Von Wechselbädern der Wettergefühle kann die Kammeroper Schloss Rheinsberg mehr als nur ein Lied oder eine Arie singen. Fiel gleich zu Beginn der Saison ein Lustwandeln „Mit Beethoven in Arkadien“ regelrecht ins Wasser, musste die Premiere von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ wegen zu kühler Temperaturen für die Instrumentalisten vorzeitig abgebrochen werden. Würde nun das erneute Open-Air-Wagnis mit der Premiere von Bedrich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ am Sonnabend ohne himmlische Fremdeinwirkungen über die Bühne im Heckentheater gehen können? Einen sommerwarmen und wolkenfreien Abend hatten die Meteorologen dem Veranstalter geweissagt. Die Besucher im anheimelnden amphitheatralischen Rund werden nicht enttäuscht.
Dorffest mit Maibaum im Heckentheater
Um ein böhmisch-ländliches Dorffest in Szene zu setzen, ist das Heckentheater als solches schon die halbe Miete zum Erfolg. Für jenes dörfliche Flair genügt dem Bühnenbildner Karel Spanhak ein hölzernes, zweistufiges Spielpodest mit einem stilisierten, bänderbunt geschmückten Maibaum. Dagegen hat er die Darsteller in folkloristisch inspirierte Kostüme gesteckt. Und im Graben haben erstmals die Berliner Symphoniker ihren Spielplatz gefunden, die unter dem zupackenden Dirigat von Hansjörg Schellenberger alles das an spannungsreicher Leidenschaft und liebesinnigen Offenbarungen überzeugend entstehen lassen, was die ziemlich belanglose Inszenierung von Frank Matthus auf der Bühne nicht vorzeigt.
Flott und präzise im Zusammenspiel gerät dem Orchester bereits die Ouvertüre und die sehr differenzierte, anspornende Begleitung der durchweg sehr textverständlich in Deutsch singenden internationalen Gesangspreisträger der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Allerdings wirken die Streicher durch die tontechnische Verstärkung ziemlich blechern und zirpelig. Doch allmählich haben sich die Ohren daran gewöhnt. Und mit dem stimmlich und spielerisch wenig überzeugenden Apollo-Chor an der Staatsoper Unter den Linden und seinem vorwiegenden Rampensingen lässt sich kaum musiktheatralischer Staat machen. Da sorgen die Tänzerinnen und Tänzer mit ihren effektvoll von Ralph Frey choreografierten Tanz- und Akrobatikeinlagen für reizvolle Seh-Erlebnisse.

Franziska Roggenbuck begeistert als Marie

Als verkaufte Braut Marie weiß sich Franziska Roggenbuck mit ihrem lyrischen Sopran nicht nur pianissimolieblich, sondern auch dramatisch toll in Szene zu setzen, wenn sie gegen den mit ihr geplanten Heiratshandel ankämpft. Dass die Sängerin zudem auch Schauspielunterricht nimmt, merkt man ihrer glaubhaften Rollengestaltung an. Als Hans, der aus Liebeslist gegen intolerante Eltern ihren Scheinverkauf inszeniert, offenbart der irische Tenor Dominic Stewart alle Facetten der vielschichtigen Figur. Nicht weniger faszinierend gestaltet der witzig agierende niederländische Tenorbuffo Pascal Franssen den Stotter-Wenzel. Etwas mehr buffoneske Zutaten hätte man dagegen Peter Fabig als Heiratsvermittler Kezal gewünscht. Doch Ende gut alles gut: Hans kriegt seine Marie, Wenzel seine Zirkus-Eroberung Esmeralda (Anna Graf). Anhaltender Bravojubel.
Weitere Aufführungen: 2.,3.,5.,6.,10.,12.,13. August, Schloss Rheinsberg, Heckentheater, Karten unter kammeroper-schloss-rheinsberg.de