Papst Franziskus ist tot
: Der Papst im Film – was zu streamen lohnt

Edward Berger, Wim Wenders, Nanni Moretti – sie alle haben sich in Filmen mit Papst Franziskus beschäftigt. Eine Auswahl aus gegebenem Anlass.
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
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Großer Fan von Papst Franziskus: Der deutsche Regisseur Wim Wenders (l) drehte einen Film über Papst Franciscus. Wenders Film «Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes» über das Kirchenoberhaupt kommt am 18.05.2018 in die Kinos.

Großer Fan von Papst Franziskus: Der deutsche Regisseur Wim Wenders (l) drehte einen Film über Papst Franziskus. Wenders Film „Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes“ über das Kirchenoberhaupt lief am 18.05.2018 in den deutschen Kinos an.

Vatican News/dpa
  • Papst Franziskus ist gestorben; Beerdigung am 26.4. in Rom.
  • Filmtipps über das Leben und die Papstwahl: „Konklave“ (Amazon Prime), „Ein Mann seines Wortes“ (YouTube, Amazon Prime), „Die zwei Päpste“ (Netflix), „Habemus Papam“ (Joyn, Amazon Prime, Apple TV, Magenta TV), „The Young Pope“ (Amazon Prime), „The New Pope“ (WOW).
  • Filmemacher wie Wim Wenders und Edward Berger haben sich mit dem Papst beschäftigt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Kulisse ist filmreif, das Procedere ist es auch. Wenn am Samstag (26.4.) der Sarg von Papst Franziskus zur Beerdigung erst über den Petersplatz und nach der Trauerfeier zur Kirche Santa Maria Maggiore gefahren wird, werden Millionen an den Fernsehgeräten das verfolgen.

Auch das Konklave, in dem ein neuer Papst gewählt wird und die Kardinäle so lange in der Sixtinischen Kappelle verharren müssen, bis die Zweidrittelmehrheit steht und weißer Rauch aufsteigt, ist längst (auch) ein Medienspektakel. Kein Wunder, dass auch Filmemacher sich längst mit dem Thema beschäftigt haben. Fünf Tipps zur Einstimmung auf die nächsten Tage.

Wie ein Papst gewählt wird – „Konklave“ von Edward Berger

„Extra omnes“, alle hinaus, die nicht zur Kardinalskongregation gehören, befielt Ralph Fiennes als Cardinal Lawrence. Dann wird das große Tor verriegelt, die Fenster abgedunkelt, ab nun darf niemand, der nicht zu den wahlberechtigten Kardinälen gehört, dabei sein.

Wer schon immer mal wissen wollte, wie die Papstwahl hinter den verschlossenen Türen abläuft, ist mit dem Film „Konklave“ des deutschen Regisseurs Edward Berger gut bedient. Basierend auf einem Buch des britischen Bestsellerautors Robert Harris schildert der Film von 2024 die mühsamen Wahlgänge - und die Intrigen hinter den Kulissen.

Wir sehen die Kardinäle ankommen und ihre Zimmer beziehen, wie in diversen Treppenhäusern und Hinterzimmern Allianzen geschmiedet werden, wie wieder und wieder die Kardinäle vor die Urne treten und schwören, dass sie „den wählen, von dem sie glauben, dass er nach Gottes Willen gewählt werden muss.“ Mittendrin Ralph Fiennes, der als das Konklave organisierender Kardinal Lawrence versucht, das Procedere ungestört ablaufen zu lassen - und doch von Anfechtungen und Zweifeln geplagt ist.

Zugegeben: Am Ende sind es etwas viele Intrigen, die einen Kandidanten nach dem anderen ins Stolpern bringen. Aber die Ernsthaftigkeit, mit der Berger sich dem komplexen Thema widmet und die überwältigenden Bilder stimmen ein auf das, was im Mai in Rom zu erwarten ist. Gute Vorbereitung.

„Konklave“ ist bei Amazon Prime kostenpflichtig abrufbar.

Wim Wenders porträtiert Papst Franziskus

„Ein Mann seines Wortes“ hat Wim Wenders seinen Dokumentarfilm von 2018 über den nun verstorbenen Papst Franziskus genannt. Der Papst sei einfach „unheimlich menschlich“, hat der Düsseldorfer Filmregisseur bei der Premiere auf dem Festival von Cannes geschwärmt. Die Anfrage dazu kam 2013 direkt vom Vatikan, eine kritische Auseinandersetzung war also eher nicht zu erwarten. Aber immerhin konnte Wenders Papst Franziskus vier Mal zwei Stunden lang interviewen - die Gespräche bilden das Rückgrat des Films, der ansonsten auf Dokumentarszenen von den Reisen des Papstes sowie aus Auseinandersetzungen mit dem Namesgeber Franziskus von Assisi beruht.

Der Regisseur ist für seine Hommage von der Kritik ziemlich gescholten worden - heute, nach dem Tod des Papstes, ist sein Film eine Erinnerung daran, für was dieser Mann stand, wo seine Schwachstellen lagen und warum er trotz allem als ein „Papst der Menschen“ wahrgenommen wurde. Franziskus sei ein „großer Kommunikator" gewesen und man habe dies auch im gemeinsamen Film gespürt, „wo er jedem Zuschauer direkt in die Augen sieht und alle Fragen spontan beantwortet", hat Wim Wenders am Ostermontag nach Bekanntwerden der Todesnachricht der katholischen „Tagespost“ gesagt.

„Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes“ ist u.a. bei YouTube oder Amazon Prime kostenpflichtig abrufbar.

Benedikt und Franziskus - „Die zwei Päpste“ von Fernando Mereilles

Franziskus (xx) und Benedikt (Anthony Hopkins) beim gemeinsamen Fußballgucken im Vatikan.

Franziskus (Jonathan Pryce) und Benedikt (Anthony Hopkins) beim gemeinsamen Fußballgucken im Vatikan.

Peter Mountain/Netflix

Eine ungewöhnliche (fiktive) Begegnung hat der argentinische Regisseur Fernando Mereilles aufgegriffen: Der alternde Papst Benedikt XVI. (Anthony Hopkins) bekommt Besuch vom argentinischen Kardinal Jorge Bergoglio („Game of Thrones“-Star Jonathan Pryce), dem späteren Papst Franziskus, der eigentlich zurücktreten will. Die beiden geraten in Diskussionen, streiten sich, versöhnen sich - es geht um Tradition contra Soziales Gewissen, um Fortschritt und Verfehlungen. Am Ende des mit vielen Rückblenden versehenen Films bittet der zum Rücktritt entschlossene Benedikt Franziskus, sein Nachfolger zu werden - und nach dem Konklave wird er es auch.

Der Film basiert auf dem Buch „Die zwei Päpste: Franziskus und Benedikt und die Entscheidung, die alles veränderte“ von Anthony McCarten, der für die Verfilmung auch das Drehbuch schrieb. Und auch hier wird Franziskus als menschennaher Papst gezeigt, der Tango tanzt, Flüchtlinge auf Lampedusa besucht und gemeinsam mit Benedikt bei Pizza und Bier das im Fernsehen übertragene Weltmeisterschaftsfinale 2014 Deutschland-Argentinien verfolgt.

„Die zwei Päpste“ ist bei Netflix zu sehen.

Flucht aus dem Vatikan: „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“

Es ist so weit, der weiße Rauch steigt auf, der neue Papst ist gewählt. Doch der erkorene Außenseiter Kardinale Melville, gespielt von dem 2020 verstorbenen Michel Piccoli, bekommt Angst, bricht zusammen, flieht vor der übergroßen Aufgabe in die Stadt. Während er dort mit einer Psychonanalytikerin spricht und sich einer Theatergruppe anschließt, harren die Kardinale in der Sixtinischen Kapelle aus - bevor der neue Papst verkündet ist, ist das Konklave nicht zu Ende.

Der italienische Regisseur Nanni Moretti, der in Rom auch ein Kino, das Nuovo Sacher, betreibt, hat seiner Heimatstadt in dem Film „Habemus Papam“ von 2011, in den Dokumentaraufnahmen des Begräbnisses von Johannes Paul II. montiert sind, erneut ein wunderbares Denkmal gesetzt - und die Führungskraft in Nöten höchst sympathisch geschildert. Eine menschliche Tragikomödie, die den heiligen Ernst des Konklave-Geschehens bricht und trotzdem den Respekt vor dem Amt nicht verliert.

„Habemus Papam - Ein Papst büxt aus“ ist bei Joyn und kostenpflichtig bei Amazon Prime, Apple TV und Magenta TV zu sehen.

Der Papst in Serie – „The Young Pope“ und „The New Pope“

Das ungewöhnlichste Papst-Filmprodukt ist eine Serie des italienischen Regissseurs Paolo Sorrentino („La grande bellezza“), der Jude Law 2016 als Pius XIII., „The Young Pope“, ins Rennen schickt: charismatisch, fortschrittlich, populär, der erste US-Amerikaner auf dem Papstthron, und der jüngste dazu. Die Serie wurde auf dem Filmfestival in Venedig heiß diskutiert und 2020 mit „The New Pope“ fortgesetzt, diesmal mit John Malkovich als Johannes Paul III.

Das ist Vatikan als Soap Opera, voller Klatsch und Intrigen, Kitsch und Komik - und trotzdem mit großartigen Hauptdarstellern, die ihren Rollen Komplexität und Tragik, Machthunger und Größe verleihen. Nichts für treue Papst-Fans - für alle anderen vielleicht das Gegengift zu allen Trauerfeierlichkeiten der kommenden Tage.

„The Young Pope“ ist bei Amazon Prime, „The New Pope“ bei WOW zu streamen.