Oper in Rheinsberg
: 250 Jahre Schlosstheater – was steht auf dem Programm?

InterviewOsterfestspiele und Festivalsommer - die Kammeroper Rheinsberg ist ein beliebter Ort für Opernfans. Was 2024 geboten wird, erklären die Organisatoren im Interview.
Von
Christina Tilmann
Rheinsberg
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Feiert in diesem Jahr 250. Jubiläum: Das Schlosstheater in Rheinsberg

Uwe Hauth

Herr Beenken. In der Programmvorstellung heißt es, die Kammeroper wäre wirtschaftlich gesund. Das ist für Sie als Geschäftsführer nach einem Jahr Amtszeit eine schöne Bilanz. Wie ist das gelungen?

Beenken: Indem wir alle Geschäftsbereiche des Hauses ausgebaut haben. Da ist zuallererst das Belegungsgeschäft unseres Hauses, in dem wir Amateurmusikensembles Raum zu gemeinsamer Arbeit und Proben geben – hier haben wir die Zahl der Übernachtungen um 40 Prozent erhöht. Das Schlosstheater-Geschäft, wo es unser Ziel ist, eine Veranstaltung pro Woche zu haben, auch über Gastspiele anderer Häuser wie die Uckermärkischen Bühnen in Schwedt, führen wir an das alte Niveau heran. Da ist noch einiges Potential, gerade zur Weihnachtszeit. Bei der Kammeroper haben wir eine Menge getan in Bezug auf Marketing und eine Optimierung in der Bewerbung. Das hat die Ticketumsätze gesteigert. Und zu guter Letzt: Wir haben 2023 insgesamt 260.000 Euro an Fördermitteln eingeworben.

Leitet seit einem Jahr die Musikkultur Rheinsberg als Geschäftsführer: Dirk Beenken

MKR

Es gab in Rheinsberg zuletzt hässliche Schlagzeilen um das Tucholsky-Museum. Betreffen die Sparpläne der Stadt Sie auch?

Beenken: Haushalterisch sind wir davon nicht betroffen. Die Stadt Rheinsberg ist ein Gesellschafter, der einen Beitrag leistet, aber der Bund, der Landkreis und das Land tragen den weitaus größten Teil an unserem Haushalt. Hinzu kommen Förderer wie die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die uns schon immer wohlwollend gefördert hat und die Summe zum Jubiläum nochmals erhöht hat.

Quander: Auch ich bin sehr glücklich darüber, dass wir auf gesunden Füßen stehen. Gleichwohl sind unsere Mittel nach wie vor sehr knapp bemessen. Normalerweise würden wir im Sommer wenigstens zwei Produktionen machen. In diesem Jahr haben wir eine Opernproduktion, „Iphigenie in Aulis“, die übernehmen wir von den Osterfestspielen, die zweite Produktion ist eine halbszenische Aufführung.

Warum ausgerechnet Glucks „Iphigenie“?

Quander: 2024 ist das 250. Jubiläum des Schlosstheaters. Prinz Heinrich war ein großer Fan von Gluck. „Iphigenie in Aulis“ bietet sich an, weil sie 1774 aufgeführt wurde, im Eröffnungsjahr des Theaters. Es ist ein Stück, das von Heinrich geliebt wurde. Ich versuche eigentlich immer, etwas zu machen, was in unserem Einzugsgebiet nicht alltäglich ist. Und „Iphigenie“, man glaubt es nicht, ist seit über 30 Jahren in Berlin und im näheren Umland nicht mehr gespielt worden. Die letzte Produktion wurde 1992 zum letzten Mal an der Staatsoper gegeben. Also es ist ein bedeutendes Stück, das es verdient, mal wieder auf die Bühne gestellt zu werden.

Sie spielen die Oper zu Ostern im Schlosstheater und im Sommer im Heckentheater – macht das einen Unterschied?

Quander: Mir war es wichtig, dass wir wieder das Heckentheater bespielen, weil das Publikum es liebt und weil es das zweite Theater ist, das Heinrich im Schlossareal errichtet hat. Aber das Heckentheater hat natürlich eine andere Dimension, die Bühne ist dreimal so lang wie im Schlosstheater. Das Schlosstheater ist intimer, mehr ein Kammerspiel, was zu dem Stück sehr gut passt. Aber die Iphigenie hat eben auch die großen Staatsauftritte und die Ballettszenen, die im Heckentheater bestimmt gut wirken.

Immer beliebt: das Heckentheater in Rheinsberg. Es wird auch 2024 wieder bespielt - mit Glucks "Iphigenie in Aulis"

uwe hauth

Haben Sie keine Sorge, dass sich die beiden Orte gegenseitig Konkurrenz machen, also die Besucher lieber auf den Sommer warten und Ostern nicht kommen?

Quander: Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass das Publikum Ostern und im Sommer nicht identisch ist. Im Übrigen sind es alles in allem acht Vorstellungen, das ist eigentlich unser normales Pensum. Ostern hat durch die thematische Konzentrierung auf die Zeit von Prinz Heinrich einen ganz anderen Charakter, und wir haben tatsächlich Kunden, die das gesamte Festival mitnehmen.

Osterfestspiele Schloss Rheinsberg

Die Osterfestspiele starten am 27. März mit einem Festvortrag von Ulrike Liedtke zum „Theater des Prinzen Heinrich“. Am Gründonnerstag (28.3.) gibt es ein Osterkonzert „O Haupt voll Blut und Wunden“ mit dem Ensemble Kolorit in der Kirche St. Laurentius. Als Oper steht „Iphigenie in Aulis“ von Christoph Willibald Gluck am 29. und 31.3. auf dem Programm. Am Ostersamstag gibt es eine Szenische Lesung römischer Komödien von Plautus und Terenz. Karten (auch Pakete möglich) unter www.osterfestspiele-schloss-rheinsberg.de oder info@tourist-information-rheinsberg.de

Beenken: Wir haben 2023 eine Besucherbefragung gemacht. Die hat ergeben, dass an Ostern 70 Prozent der Zuschauer aus Berlin kommen, im Sommer nur noch 30 Prozent. Ostern und Sommer haben also unterschiedliche Zielgruppen.

Was kam denn bei der Besucherbefragung noch heraus?

Beenken: Ich formuliere mal ganz grob zusammenfassend, die Kammeroper im Sommer ist ein Festival des Ostens. Wenn wir Berlin dazunehmen, kommen 90 Prozent des Publikums aus den fünf neuen Bundesländern, und knapp ein Drittel waren Neukunden. Natürlich sind das überwiegend ältere Semester, vor allem die Stammkunden. Außerdem wird vermisst, dass Rheinsberg nach den Veranstaltungen gastronomisch kaum etwas anzubieten hat. Nach zehn Uhr abends gibt es kaum die Möglichkeit, den Abend bei einem guten Getränk und einem Imbiss ausklingen zu lassen.

Wird darüber nachgedacht, beim Catering mehr zu bieten, vielleicht Picknickkörbe?

Beenken: Auf jeden Fall gibt es da Handlungsbedarf. Wir sind dran und wollen im idealen Fall eine lokale Lösung mit der Gastronomie in Rheinsberg.

Vielleicht noch einen Picknickkorb für die Opernpause? Im Bereich Catering ist noch Handlungsbedarf, meint Dirk Beenken

Uwe Hauth

Herr Quander. Sie haben mit den Opern „Iphigenie in Aulis“ und „Dido“ den trojanischen Krieg gleich doppelt im Programm. Hatten Sie auch die Aktualität des Kriegs im Blick?

Quander: Der trojanische Krieg ist der erste überlieferte Vernichtungskrieg im europäischen Raum. Und das Erschütternde ist, dass die Menschen nichts daraus gelernt haben über die Jahrhunderte. Das schlägt den Bogen auch wieder zur Historie. Das Schlosstheater ist eröffnet worden einige Jahre nach Ende des Siebenjährigen Krieges. Prinz Heinrich war mehr als die Hälfte seines Lebens im Feld. Das war für ihn ein brennendes Thema und das gilt für uns heute ganz genauso.

Wie thematisieren Sie den Krieg?

Quander: Wir werden den Stummfilm „Helena. Der Untergang Trojas“ von 1924 im Heckentheater zeigen und live mit Musik begleiten. Es ist ein monumentaler Zweiteiler, der die gesamte Geschichte des trojanischen Krieges nacherzählt – wir zeigen die beiden Filme jeweils an einem Abend.

Sie hätten auch den Film „Troja“ von Wolfgang Petersen zeigen und damit ein jüngeres Publikum anlocken können…

Quander: Den Film von Petersen kann man jederzeit sehen, als Streaming oder Video. Ich glaube, es ist nicht unsere Aufgabe als Kultureinrichtung, einen kommerziellen Film zu zeigen.

Können Sie noch drei Takte zur Oper „Dido“ sagen?

Quander: Es ist eine wunderbare, kraftvolle, sehr melodiöse Musik. Die Oper ist im Grunde eine Dreiecksgeschichte, ein Kammerspiel, das man in einer halb szenischen Lösung sehr schön machen kann. Aber ich verspreche allen, die kommen, das wird ein Erlebnis, das sie nicht vergessen werden.

Magischer Ort: der Schlosshof Rheinsberg ist jedes Jahr Schauplatz der Operngala. Auch die Oper „Dido“ wird dort dieses Jahr in halbszenischer Form gegeben.

Leo Seidel

Herr Beenken, wie steht es um die Sichtbarkeit der anderen Programmbereiche neben der Kammeroper?

Beenken: Mittlerweile generieren wir 40 Prozent des Umsatzes aus diesem anderen Geschäft. Das wollen wir ausbauen, z.B. im Schlosstheater durch ein niedrigschwelligeres, auf andere Zielgruppen ausgelegtes Programm und Veranstaltungen speziell für Kinder und Jugendliche.

Wäre es denkbar, das Schlosstheater noch mehr der Stadt zur Verfügung zu stellen, wie es zuletzt bei der Diskussionsveranstaltung über das Tucholsky-Museum geschehen ist?

Beenken: Wir haben bei dieser Podiumsdiskussion wieder gesehen, wie attraktiv und wichtig das Schlosstheater als Vernetzungsort und Leuchtturm der Kultur in Rheinsberg ist. Unsere Rolle als lokaler Partner der Kulturtreibenden ist wichtig für uns, wir wollen das auf jeden Fall ausbauen.

Herr Quander, in zwei Jahren wird der 300. Geburtstag von Prinz Heinrich begangen. Werden Sie den noch als Künstlerischer Leiter mitbetreuen?

Quander: Mein aktueller Vertrag läuft bis 2025 und Herr Beenken und ich haben uns verabredet, dass wir vor dem Sommer entscheiden, ob wir weiter miteinander arbeiten wollen. Ich würde dieses Jubiläum gerne noch mitgestalten. Prinz Heinrich kann aber nicht ausschließlich ein Rheinsberger Thema sein, er hat ja mehr als die Hälfte des Jahres in Berlin zugebracht. Eigentlich hatten wir uns schon in diesem Jahr zum Schlosstheater-Jubiläum eine Ausstellung gewünscht, auf die wir dann verzichten mussten, weil wir das Geld nicht zusammenbekommen haben. Ich denke, Prinz Heinrich ist ein Thema, das eine Ausstellung erfordert, und das geht über unsere Kräfte hinaus.

Verantwortet seit 2018 die künstlerische Leitung der Kammeroper und Musikakademie Rheinsberg und würde gern noch weitermachen: Georg Quander

Ralf Hirschberger/dpa

Beenken: Wir sind intensiv in Dialog mit dem Land. Wir wissen, dass das Land uns aufgefordert hat was das Jubiläum angeht, frei von aktuellen Budgetvorgaben zu denken, was ein gutes Signal ist. Aber das ist nicht nur ein Thema für uns, sondern auch für die Stadt, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und Berlin, um diesem „großen Preußen“ gerecht zu werden.

Festivalsommer 2024 in Rheinsberg

Vom 22. Juni bis 31. August 2024 lädt die Kammeroper Schloss Rheinsberg zum Internationalen Festival junger Opernsänger und -sängerinnen: Bei insgesamt 23 Opernaufführungen und Konzerten sind die Opernstars von morgen zu erleben. Neben Schlosstheater und Schlosshof wird das beliebte Heckentheater wieder bespielt. Hier wird ab 6. Juli Christoph Willibald Glucks Oper „Iphigenie in Aulis“ gegeben. Niccolò Piccinnis „Dido - Königin von Karthago“ ist ab 25. Juli die zweite Opernaufführungs-Serie des Festivalsommers. Als Gastspiel gibt das Opera Collective Ireland an drei Abenden die beiden Kurzopern »Dido and Aeneas« von Henry Purcell sowie »Venus and Adonis« von John Blow im Doppelpack. Den Abschluss des Festivalsommers bildet am 30. und 31.8. eine Produktion der Bundesakademie für junges Musiktheater mit drei Einaktern von Jacques Offenbach: »L'île de Tulipatan«, »Le Mariage aux Lanternes«, »Le Soldat magicien«.

Der Auftakt des Festivalsommers 2024 findet am 22. Juni im Rahmen der Festlichen Eröffnung des 250. Jubiläums des Schlosstheaters bei freiem Eintritt statt. Musik aus der Zeit der Theatereröffnung ist bei Gala-Solorecital mit Vivica Genaux am 20. Juli zu erleben. Außerdem gibt es Konzerte der Liedklasse von Carolin Masur sowie der Meisterklasse von Hanno Müller-Brachmann und drei Operngalas mit dem Brandenburgischen Staatsorchester unter der Leitung von Azis Sadikovic. Im zum Freiluftkino verwandelten Heckentheater wird es den Stummfilmklassiker „Helena. Der Untergang Trojas“ von 1924 mit Livemusik des Rheinsberger Residenzensembles der neuen Musik KYMATIC geben, und mit „Jazz Fetz“ findet auch wieder der traditionsreiche Big Band Gig von Big Brass unter der Leitung von Harald Bölk statt.

Programminfos und Tickets unter kammeroper-schloss-rheinsberg.de