Peter Gülke ist tot (91)
: Was der Dirigent für Brandenburg bedeutet hat

Vieles von Peter Gülkes Vermächtnis liegt auf Tonträgern, doch Live-Klang und künstlerische Handschrift fehlen nun. Chorin, Weimar und Brandenburg verlieren einen prägenden Kopf.
Von
Christina Tilmann
Potsdam
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Abschluss des Choriner Musiksommers: Peter Gülke dirigiert das Orchester der Komischen Oper

Abschluss des Choriner Musiksommers: Peter Gülke dirigiert das Orchestesr der Komischen Oper

Abschluss des Choriner Musiksommers: Peter Gülke dirigiert das Orchester der Komischen Oper. Nun ist er mit 91 Jahren gestorben.

Torsten Stapel
  • Peter Gülke starb am 26. April 2026 in Weimar, drei Tage vor seinem 92. Geburtstag.
  • Der Dirigent prägte Chorin, Weimar und Brandenburg – sein Live-Klang fehlt nun.
  • Er war 2024 Artist in Residence beim Choriner Musiksommer und dirigierte mehrfach.
  • In der DDR geriet er in Stasi-Verhöre, floh 1983 nach einem Gastspiel in Hamburg.
  • Später leitete er u. a. Wuppertal, lehrte in Freiburg und Basel, war Chef in Brandenburg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Auch in der Region hat er Spuren hinterlassen, bis ins hohe Alter. Noch mit 90 Jahren war Peter Gülke Artist in Residence des Choriner Musiksommers 2024 und dort mehrfach als Dirigent zu erleben. Auch an der Rheinsberger Kammeroper dirigierte er die Brandenburger Symphoniker 2021 beim von Georg Quander inszenierten „Fidelio“. Nun ist er am 26. April 2026, drei Tage vor seinem 92. Geburtstag, in Weimar gestorben.

Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) ehrte den 1934 geborenen Dirigenten und erinnerte an dessen Weimarer Wurzeln: „Peter Gülke war die Verkörperung der Kultur- und Klassikerstadt Weimar – möglicherweise weil sein Ururgroßvater Christian August Vulpius war, der Schwager Johann Wolfgang von Goethes.

Vor allen Dingen war er aber einer der Großen unter den deutschen Dirigenten, Musikwissenschaftlern und Autoren. Ein intellektueller Grenzgänger zwischen musikalischer Praxis und Theorie, ein leidenschaftlicher Vermittler von Musik. Einer, der musikalisch in der ganzen Welt zu Hause war – unter anderem mit Gastspielen in Europa, den USA und Japan. Auch wenn es glücklicherweise zahlreiche Einspielungen seiner Konzerte gibt – sein Ton wird fehlen.“

Peter Gülke über Mozarts letzte Sinfonien auf YouTube:

Kopfstand in die Freiheit – wie Peter Gülke mit der Stasi sprach

Eine besonders schöne Episode des humorvollen, eigenwilligen Kopfes, der sich mit musikalischen Schriften genauso hervortat wie mit seinem Dirigat, hat der Tonmeister und Gründer des Labels MDG, Werner Dabringhaus, in „Backstage Classical“ veröffentlicht: „Du warst nach einer Tournee als Chef der Weimarer Staatskapelle in die Fänge der Stasi geraten. (Einige Musiker waren nicht wieder aus dem Westen in die DDR zurückgekehrt.) Man befragte Dich stundenlang, bis Du irgendwann gesagt hattest: „Tut mir leid, ich habe heute Abend ein Konzert zu dirigieren und muss mich jetzt vorbereiten“ – sprachst es und wechseltest vor dem staatssichernden Schreibtisch in den Kopfstand. Vor lauter Überraschung und Irritation hat man Dich umgehend freigelassen.“

Doch irgendwann war es Peter Gülke in der DDR zu eng. Nach einem Gastspiel in Hamburg 1983 blieb er in der Bundesrepublik Deutschland. Hier wirkte er unter anderem als Generalmusikdirektor der Stadt Wuppertal und lehrte an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg sowie der Universität Basel. Als Gastdirigent leitete er Opernaufführungen und Konzerte in ganz Europa. Erst nach der Wiedervereinigung kehrte er zurück und war von 2011 bis 2014 Präsident der Sächsischen Akademie der Künste und von 2015 bis 2020 Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker.

Brandenburgs Oberbürgermeister Daniel Keip erinnert an ihn: „Professor Gülke hat die Brandenburger Symphoniker 2015 in einer Zeit der Veränderung für das Orchester und das Brandenburger Theater übernommen. Und er hat dafür gesorgt, dass diese Veränderungen sich nicht auf die künstlerische Qualität und die Kreativität unserer Symphoniker auswirken. Dieser Einsatz und sein eigenes künstlerisches Wirken werden wir stets in ehrendem Andenken behalten.“