Polizeiruf 110 in Brandenburg: Für André Kaczmarczyk und Gisa Flake geht's zum Fußball

Ermittlungen auf dem Bolzplatz: Die Kriminalkommissare Vincent Ross (André Kaczmarczyk, li.) und Alexandra Luschke (Gisa Flake) in „Spiel gegen den Ball“, dem neuen Polizeiruf 110 aus Brandenburg.
rbb/Oliver Feist- „Polizeiruf 110“ spielt in Brandenburg und fokussiert sich auf einen Mord beim Fußball-Public-Viewing.
- Ermittler Vincent Ross und Alexandra Luschke untersuchen den „Overkill“ an Olivia Briegel.
- Der Mord ereignete sich während des EM-Viertelfinalspiels Deutschland gegen Spanien.
- Olivia Briegel war Präsidentin eines Amateur-Fußballvereins, ihr Sohn spielt eine Rolle.
- Der Film „Spiel mit dem Ball“ läuft am 22. Juni 2025 um 20.15 Uhr im Ersten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht“, hat Trainer-Legende Sepp Herberger einmal gesagt. Ein Satz, der in abgewandelter Form auch Gültigkeit für deutsche Fernseh-Krimis besitzt – oder zumindest besitzen sollte. Dass der jüngste Polizeiruf 110 aus Brandenburg nun beide Welten zusammenbringt, ist also naheliegend.
Da in Brandenburg aktuell jedoch keine Erstliga-Mannschaft beheimatet ist, geht es für Kommissar Vincent Ross (André Kaczmarczyk) und seine Kollegin Alexandra Luschke (Gisa Flake) in „Spiel gegen den Ball“ nicht in die schillernde Bundesliga- oder Champions League-Welt. Stattdessen nehmen sie das Fernsehpublikum mit auf den Kreisliga-Platz an der deutsch-polnischen Grenze.
„Overkill“ beim Polizeiruf 110 aus Brandenburg
In Küstrin wird Olivia Briegel tot auf dem Gelände ihrer deutsch-polnischen Gerüstbaufirma entdeckt. Was als schlichter Leichenfund beginnt, entpuppt sich als rohes Gewaltverbrechen: Mit über 20 Schlägen auf den Kopf, vermutlich mit einem Hammer oder einer Zange, wurde das Opfer regelrecht hingerichtet. Ein sogenannter „Overkill“, wie Vincent Ross die Tat zusammenfasst. Mehr als nur ums Töten ging es offenbar um Machtdemonstration und Demütigung.
Nicht selten seien die Täter „Männer mit Minderwertigkeitskomplexen“, so der Kommissar. Und an solchen mangelt es dem Umfeld der Ermordeten nicht. Olivia Briegel war nicht nur Geschäftsfrau, sondern auch Präsidentin eines Amateur-Fußballvereins. Auf wie abseits des Platzes machte sich die ehrgeizige Frau, die vieles im Alleingang entschied, nicht nur Freunde. Erschwerend kommt für das Ermittler-Duo hinzu, dass der Fundort der Leiche nicht der Tatort ist.

Ausschnitt aus Polizeiruf 110 aus Brandenburg: Sorgt bei ihnen nur der Besuch des Profi-Scouts für Anspannung? Die Amateur-Fußballer Kevin Jankowski (Franz Ferdinand Krause, r.) mit Robert Sobinski (Lauri Kröck, l.) und Marco Briegel (Len Blankenberg, Mitte).
rbb/Oliver FeistEine Spur führt Ross und Luschke auf das Trainingsgelände des Fußballvereins, wo trotz eines kurzfristigen Trainerwechsels, der böses Blut hinterließ, ein entscheidendes Scouting-Turnier stattfinden soll. Für viele der Jungs, die dort kicken, geht es um mehr als sportlichen Ehrgeiz – sie wollen sich den Traum vom Profi-Vertrag verwirklichen. Unter ihnen: Olivia Briegels 13-jähriger Sohn Marco (Len Blankenberg), der mehr zu wissen scheint, als er sagt – und vielleicht auch mehr gesehen hat, als er sollte.
War das EM-Viertelfinale Ablenkung für einen perfekten Mord?
Ross und Luschke stehen vor vielen offenen Fragen. Klar ist, dass sich die Tat während des örtlichen Public Viewing-Events zum EM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Spanien ereignet haben muss. Auffällig ist nur, dass viele der Verdächtigen, unter ihnen der neue Trainer, für die zweite Halbzeit kein Alibi vorweisen können. War Mikel Merino, der Deutschland in der Verlängerung per Kopf aus dem Turnier kickte, also die ideale Ablenkung für einen perfekt getimten Mord?
Für den feinsinnigen Vincent Ross gestalten sich die Ermittlungen auf dem Bolzplatz durchaus herausfordernd. Der Kommissar zieht die Oper dem Stadion vor. Die Vorführung von „Fidelio“ kommt schließlich ohne Hundertschaften zur Absicherung aus. Ganz anders Alexandra Luschke. Ihr nimmt man es durchaus ab, dass sie sich beim Sachsenderby in Dresden auch mal kloppen würde, wenn’s sein muss.
Dass die beiden Ermittler stellvertretend für die sich scheidenden Geister rund ums Thema Fußball stehen, verleiht dem ansonsten im gewohnten Fahrwasser deutscher Fernsehkrimis gehaltenen Polizeiruf 110 hier und da humorvolle Momente.
Kein rundes Porträt des Milieus auf deutschen Kreisliga-Plätzen
Trotzdem verwandelt die jüngste Episode der beliebten Krimi-Reihe die grandiose Chance, die schönste Nebensache der Welt zur Kulisse zu machen, nicht. Statt sich Zeit für ein rundes Porträt jenes Milieus zu nehmen, das Woche für Woche Tausende auf Plätzen im ganzen Land zelebrieren, will „Spiel mit dem Ball“ zu viel auf einmal erzählen. Irgendwo zwischen Kabine, Familiendrama und den Herausforderungen des Heranwachsens verliert sich der Film von Regisseur Christian Werner.
Allen, die sich vom Fußball-Polizeiruf mehr erwartet hatten, bleiben also erneut nur die Worte Sepp Herbergers: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“
Der Film „Spiel mit dem Ball“ ist am Sonntag, dem 22. Juni 2025, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen und nach Ausstrahlung zwölf Monate in der ARD Mediathek abrufbar.


