Schiff in Eisenhüttenstadt: Die MS Goldberg ist da – Programm auf dem Wasser startet bald

Hat in Eisenhüttenstadt angelegt: Die MS Goldberg hat am Bollwerk im Ortsteil Fürstenberg festgemacht. Dort beginnt am 3. April das Programm der Brandenburg-Tour.
Janet NeiserAm Bollwerk in Fürstenberg (Oder), dem heutigen Ortsteil von Eisenhüttenstadt, hat eine gute Bekannte festgemacht. Das jüdische Kulturschiff MS Goldberg ist zurück. Auch 2024 tourt es wieder durch Brandenburg – erster Halt ist erneut Eisenhüttenstadt. Weitere Stationen sind Frankfurt (Oder), Schwedt, Potsdam, Brandenburg an der Havel, Rathenow sowie Wittenberge, teilte das MS-Goldberg-Team mit. Bis auf eine Ausnahme ankert das Schiff jeweils fünf Tage an einem Spielort, in einer Stadt sind es zehn Tage. Die Tour soll bis zum 2. Juni laufen.
Dank einer Förderung durch die Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“ kann das Schiff zum zweiten Mal nach 2023 jüdische Kunst und Kultur in verschiedenen Städten bei freiem Eintritt präsentieren. Die Bestätigung der Förderung sei zwar erst vergangene Woche gekommen, erklärt Michaela Schramm vom MS-Goldberg-Team, aber natürlich hat man schon vorher mit den Vorbereitungen begonnen und Künstler organisiert. Denn die Resonanz im vergangenen Jahr sei sehr gut gewesen.

Über einen roten Teppich ging es 2023 zur MS Goldberg, die unter anderem am Bollwerk in Fürstenberg, einem Ortsteil von Eisenhüttenstadt festgemacht hatte.
Janet NeiserMS Goldberg: Ort der Begegnung und des Austauschs
Schon beim ersten Blick auf dieses Programm wird klar: Das Publikum darf sich freuen. Das Angebot ist breit, bekannte Namen wie Kurt Weill, Benny Goodman und Kurt Tucholsky tauchen auf. Und sogar eine Premiere steht an.
Das 67 Meter lange und 8,20 Meter breite Schiff, in dem auch Stahl von ArcelorMittal Germany steckt, möchte erneut ohne Zeigefinger aufklären und gegen Antisemitismus sowie das Vergessen und für Toleranz sowie Weitblick kämpfen. Die außergewöhnliche Kulturstätte, deren Heimathafen seit dem Jahr 2022 Berlin-Spandau ist, sieht sich als Ort der Begegnung und des Austauschs – gerade in diesen Zeiten, wo auch in Deutschland ein zunehmender Antisemitismus zu beobachten ist.
Dass das Konzept vom für die MS Goldberg verantwortlichen Verein Discover Jewish Europe aufgeht, hat sich bei der ersten Tour nicht nur in Eisenhüttenstadt gezeigt.
Fürstenwalde-Start hat nicht geklappt
Normalerweise sollte die Tour diesmal in Fürstenwalde starten, doch das hat nicht geklappt – aus vorgebrachten Gründen, die das MS-Goldberg-Team nicht wirklich nachvollziehen kann.
Die Stadt Fürstenwalde erklärte mehrere Tage nach Erscheinen dieses Beitrags ihrerseits, dass das Nicht-Ankern des Schiffes vor Ort „rein formale und keine inhaltlichen Gründe“ habe und verweist auf das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt und darauf, dass es wohl keine geeignete und zugelassene Anlegestelle für die Größenordnung gebe.
Von der Absage aus Fürstenwalde profitiert Eisenhüttenstadt, wo das Kulturschiff nun am Bollwerk im Ortsteil Fürstenberg zehn Tage Kultur und Gespräche anbieten wird. „Weil wir dieses Publikum besonders lieben“, sagt Michaela Schramm mit einem Lächeln. Sie war im vergangenen Jahr aber tatsächlich ganz begeistert vom Bollwerk und von den Menschen, die kamen – nicht nur um unterhalten zu werden, sondern um sich ernsthaft mit etwas auseinanderzusetzen.
Programm auf der MS Goldberg in Eisenhüttenstadt
Das ist das Programm auf dem Jüdischen Kulturschiff MS Goldberg, das vom 3. bis 14. April am Bollwerk Fürstenberg in Eisenhüttenstadt anlegt:
● 3.4. „Moon & Melody: Embrace the World!“ mit RoksanaVikaluk & Wolfram Spyra
● 4.4. „Giacomo Meyerbeer: La luna in ciel“ mit Andrea Chudak, Tobias Hagge, Wei Chen
● 5.4. „Boris Rosenthal & Friends: A Tribute to Benny Goodman“, Boris Rosenthal et al.
● 6.4. „Mir ist heut so nach Tamerlan. Eine Kurt-Tucholsky-Revue“ mit Julie Wolff, Judith Kessler, Max Doehlemann
● 7.4. „Lost in the Stars. Kurt Weill kurzweilig“ mit Wolff, Kessler, Bleiberg, Doehlemann
● 10.4. Cello Journey. Doehlemann Jazz Trio feat. Ramón Jaffé Ramón Jaffé; Max Doehlemann et al.
● 11.4. „Ein Ständchen für Joseph Schmidt“ mit Andrea Chudak, Tobias Hagge, Wei Chen
● 12.4. „Marx & Engels intim“ PREMIERE, mit Plessmann, Chudak, Senckel, Kessler, Doehlemann
● 13.4. „Wenn ick mal tot bin, dann mach ick, wat ick will. Hollaender-Revue“; Wolff, Kessler, Bleiberg, Doehlemann
● 14.4. „Jewish Swing. Boris Rosenthal & Friends“; Boris Rosenthal et al.
Beginn ist jeweils 19 Uhr, freier Eintritt dank Förderung der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“
Premiere von „Marx und Engels intim“
Manche Programmpunkte sind für die aktuelle Tour leicht abgeändert worden, aber nicht ganz unbekannt. Andere hingegen sind komplett neu. In Eisenhüttenstadt steht eine Premiere an. „Marx & Engels intim“ heißt es da (12.4.). „Das haben wir selber erarbeitet, gemeinsam mit Judith Kessler und Max Doehlemann, die bei uns auch ehrenamtlich mitmachen. Das ist großartig und spannend“, erzählt Michaela Schramm. Zwei Frauen würden intime Briefe von Marx und Engels vorlesen.
Auch die Hollaender-Revue „Wenn ick mal tot bin, dann mach ick, wat ick will“, sei beispielsweise neu dabei. In Frankfurt (Oder), der zweiten Station nach Eisenhüttenstadt, wird unter anderem „Jazz goes Synagogue“ zu erleben sein. In der Oderstadt wird die MS Goldberg das erste Mal festmachen – im Vorjahr hatte die Oder so wenig Wasser, dass das Goldberg-Team keine Möglichkeit hatte, dorthin zu schippern.
Auch Workshops „Meet a Rabbi“ werden angeboten
Nicht nur neue Programmpunkte, sondern auch neue Spielorte gehören zur zweiten Tour der Toleranz durch Brandenburg. Hinzugekommen sind die Städte: Potsdam, Rathenow und Wittenberge und eben das 2023 durch Naturgewalt verhinderte Frankfurt (Oder).
Neben dem Kulturprogramm bieten die Veranstalter vom Verein Discover Jewish Europe zudem die Workshops „Meet a Rabbi“ für Schüler, junge Erwachsene und alle Interessierten an, die im Austausch mit einem Rabbiner oder einer Kantorin etwas über jüdisches Leben erfahren und „vielleicht ein paar Klischees loswerden möchten“, wie es in der Ankündigung heißt.
In Eisenhüttenstadt können sich Interessierte dafür den 7. und 10. April vormerken, in Frankfurt soll es nach jetzigen Planungen der 21. April sein, in Schwedt der 26. April, in Potsdam der 10. Mai, in Rathenow der 24. Mai und in Wittenberge der 29. Mai. Michaela Schramm hofft, auf viele Besucher.

„Meet a Rabbi“ mit Jalda Rebling auf der MS Goldberg in Eisenhüttenstaadt im Oktober 2023.
Janet NeiserMan wolle mit den Veranstaltungen jüdisches Leben präsentieren – in Vergangenheit und Gegenwart, sagte Peter Sauerbaum, Intendant der MS Goldberg und Vorsitzender des Vereins Discover Jewish Europe, im vergangenen Jahr. Man wolle – wie es Schiller mal forderte – die Menschen kognitiv und emotional zu informieren und zugleich bestens zu unterhalten. Wenn das gelänge, sei man auf einem guten Weg. „Aber das Brett, was wir bohren, ist sehr dick.“



