MS Goldberg Eisenhüttenstadt: Schiff für Kultur-Fans und Schüler – auch dank ArcelorMittal

Die MS Goldberg, das jüdische Kulturschiff, hat am Bollwerk im Ortsteil Fürstenberg in Eisenhüttenstadt angelegt. Vom 26. September bis zum 4. Oktober gibt es ein tägliches Kulturprogramm, bei freiem Eintritt. Für Schüler sind Workshops im Angebot.
Janet NeiserAm Bollwerk Eisenhüttenstadt hat ein ganz besonderes Schiff angelegt. Eins, in dem nicht nur mehrere Tonnen Stahl von ArcelorMittal Germany stecken.
Mit dem 67 Meter langen und 8,20 Meter breiten Schiff wurden früher Rohstoffe wie Kies und Sand transportiert. Heute hat es Bildungs- und Kulturangebote an Bord. Das Motorgüterschiff MS Goldberg ist mittlerweile als das „Jüdische Kulturschiff MS Goldberg“ bekannt, das seit dem Jahr 2022 vor allem im Heimathafen in Berlin-Spandau Konzerte, Lesungen, Gespräche und Theater anbietet. Nun geht die MS Goldberg erstmals auf Brandenburg-Tournee.
Erste Station Eisenhüttenstadt
Eisenhüttenstadt wird dabei die erste Station sein. Vom 26. September bis zum 4. Oktober wird am Bollwerk ein buntes jüdisches Kulturprogramm mit durchaus bekannten Namen geboten – bei freiem Eintritt. Es folgen Frankfurt (Oder) (6.-15.10.), Schwedt (19.-28.10.) und Brandenburg an der Havel (2.-12.11.). Möglich geworden ist diese Brandenburg-Tour durch die Unterstützung der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“ und das Bundesprogramm „Demokratie leben“.
Aber wie kam der Kontakt nach Eisenhüttenstadt zustande? Da kommt ArcelorMittal ins Gespräch. Das Stahlunternehmen tauchte 2021 mit seinem Firmensymbol auf der Internetseite der MS Goldberg als Förderer auf.
ArcelorMittal als Förderer
„Auf Beschluss unserer Geschäftsführung haben wir das Projekt mit einer Finanzspende von 10.000 Euro und über 20 Tonnen Stahlblech unterstützt“, hieß es damals aus der Pressestelle von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH). Die für den Umbau des Schiffes verwendeten Stahltafeln bei der waren allerdings bei ArcelorMittal Bremen hergestellt worden, da dieses Stahlsortiment nicht in Eisenhüttenstadt produziert wird. „Unser Unternehmen steht für Toleranz und Vielfalt, von daher haben wir das Projekt sehr gern unterstützt“, sagt AMEH-Arbeitsdirektor Michael Bach, der sich freut, dass die Goldberg nun auch in Eisenhüttenstadt anlegt.
In dem früheren Frachtraum des Schiffes befinden sich nun die Bühne und der Sitzbereich für 160 Personen.
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zeigte sich bereits vor der Fertigstellung des Schiffes überzeugt von dem Projekt: „Das Konzept des Theaterschiffes besticht in mehrfacher Hinsicht“, erklärte er in einem Empfehlungsschreiben. „Ein Theaterschiff, das sich auf ein jüdisches Repertoire spezialisiert, gibt es noch nicht. [...] Das Theaterschiff ist zudem mobil und kann auch Städte ansteuern, die ansonsten kaum Möglichkeiten für entsprechende Aufführungen hätten.“
Buntes Programm am Bollwerk
So wie nun in Eisenhüttenstadt. Das Kulturangebot geht in den Abendstunden los. Nur einmal ist schon Start um 17 Uhr, und zwar am 28. September, wenn Andrej Hermlin und The Swingin‘ Hermlins mit „Jews in Jazz“ auftreten. Da wird Musik von Gershwin bis Kern, und von Goodman bis Shaw erklingen.
An allen anderen Tagen starten die musikalischen und poetischen Veranstaltungen um 19 Uhr. Da wird der Schauspieler und Sänger Karsten Troyke (26.9.) seine Lieblingslieder präsentieren, die bei vielen längst in Vergessenheit geraten sind.
Judith Kessler und Jan Gerdes stellen die zeitlosen Verse von Mascha Kaléko (1907-1975) vor (27.9.), die das Leben der Dichterin widerspiegeln, das sinnbildlich für Diaspora, für Entwurzelung und erzwungene Heimatlosigkeit steht.
Von Chanson und Jazz bis Briefdrama
Jeannette Urzendowsky und Pianist Harry Ermer wagen mit Chanson-Nette den Spagat zwischen Chanson und Jazz (29.9.). Jazz war um 1900 aus den USA nach Europa geschwappt. Und Kabarett und Chanson hatten in den 1920er- und 30er-Jahren ihre große Zeit. Urzendowsky und Ermer erinnern an Künstler, deren Werke die Nationalsozialisten auslöschen wollten.
Bei Axel Pape und Rainer Appel heißt es „Empfänger unbekannt“ (30.9.). In dem Briefdrama geht es um die Freunde Max und Martin, die in San Francisco eine Kunstgalerie betreiben – bis Martin 1932 nach Deutschland zurückkehrt. Dort sucht eine junge Jüdin Zuflucht bei Martin, der sie abweist und damit ein Drama auslöst. Denn bei der jungen Frau handelt es sich um Max‘ Schwester.
Porträt der Weimarer Republik
Dann steht noch die DokuRevue „Höchste Eisenbahn“ auf dem Programm (1.10.), die ein vielschichtiges Porträt der Weimarer Republik entstehen lässt. Für den Gesang sorgt der Schauspieler Ben Zimmermann, der von Mark Neill am Klavier begleitet wird.
Programm und Workshops auf der MS Goldberg
Das ist das Programm auf dem Jüdischen Kulturschiff MS Goldberg, das vom 26. September bis 4. Oktober in Eisenhüttenstadt:
● 26.9. „Troykes Lieblingslieder“ mit Karsten Troyke;
● 27.9. „Mascha Kaléko. Schön war die Fremde...“ – musikalische Lesung mit Judith Kessler, Jan Gerdes;
● 28.9. „Jews in Jazz“ mit Andrej Hermlin und The Swingin’ Hermlins;
● 29.9. „Chanson meets Jazz“ mit Jeannette Urzendowsky, Harry Ermer;
● 30.9. „Empfänger unbekannt“. Briefdrama mit Axel Pape, Rainer Appel;
● 1.10. „Höchste Eisenbahn“., eine DokuRevue mit Ben Zimmerman, Mark McNeill;
● 2.10. „Vor allem eins: Dir selbst sei treu“ – Comic-Konzert mit Itay Dvori;
● 3.10. „Tanzcafé Theresienstadt“ mit Hartmut Behrsing, Jörg Thieme, Wolfgang Korb;
● 4.10. „Embrace the world!“ mit dem Duo Moon & Melody
Der Eintritt ist frei.
● Workshops für Schüler „Meet a Rabbi“ am 28. September, 14 Uhr, und am 2. Oktober, 15 Uhr. Auch da ist der Eintritt frei.
Unter dem Titel „Vor allem eins: Dir selbst sei treu“ präsentiert der Komponist und Pianist Itay Dvoris (2.10.) Klaviermusik zu „Graphic Biographies“ von fünf bedeutenden deutsch-jüdischen Frauen des 20. Jahrhunderts: die Philosophin Hannah Arendt, die erste Rabbinerin Regina Jonas, die Mathematikerin Emmy Noether, die Dichterin Mascha Kaléko sowie die Schauspielerin Hanna Maron.
„Tanzcafé Theresienstadt“ (3.10.) ist ein poetisch-musikalisches Gedenken. Das Programm thematisiert das Konzentrationslager Theresienstadt, in dem im Zweiten Weltkrieg gezielt jüdische Künstler und Wissenschaftler mit ihren Kindern interniert und von dort in Vernichtungslager deportiert wurden. Etwa 33.000 starben in Theresienstadt.
Austausch mit Rabbiner möglich
Hartmut Behrsing hat für den Abend Texte von Ilse Weber vertont, sowie weitere von Manfred Karge und Itzik Manger. Sie werden von dem Schauspieler Jörg Thieme gesungen oder rezitiert und am Klavier begleitet vom Komponisten.
Traditionelles jüdisches Liedgut trifft am Final-Abend „Embrace the World!“ (4.10.) auf Musik der Gegenwart. Es erklingen Melodien zu Gedichten, Volkslieder, Gebete und Eigenkompositionen – arrangiert und interpretiert vom Duo „Moon & Melody“.
Neben dem Kulturprogramm planen die Veranstalter vom Verein Discover Jewish Europe in Eisenhüttenstadt zwei Tage unter dem Motto „Meet a Rabbi“ (dt. Triff einen Rabbi). An denen seien speziell auch Schüler eingeladen. Diese könnten auf dem Schiff in einen Austausch mit einem Rabbiner oder einer Rabbinerin treten und etwas über jüdisches Leben erfahren. Am 28. September, 14 Uhr, und am 2. Oktober, 15 Uhr, werden für die Schüler extra Workshops angeboten. Diese erhalten dort Einblicke in die Sitten und Gebräuche des Judentums. Auch Eltern sind willkommen.
„Besonders ist nicht nur der Veranstaltungsort, ein Schiff als jüdisch ausgerichteter Kultur- und Begegnungsort, sondern vor allem auch der direkte persönliche Kontakt mit einem Rabbiner oder einer Rabbinerin sowie die musikalische Vermittlung von Glaubensinhalten durch einen Chasan, der wie der Kantor im Christentum die Rolle des musikalischen Leiters im Gottesdienst einnimmt“, informiert Michaela Schramm vom Goldberg-Team. Die Schüler können Fragen stellen und mit dem Rabbiner oder der Rabbinerin ins Gespräch kommen. Die Veranstaltungen dauern jeweils 1 bis 1,5 Stunden. Der Besuch ist kostenfrei.
Eine frühere Version dieses Beitrags vor dem Anlegen des Schiffes und vor den genauen Daten der Workshops war bereits am 22. September veröffentlicht worden. Der erste Artikel wurde aktualisiert und erweitert.





Die rechte Hetze und die Bedrohung einer Person am Platz der Jugend in Eisenhüttenstadt sind mehr als nur abstoßend. Aber bei der Behandlung dieser Straftaten läuft auch etwas schief.