Perspektive Deutsches Kino
: Berlinale – Dokumentation über Sahra Wagenknecht

Spitzenpolitikerin im Dauerstress: Sandra Kaudelkas Dokumentation über Sahra Wagenknecht feiert Premiere auf der Berlinale
Von
Gitta Dietrich
Berlin
Jetzt in der App anhören

Premiere, "Wagenknecht": Sahra Wagenknecht (l), ehemalige Bundestagsfraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, und Regisseurin Sandra Kaudelka.

Britta Pedersen/dpa

„Wagenknecht“ zeigt die wohl spannendste Phase ihrer Karriere. Im Frühjahr 2017 besteht noch die Möglichkeit, dass sie Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt sie ihren Rückzug als Folge von Erschöpfung an.

Abgesehen von flammenden Reden im Bundestag und vor Parteigenossen, bleibt die 50-Jährige nüchtern hinter den Kulissen – so, wie man sie kennt. Es gibt keine „Überraschungen“. In nur wenigen Momenten lässt sie ihren Emotionen freie Bahn, fällt zum Beispiel Bernd Riexinger bei einem Pressetermin ins Wort und lässt ihn wie einen dummen Schuljungen wirken. Ihre Mitarbeiter sprechen das aus, was sie selbst nicht äußern mag – Kommentare mit Berliner Schnauze über die Grabenkämpfe in der Partei und Fake-News.

Kaudelkas Doku versäumt es kritisch zu sein und manipuliert den Zuschauer, macht Wagenknecht zur Heldin, so wird Katja Kipping hämisch flüsternd gezeigt und die Presse mit ihren manchmal sicherlich unrühmlichen Verhalten vorgeführt. Wagenknecht referiert ihre Ansichten völlig unkommentiert.

Wirklich privat wird es selten, so säuselt sie kurz mit ihrem Mann Oskar Lafontaine am Telefon, ist permanent erkältet. Zwei wichtige Dinge erfährt man jedoch: Bei ihr zu Hause hängt ein Karl Marx-Bild und das Geheimnis ihrer Frisur wird gelüftet.

„Wagenknecht“: Perspektive Deutsches Kino, noch einmal 1.3. 19.30 Uhr International. „Wagenknecht“ kommt am 12. März in die Kinos.