MOZ-Kunstpreis
: Ein Rahmen fürs „Nichts“

Den passenden Ort für seine Arbeit hat Petras in Neuenhagen (Märkisch Oderland) gefunden.
Von
Stephanie Lubasch
Berlin/Oehna
Jetzt in der App anhören

Kreativzentrum: In einer ehemaligen Schmiede hat Ernst J. Petras sein Atelier eingerichtet. Zu großen Skulpturen wie der Stelengruppe „Moments of the forest“ (Momente des Waldes) entwickelt er dort vorab ein Modell (links) .

MOZ/Stephanie Lubasch

Fünf Meter lang ist die Stahlstele, die momentan in Ernst J. Petras’ Atelier liegt. Ein Koloss, möchte man meinen.

Wenn sie später mit ihren drei Schwestern in der Landschaft steht aber, das kann man am Modell schon sehen, wird sie eine Leichtigkeit in der Bewegung haben wie ein Baum, durch dessen Krone der Wind geht. Ein Eindruck, der nicht von ungefähr kommt: Dort, wo die Skulptur ihre Heimat finden soll, werden Kiefern ihre Nachbarn sein, 25, 30 Meter hoch, viel größer noch als die schlanken, nach oben strebenden Kunstwerke.

Seit Ostern 2018 hat Petras an dem Objekt gearbeitet. Ein Privatauftrag. Das Thema ist „Momente“. Es geht dabei auch um Kommunikation: zwischen den Stelen, von denen drei schon fertig vor seiner Werkstatt liegen, aber auch zwischen ihnen und ihrer Umgebung – und natürlich dem Betrachter. Das leichte Braun, in das sie sich bereits verfärben, ist gewollt: Der Bildhauer hat Cortenstahl verwendet, der nach einer Weile eine besondere Patina entwickelt. Sie schützt vor der Durchrostung und macht ihn witterungsbeständig.

Zum Metall sei er gekommen durch eine Ausbildung in den Werkstätten bei A. Kühn & Co in Berlin, sagt der gebürtige Potsdamer. Schon damals wollte er schweißen lernen – neben Bleistift und Papier gehören Schweißgerät, Schneidbrenner und Winkelschleifer bis heute zu seinem grundlegenden Handwerkszeug.

Mit ihm schneidet Petras aus Stahlplatten seine Ideen und umbaut damit „den nicht sichtbaren Raum“, das „Nichts“, wie er es selbst formuliert.  Natürlich, sagt er, habe er es auch mit Holz und Stein versucht, aber: „Eine Skulptur aus einem Block herauszuarbeiten – das ist etwas völlig anderes.“

Den passenden Ort für seine Arbeit hat Petras in Neuenhagen (Märkisch Oderland) gefunden. Schon 1987, gleich nach seinem Studium an der Kunsthochschule Berlin und der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle, richtete er dort in einer ehemaligen Schmiede sein Atelier ein. Hinter den raumgreifenden Fensterfronten entstehen nun seine großen und kleinen Skulpturen – nicht nur aus Stahl, auch aus Bronze, Aluminium, Messing, Kupfer und Edelstahl.

Immer zu bestimmten Themen, die den Bildhauer beschäftigen und mit denen er sich dann über eine längere Zeit auseinandersetzt. Würfel und Quadrat zum Beispiel: Zu denen, erzählt Petras, sei er in Beirut gekommen, wo er zwischen 2009 und 2011 lebte und arbeitete. „Es war meine Reaktion auf das nahöstliche Chaos – das Quadrat vermittelt Ruhe und Orientierung im Raum.“

Der Würfel selbst hat den 63-Jährigen dann allerdings in seiner Reinform irgendwann immer weniger gereizt: Was wäre, wenn man ihn aufschnitte, die Ruhe damit wieder brechen würde? So kam Vergänglichkeit als Thema ins Spiel. Petras blättert die Würfel nun auf, verschiebt die einzelnen Rahmen, türmt sie auf oder streckt sie in die Breite, setzt sie gegeneinander, taucht sie in rote, blaue, gelbe Farbe.

Seine Formensprache bleibt dabei stets abstrakt; Petras’ Anspruch ist es, etwas durch „Beobachtung der Natur mit eigener Handschrift zu formulieren“. Auch das Thema Krokodil, mit dem er sich unlängst für ein Kunstprojekt in Venezuela beschäftigt hat, konnte er so aufs Quadrat zurückführen – in der Schuppung der Haut hat er es wiederentdeckt. Entstanden sind aus dieser Auseinandersetzung nicht nur Skulpturen, die dieses aus der Natur kommende Mosaik aufnehmen, sondern auch Bilder und Zeichnungen.

„Man kann sich lange mit der Zeichnung beschäftigen, die Möglichkeiten des Bleistiftes auf Papier reichen für ein ganzes Leben“, sagt Petras. Mehr als ein Bündel Bleistifte habe er darum auch nicht mitgenommen, als er 2014 nach Venezuela aufbrach. Dass er dort dann gleich einen Kollegen mit einer Stahlwerkstatt kennenlernte, der ihn einlud, bei sich zu arbeiten, hat er nicht absehen können.

Drei Jahre lang ist Petras in Caracas geblieben. Mit einigen Künstlern, die er dort kennenlernte, ist er immer noch freundschaftlich verbunden. Es sei eine Neugier, die ihn treibe – auch auf Menschen, begründet er seine wiederholten Aufenthalte im Ausland. Zurück in der Heimat, sehe man umso mehr, „wie gut wir es in Deutschland haben, wie frei wir sind“. Seine Werkstatt in Neuenhagen ist für den Künstler, der mittlerweile wieder in Berlin lebt, dabei zu einem besonderen Stück Heimat geworden. „Sie ist Grundlage meiner Arbeit“, sagt er. Und: „Ich kehre immer wieder hierher zurück.“

Ausschreibung

Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden zur Beteiligung am Brandenburgischen Kunstpreis 2019 ein. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke. Prämiert werden Werke der Malerei, Grafik, (Klein-)Plastik sowie Fotografie. Den 2019 zum zweiten Mal vergebenen Preis für Fotografie stiftet die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler, die im Land Brandenburg leben oder arbeiten. Die Anzahl der Einreichungen ist auf ein Werk begrenzt, das aus mehreren Teilen bestehen kann und in den vergangenen zwölf Monaten entstanden ist.

Die Bewerbung erfolgt mit der Übermittlung einer digitalisierten Abbildung, die die Arbeit in einer Qualität zeigt, die für eine gedruckte Veröffentlichung geeignet ist (Auflösung mindestens 300 dpi als jpg- bzw. tiff-Datei vorzugsweise als E-Mail oder CD). Eine unabhängige Jury trifft aus diesen Einreichungen eine Auswahl für die Vergabe der dotierten Preise und eine damit verbundene Ausstellung in Neuhardenberg. Die Künstlerinnen und Künstler der so ermittelten Arbeiten werden danach eingeladen, die Originalwerke einzureichen.  Die Werke sollten die Maße von 200 mal 130 Zentimetern nicht überschreiten. Skulpturen müssen physisch von einer Person bewegt werden können. Im Bereich Fotografie sind maximal drei gerahmte Arbeiten, Maße maximal 100 mal 100 Zentimeter, einzureichen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Deshalb gehören zu den Bewerbungsunterlagen eine Vita in digitalisierter Form und ein Porträtfoto (Auflösung mindestens 300 dpi) sowie Angaben zum eingereichten Werk inklusive Versicherungssumme. Die Preisverleihung mit anschließender Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, dem 23. Juni, 12 Uhr, auf Schloss Neuhardenberg statt.

Einreichungsschluss für die digitale Bewerbung ist am 1. März 2019, per E-Mail unter kunstpreis@moz.de oder per Post, Märkisches Medienhaus, Kunstpreis, Chefredaktion, Kellenspring 6, 15230 Frankfurt (Oder); Infos unter 0335 5530511