No zum Brexit
: Rapper Loyle Carner sendet klare Worte an Boris Johnson

Der britische Rapper Loyle Carner hat in Berlin am Wahlabend in Groß Britannien eine klare Botschaft an Boris Johnson gesendet.
Von
Katrin Hartmann
Berlin
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Klare Worte: Rapper Loyle Carner im Berliner Kulturhaus Astra

Kamil Janus

Die Familie — Dauerthema in seinen Rhymes

Hinter dem sympathischen jungen Mann aus Südlondon prangt das Emblem eines roten Fußballtrikots mit der Nummer 7. Eine Hommage an seinen 2014 plötzlich verstorbenen Stiefvater, der Fan des großen Eric Cantona war, Fußballspieler bei Manchester United in den 1990er–Jahren.

Familie — das ist eines von Loyle Carners Hauptthemen. In den Songs „Desoleil“ und „Dear Jean“ von seinem zweiten, aktuellen Album „Not Waving, But Drowning“ bringt er sanfte Beats und einfühlsame Texte in die Lautsprecher.

In seiner „favourite city“ Berlin habe er schon viele gute Abende verbracht, erzählt er. "Germany is a special place for music — Deutschland ist ein besonderer Ort, um Musik zu machen“. Lebte seine Mutter Jean nicht in London, würde er sich das mit dem Wohnort nochmal überlegen.

Seit mehr als zwei Jahren hält der Brite — mit Geburtsnamen Benjamin Coyle Larner — die europäische und internationale Rap–Szene mit seiner Spoken–Word–Poesie in Atem. 2017 war „Yesterday’s gone“ sein Debüt und wurde zum internationalen Erfolg. Auf die Chorhymne „Isle of Arran“, auf „Stars & Shards“ und „The Seamstress“ verzichtet er bei seinem Auftritt in Berlin deshalb nicht.

In den Songs richtet der junge Künstler seine Stimme nicht nur an seine Mutter, sondern auch an den Rest der Familie: seinen Bruder, seinen Vater, seine Großmutter. Der Rapper feiert die Familie, weil er durch Tod und Trennung erlebt hat, wie brüchig sie sein kann. Ihn plagen Selbstzweifel in seiner neuen männlichen Familienrolle. Auch auf „Not Waving, But Drowning“ gibt er diese Verletzlichkeit preis.

Mit Straßenslang haben seine Raps wenig zu tun. Für Loyle Carner ist Hip–Hop etwas für Gleichgesinnte, ein gesicherter Raum das Innerste nach außen zu kehren.

Eine Stimme, die stärker ist als der Brexit

Neben dem Brexit lässt ihn an diesem Abend vor allem die Frage nach der Identität nicht los. Wer ist er eigentlich, aus diesem Schmelztiegel London in einem Land, welches sich politisch vom Rest Europas trennen will? In „Looking back“ bekennt er: „It fucking hurts if you don`t know your worth — Es tut verdammt weh, wenn du deinen eigenen Wert nicht kennst“ und spielt damit auch auf die Flüchtlingsdebatte in Europa an.

Loyle Carner zeigt: Er ist alles andere als konservativ. Europa und der Welt steht er offen gegenüber. Er hat Wurzeln, die bis nach Guyana reichen. Seine Stimme ist an diesem Abend zwar angeschlagen, aber sein Sanftmut ist stärker als alles, was vom britischen Premier Boris Johnson nach Europa schallt.