Märchen im Fernsehen: Warum „Schwanensee“ an „Aschenbrödel“ erinnert

Qual der Wahl: Prinz Friedrich (Riccardo Campione) auf der Suche nach einer Tanzpartnerin beim Ball. Die Szene kommt einem doch bekannt vor?
SWR/kurhaus produktion/Patrick Pfeiffer- ARD zeigt „Das Märchen vom Schwanensee“ als moderne Adaption des Tschaikowsky-Balletts.
- Der Film verbindet Märchenästhetik mit zeitgemäßen Elementen wie Diversität und Humor.
- Charaktere wie Prinz Friedrich und Odette sind romantisch, aber auch selbstbewusst gestaltet.
- „Das Märchen vom Schwanensee“ läuft am 25.12. um 14.20 Uhr und ab 18.12. in der ARD-Mediathek.
- Weitere Märchen-Klassiker wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ werden ebenfalls an Weihnachten gezeigt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Geschichte scheint bekannt: Der junge Prinz und Thronfolger soll verheiratet werden, aber er hat keine Lust und reitet lieber mit seinen beiden Kumpanen in den Wald. Dort trifft er ein wunderschönes und sehr keckes Mädchen – das aber verwandelt ist und nicht ist, was es scheint. Und am Ende gibt es einen großen Ball, bei dem die Auserwählte sehr spät, fast zu spät erscheint.
Nein, das ist nicht der Alltime-Märchenfilmklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, sondern der neue ARD-Märchenfilm „Schwanensee“, nach dem berühmten Ballett von Peter Tschaikowsky. Und Odette, das Schwanenmädchen, tanzt zwar auch im Mondenschein, bevor der Prinz sich in sie verliebt, trägt beim Ball weiß und flieht von dort. Doch ihren Schuh verliert sie nicht.
Brautsuche nach Tinder-Manier
Trotz gewisser Ähnlichkeiten ist die Märchenfassung von Silja Clemens und Barbara Miersch in der Regie von Christian Theede trotz prächtiger Kostüme und romantischer Schauplätze wie dem Zauberwald durchaus heutig: Der Prinz sucht zwischen den zur Verfügung stehenden Braut-Kandidatinnen aus, als wähle er auf einer Partner-App, und der Cast ist, wie inzwischen im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen üblich, divers besetzt.

Romantik pur: Prinz Friederich (Riccardo Campione) und das Schwanenmädchen Odette (Samirah Breuer) haben sich am See gefunden.
SWR/kurhaus produktion/Patrick PfeifferDer Magier Rotbart ist keineswegs furchteinflößend, sondern steht recht eindeutig unter dem Pantoffel seiner Tochter Odile. Und nicht zuletzt spielt auch ein reizender Pudel namens Romeo eine nicht unerhebliche Rolle. Und wann hat man einen Prinzen schon mal in der Küche beim Kuchenbacken gesehen?
Doch auch wenn die Geschichte von Fluch und Verzauberung, Intrige und wahrer Liebe selbst nach Märchenfilmmaßstäben wenig originell erscheint: hochromantisch ist sie doch. Der in Hamburg geborene Deutsch-Italiener Riccardo Campione ist mit seinen dunklen Locken und den strahlend blauen Augen ein idealer Prinz, verträumt und schüchtern. Spätestens wenn er im See steht und dem Schwan seine Liebe erklärt, schlagen die Herzen höher, und selbst seinen immer zu Witzen aufgelegten Kumpeln Toni (Frederic Balonier) und Benno (Chieloka Jairus) vergeht der Spott.

Lässt sich nicht einschüchtern: Odette (Samriah Breuer) geht in Konfrontation mit dem Zauberer Rotbart (Fritz Karl) am Schwanensee.
SWR/kurhaus produktion/Patrick PfeifferDoch auch Samirah Breuer als Odette ist keineswegs nur ein Opfer des Fluchs, sondern eine selbstbewusste junge Frau, die sich weder von Prinzen noch von Zauberern (wunderbar verschroben und zauselig: Fritz Karl) oder Königinnen (sehr bodenständig und pragmatisch: Silke Bodenbender) einschüchtern lässt. Und selbst ihre Halbschwester Odile (Jule Hermann), im Märchen eigentlich Konkurrentin und böse Gegenspielerin, ist eine moderne junge Frau, die sich am Ende für ihren eigenen Weg entscheidet. So sind es am Ende die jungen Menschen, die bestimmen, wie die Geschichte zu ihrem Happy End findet.
Alles in allem ist „Das Märchen vom Schwanensee“ also eine durchaus empfehlenswerte moderne Alternative zu „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, ebenso romantisch, mit Witz und Herz und jeder Menge Schauwerten.
„Das Märchen vom Schwanensee“, ARD, 25.12., 14.20 Uhr und ab 18.12. in der ARD-Mediathek
Noch mehr Märchenfilme im Fernsehen
Es muss nicht immer „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sein – aber es darf natürlich auch: Der absolute Märchenklassiker von 1973 läuft auch in diesem Jahr wieder auf allen Kanälen, z.B. am Heiligabend um 12.50 Uhr in der ARD, um 16.25 Uhr im NDR und am 1. Weihnachtstag um 15.25 Uhr (ARD). Aber auch andere DDR-Klassiker sind zu haben: Etwa „Frau Holle“ von 1963 (MDR, 24.12., 14.15 Uhr und RBB, 25.12., 16.55 Uhr), „Das Feuerzeug“ von 1959 (MDR, 24.12., 15.10 Uhr), „Rotkäppchen“ von 1962 (RBB, 24.12., 15.15. Uhr) oder „Die zertanzten Schuhe“ von 1977 (MDR, 25.12., 16.50 Uhr). Märchenhaft ist auch der russische Film „Abenteuer im Zauberwald“ von 1965 (RBB, 24.12., 16.50 Uhr, und MDR, 25.12., 17.35 Uhr). Und wer es lieber etwas moderner hat, dem ist die ARD-Produktion „Das Märchen von der silbernen Brücke“ von 2024 zu empfehlen (ARD, 24.12., 10.15 Uhr), der zwei Kinder auf die Spur von Grimms Märchen schickt und in Potsdam und Umgebung gedreht wurde.
