Villa Quandt. (zu dpa: «Die Zukunft von gestern? Literaturfestival in Potsdam») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Denis Scheck, künstlerischer Leiter der LIT:Potsdam, im Jahr 2023 in Potsdam. In diesem Jahr hat der Literaturkritiker und Fernsehmoderator zahlreiche internationale Autoren –und solche aus dem deutschsprachigen Raum - eingeladen, deren Texte sich mit der Vergangenheit und Fragen der Bürde historischer Ereignisse für die Zukunft beschäftigen.

Jens Kalaene/dpa
  • Lit:Potsdam 2025: Literaturfestival mit Fokus auf Weltpolitik.
  • Denis Scheck lädt Autoren wie Richard Ford, Georgi Gospodinov und Katja Lange-Müller ein.
  • Ford sorgt sich um Grenzkontrollen wegen Trumps Politik.
  • Festival vom 1. bis 6. Juli, vorwiegend im Park Sanssouci.
  • Finanzierung von 100.000 Euro noch nicht gesichert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

AKTUALISIERUNG (9.5.): Die Lesung mit Richard Ford (Mittwoch, 14. Mai 2025, 19 Uhr, Filmmuseum Potsdam) muss leider aus gesundheitlichen Gründen entfallen. Die Festivalverantwortlichen bedauern dies sehr und wünschen baldige Genesung. Ticketinhaber für die Lesung werden kontaktiert, der Eintrittspreis wird erstattet. Die Filmvorführung von Wildlife (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Richard Ford, gezeigt in englischer Originalfassung) im Filmmuseum Potsdam am 14. Mai um 21 Uhr findet wie geplant statt. Inhaber von Kombitickets für Lesung und Filmvorführung bekommen den gesamten Preis erstattet und können anschließend ein separates Ticket für die Filmvorführung erwerben. Außerdem wird Wildlife zusätzlich auch um 19 Uhr gezeigt werden. Tickets für die Filmvorführungen sind auf litpotsdam.de erhältlich (Ticketpreis: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro).

Ein Literaturfestival, das am Puls der Zeit sein will, kommt im Jahr 2025 nicht umhin, sich mit den Verwerfungen der Weltpolitik zu beschäftigen. Putin und Trump,  Krieg und Postkolonialismus, kollektive Traumatisierungen - all dies spielt in das Programm der Reihe Lit:Potsdam hinein, die vom 1. bis 6. Juli bereits zum 13. Mal stattfinden soll.

Unter dem Motto „Die Zukunft der Vergangenheit“ hat Kurator Denis Scheck, Moderator der Sendung „Druckfrisch“ im Ersten, auflagenträchtige Gäste geladen, deren Werke um tragische historische Ereignisse, aber auch um Träume von einer besseren Zukunft kreisen. „Was wird, was bleibt, und was wäre wenn“, so der Literaturkritiker und Fernsehmoderator, das seien „Urfragen der Literatur“.

Richard Ford fürchtet die Grenzkontrollen der USA

Zwischen Science-Fiction, Geschichtserzählung, Gesellschaftsroman und Utopie schillert die Auswahl der Texte, die innerhalb einer knappen Woche in Potsdam vorgestellt und debattiert werden. Dass die Einschläge der Weltpolitik derzeit auch für Literaten näher rücken, das wird aus einer spektakulären Verpflichtung deutlich.

Und zwar der des US-amerikanischen Romanciers Richard Ford, Jahrgang 1944. Bei der vorgezogenen Auftaktveranstaltung am 14. Mai soll der Bestsellerautor im Filmmuseum Potsdam aus „Valentinstag“ lesen, dem fünften Teil seines 1986 begonnenen monumentalen Romanzyklus über den Sportreporter und Immobilienmakler Frank Bascombe. Richard Ford „nimmt den Vereinigten Staaten den Puls“, wie Denis Scheck die Verpflichtung seines Gastes bei der Programmvorstellung von Lit:Potsdam kommentierte.

Der Autor Richard Ford kommt für eine seiner seltenen Europareisen nach Potsdam und stellt seinen aktuellen Roman Valentinstag vor.

Der Autor Richard Ford kommt für eine seiner seltenen Europareisen nach Potsdam und stellt seinen aktuellen Roman Valentinstag vor.

picture alliance/dpa/AP

Wie sehr sich die Beziehungen zwischen USA und Europa derzeit wandeln, bis hin zur Entfremdung, wird aus den Umständen deutlich, mit denen Fort seine Europareise vorbereitet: Aus Verunsicherung angesichts der isolationistischen Politik Donald Trumps und einiger Scherereien rund um die Ein- und Ausreise von Touristen habe der Autor sich schon einmal vorsorglich an die Grenze zwischen den USA und Kanada begeben, so Denis Scheck. Sicherheitshalber ohne Mobiltelefon. Einfach, um auszutesten, ob das mit dem Grenzverkehr noch problemlos funktioniert für einen Publizisten, der in seinen Schriften kein Blatt vor den Mund nimmt.

„Bulgarischer Abend“ mit Georgi Gospodinov und Samuel Finzi

Um die Frage, „Wie man aus Vergangenheit Zukunft macht“, geht es am Eröffnungsabend (1. Juli, Hans-Otto-Theater) in einer Lesung samt Diskussion mit Georgi Gospodinov (Buch „Zeitzuflucht“) und Samuel Finzi („Buch Samuel“), die beide ihre Wurzeln in Bulgarien haben. Weiterhin werden der Islamwissenschaftler und Publizist Navid Kermani, die Berliner Autorin Katja Lange-Müller (im Gespräch mit Ex-Berlinale-Leiter Dieter Kosslick) und der Kölner „Tatort“-Darsteller Dietmar Bär als Vorleser nach Potsdam anreisen. Alhierd Bachrevič aus Belarus, gerade erst mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet, wird am Freitag (4. Juli) aus seinem Roman „Europas Hunde“ lesen. Am selben Tage stellt Mithu Sanyal ihren postkolonialen Roman „Antichristie“ vor. Antje Rávic Strubel spricht mit dem Filmjournalisten Knut Elstermann am Sonntag (6. Juli) über ihren Roman „Der Einfluss der Fasane“.

Ebenfalls zu Gast: Die neue Kleist-Preisträgerin Daniela Seel. Die Lyrikerin und Gründerin des Berliner Verlages kookbooks stellt ihren aktuellen Gedichtband „Nach Eden“, erschienen im Suhrkamp Verlag, am Sonnabend (5. Juli), 17 Uhr, im Orangerieschloss im Park Sanssouci vor.

Orangerieschloss im Park Sanssouci als Dreh- und Angelort

Aus Gründen der Logistik und um einen zentralen Ort zu etablieren, finden die meisten der Lesungen in diesem Jahr im Orangerieschloss des Parks Sanssouci statt. Die organisatorische Leitung ist nach dem letztjährigen Festival von Sabine Haack an Felicitas Höhn übergegangen.

Indessen bangt das Festivalteam noch um die Finanzierung der diesjährigen Veranstaltungsreihe. Wie die Veranstalter vom Verein Lit:Potsdam e. V. mitteilten, stünde die Zusicherung mehrerer beantragter Finanzpakete von zwei brandenburgischen Landesministerien derzeit noch aus. Dabei geht es um eine Gesamtsumme in Höhe von rund 100.000 Euro, wie Festivalleiterin Felicitas Höhn sagte. Insbesondere sei die Finanzierung des begleitenden Programmes für junge Leser und Schulen noch nicht gesichert.

Lit:Potsdam vom 1. bis 6. Juli, Ort überwiegend Orangerieschloss im Park Sanssouci, Info, Tickets und Programm: www.litpotsdam.de