PA69 in Brandenburg
: Geschafft! Rapper holen den Weltrekord in den Speckgürtel

Der „Biertornado“ hat sich einmal von Erkner bis Schönefeld gedreht. Die Rapper von PA69 haben mit einer XXL-Tour einen Weltrekord aufgestellt. Fast hätte die Polizei noch den Sieg verhindert.
Von
Till Eichenauer
Erkner
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Die Rapper von PA69 auf der Ladefläche ihrer mobilen Bühne auf dem Mediamarkt Parkplatz in Schönefeld. Die „Tour de Speckgürtel“ soll nach 16 Konzerten heute Nacht in Berlin enden.

Die Rapper von PA69 auf der Ladefläche ihrer mobilen Bühne auf dem Mediamarkt Parkplatz in Schönefeld. Die „Tour de Speckgürtel“ endete nach 16 Konzerten in Berlin.

Till Eichenauer
  • Rap-Crew PA69 startet mit 16 Konzerten an einem Tag Rekordversuch im Berliner Speckgürtel.
  • Tour begann frühmorgens in Erkner, Abschluss um Mitternacht in Berlin geplant.
  • Fans feiern Hits wie „Biertornado“ – 16 Standorte von Tankstellen bis Bibliotheken.
  • PA69 positioniert sich klar gegen Rechtsextremismus, Fans schätzen Engagement.
  • Weltrekord von mehr als 15 Konzerten an einem Tag könnte gebrochen werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Samstagmorgen um 7.20 rennen 50 junge Menschen im Kreis und grölen „Bier, Bier, Biertornado!“ Die Szene spielt nicht auf einem Festival, sondern auf dem Parkplatz vor der Stadthalle in Erkner. Der Sound zu diesem eigenartigen Ritual kommt von einem Lkw mit großen Boxen direkt daneben. Obendrauf stehen drei Männer in rosa Skimasken und feuern die Menge an. Das ist die Rap-Crew „PA69“.

Der Biertornado wird heut noch oft getanzt, denn die drei Skimasken-Männer wollen einen Weltrekord aufstellen: 16 Konzerte an 16 Orten sollen es werden. Also einen mehr als den aktuellen Rekord von 15 des britischen Sängers Frank Turner. Alle Konzerte sollen rund um Berlin stattfinden, etwa vor der Aral-Tankstelle in Hoppegarten, vor der Stadtbibliothek in Hennigsdorf oder dem Mediamarkt-Parkplatz in Schönefeld – es ist die große „Tour de Speckgürtel“.

Dass das Konzept am frühen Morgen so gut zieht, scheint selbst die drei Rapper zu überraschen. Die irre Konzert-Tour hatten die drei Musiker kurzfristig erst am Dienstag auf Instagram angekündigt. Die Fans scheinen aber keinen langen Vorlauf zu brauchen. Beim ersten Konzert in Erkner stehen pünktlich um 7 schon über 100 Menschen vor dem Party-Lkw.

PA69 – Party auf dem Tankstellen-Parkplatz

Die Rapper PA69 versuchen den Weltrekord: 16 Konzerte in 24 Stunden rund um Berlin bei ihrer "Tour de Speckgürtel"

Die Rapper PA69 an der Araltankstelle in Hoppegarten bei ihrem vierten Konzert.

Till Eichenauer

Die Künstler auf der Ladefläche des Lasters haben sichtlich Lust auf die XXL-Kurz-Tour, wissen aber selbst noch nicht, was sie an diesem Tag erwarten wird:  „Wir müssen schauen, dass das auch ordentlich scheppert, zumindest bis die Freunde in Blau uns gleich hier runterwerfen“, sagt einer der Sänger und deutet auf ein Polizeiauto, das in sicherem Abstand zum Spektakel auf dem Parkplatz in Erkner vorgefahren ist.

Die Hits von PA69: Tropical Island und Biertornado

Nach der ersten Ansage kommen direkt die Hits der Band wie „Tropical Island“ („Ich lieg' besoffen am Beach, ohne weit wegzufahren“) oder eben ihr großer Hit der „Biertornado“ (“Alle Atzen bouncen, bin der King von Rom bis Königs Wusterhausen“). Das junge Publikum kennt jedes Lied von vorne bis hinten und singt beherzt mit.

Alle 16 Stopps der „Tour de Speckgürtel“ von PA69

7 Uhr Erkner – Stadthalle

8 Uhr Petershagen – Parkplatz S-Petershagen Nord

9 Uhr Neuenhagen– Parkplatz S-Neuenhagen 1

10 Uhr Hoppegarten – ARAL Tankstelle

11 Uhr Schwanebeck – Schotterplatz Bernauer Chaussee

12 Uhr Mühlenbeck – Mühlenbecker Chaussee

13 Uhr Velten – Skatepark

15 Uhr Hennigsdorf – Stadtbibliothek

16.15 Uhr Falkensee – Parkplatz Bahnhof Seegefeld

17.15 Potsdam – Freiland

18.30 Teltow – Stadthafen

20 Uhr Großbeeren – Magix Wasserski-Lift

21 Uhr Mahlow – S-Bahnhof Mahlow

22 Uhr Rangsdorf – Netto-Parkplatz

22.45 Uhr Schönefeld – Mediamarkt-Parkplatz

24 Uhr Berlin – Abschlusskonzert im Bi Nuu

Nach drei Liedern und einigen stimmungsvollen Ansagen ist es auch schon wieder vorbei. Die drei Sänger hüpfen in ein Auto und der Bühnen-Laster braust los zur nächsten Station: der Parkplatz am S-Bahnhof Petershagen Nord. Hier warten auch schon die Fans mit jeder Menge Bier und guter Laune auf die Rapper. Wieder werden drei bis vier Hits gespielt und der Biertornado getanzt. Kurze Ansage: „Bitte alle die leeren Flaschen einpacken!“

Die Rapper PA69 versuchen den Weltrekord: 16 Konzerte in 24 Stunden rund um Berlin bei ihrer "Tour de Speckgürtel"

Die Rapper von PA69 scheinen keine Berührungsängste mit ihren Fans zu kennen. Das kommt gut an.

Till Eichenauer

Und weiter geht's. Zurückgelassen wird zwar kein Müll, aber an jedem Ort eine Hand voll verdutzter Anwohner, die sich offensichtlich keinen Reim darauf machen können, was gerade passiert ist.

PA69: Klare Kante gegen Rechtsextremisten

Nach dem Parkplatz an der S-Bahn in Neuenhagen geht es zur Aral-Tankstelle in Hoppegarten. Dort geht der vierte Stopp der XXL-Tour pünktlich um 10 los. Die Besuchermenge hält sich seit der ersten Station stabil, wächst vielleicht langsam an. Die meisten begleiten den wilden Ritt mit dem Auto. Die, mit den Öffis fahren, lassen immer mal ein Konzert aus, um dranzubleiben. Ein junges Pärchen ist mit dem Rennrad dabei und überraschenderweise immer schon vor dem Tour-Bus da.

Nach dem vierten Stopp sind einige Fans von den ersten Bieren und dem Mitsingen schon etwas heiser. Einer von ihnen ist Florian. Er ist in Fredersdorf aufgewachsen, wohnt aber mittlerweile in Berlin. „Für so was kommt man natürlich gerne nochmal raus aufs Dorf!“ Er findet es klasse, dass die Randgebiete von der Band wertgeschätzt werden. „Guck dir die Tourstopps von den großen Bands an: immer nur Berlin! Aber drumherum lebt man auch!“ Er spricht von der Verbundenheit mit den anderen jungen Leuten aus der Gegend. „Es ist geil, genau hier zu stehen und gemeinsam zu rufen: Fick die AfD.“

Denn die Speckgürtel-Rapper machen keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen den Rechtsextremismus in ihrer Heimatregion. Auch Ralf und Kirstin sind aus Berlin-Mitte, sind genau deswegen heute mit dabei. „Wir haben durch die sozialen Medien von der Tour erfahren“, sagt die 52-Jährige. Ihre 54-jährige Begleitung erklärt, sie wollten sich eigentlich nur das erste Konzert in Erkner anschauen, sind aber nun bei der vierten Station in Hoppegarten immer noch dabei. „Ich find’s einfach so gut, dass sie sich klar positionieren. Und die Musik ist auch einfach klasse.“

Der Weltrekord-Versuch von PA69 endet in Berlin

Und das machen sie sehr deutlich. Bei jedem der ersten vier Stopps stimmen sie von der LKW-Ladefläche einen „Fick die AfD“-Sprechgesang an, dem sich die Menge anschließt. Wer die drei mysteriösen jungen Männer hinter den rosa Sturmhauben sind, weiß man nicht genau. Sie treten öffentlich nur maskiert auf. Eins scheint aber klar zu sein: Sie kommen aus dem Speckgürtel Berlins.

Die Rapper PA69 versuchen den Weltrekord: 16 Konzerte in 24 Stunden rund um Berlin bei ihrer "Tour de Speckgürtel"

Heinrich aus Berlin nimmt den Rekordversuch von PA69 sehr ernst. Zusätzliche Motivation: Wer sich alle 16 Konzert-Besuche auf einer Karte abstempeln lässt, bekommt ein kostenloses Ticket für die kommende Tour. „Ich versuche, auf den 16 Konzerten 16 Bier zu trinken.“ Und zwar „große und nicht kleine“, wie der 22-Jährige betont.

Till Eichenauer

Und den wollen sie heute einmal fast umrunden, mit ihrer Tour. Als die drei Künstler ihr viertes Konzert in Hoppegarten um 10.30 Uhr beenden, wirken sie noch frisch und munter.

Und auch gut acht Stunden später wirkt die Band noch überraschend fit. In der Dämmerung geben die Sänger plus DJ ihr nunmehr dreizehntes Kurzkonzert von der LKW Ladefläche. Von Heiserkeit ist zumindest auf der Bühne wenig zu hören.

Ganz anders beim Publikum: Die, die von Anfang an dabei waren, haben mittlerweile den dreizehnten „Biertornado“ mitgegrölt und langsam macht bei einigen die Stimme schlapp. Die Band heizt die Fans noch einmal zum Endspurt an: „Nur doch drei Konzerte, dann haben wir den gottverdammten Weltrekord!“

In Schönefeld stoppt die Polizei die Tour

Auf dem Netto-Parpklatz in Rangsdorf läuft nochmal alles glatt. Dann wieder alle in die Autos oder den Tour-Bus voll mit Fans, der LKW fährt vorneweg. Ziel ist das Gewerbegebiet Waltersdorf. An einer Ampel am Waltersdorfer Dreieck stoppt der Tross plötzlich. Blaulicht ist zu sehen. Die Polizisten sprechen mit dem Fahrer des Bühnen-Lasters.

Auf dem Nettoparkplatz geben PA69 ihr Konzert 14 von 16 an diesem Tag.

Auf dem Nettoparkplatz geben PA69 ihr Konzert 14 von 16 an diesem Tag. Mittlerweile ist es dunkel geworden.

Till Eichenauer

Gut 15 Minuten herrscht bedrückte Stimmung im Tour-Bus. Stoppt die Polizei den Rekordversuch beim letzten, dem 15. Konzert in Brandenburg, so kurz vor dem Sieg? Dann steigt der Fahrer des LKW wieder zurück in seine Kabine. Es kommt die Durchsage: Die Polizei hat ein letztes „Flüster-Konzert“ auf dem Parkplatz vor dem Mediamarkt Waltersdorf erlaubt.

PA69 in Berlin: „Wir sind so geile Typen“

Dort wird nochmal alles gegeben. Die Fans halten sich nicht an das Flüstergebot der Polizei und übertönen beim Mitsingen den leisen Sound aus den Lautsprechern. Damit ist der Rekord zum Greifen nahe. Die Band und viele der Fans machen sich auf den Weg nach Berlin-Kreuzberg zum Abschlusskonzert.

Dort geht die Schlange der Wartenden über 100 Meter um den Club herum. Ralf und Kirstin haben es hineingeschafft. Sie wollten sich eigentlich nur das Konzert in Erkner anschauen, haben dann aber fast die ganze Tour mitgemacht: „Es war so schön, wir wollten einfach nicht aufhören!“

Auf der Bühne geben die drei Rapper ein letztes Mal Vollgas und spielen noch einmal ihre Hits. Diesmal für das Hauptstadtpublikum. Damit ist der Plan von PA69 aufgegangen. Es wird verkündet: „Wir sind so geile Typen. Wir haben den Weltrekord nach Hause geholt.“