Rapper Finch: Song gegen AfD-Anhänger – und die verstehen die Satire nicht

Sorgt mit seinem Song „Wenn du dumm bist“ für eine politische Kontroverse: Rapper Finch aus Brandenburg
Christoph Soeder/dpa- Rapper Finch veröffentlicht Song "Wenn du dumm bist" als Satire gegen AfD-Anhänger.
- Viele AfD-Sympathisanten verstehen die Satire nicht und deuten den Song als Unterstützung.
- Finch reagiert auf Instagram verwirrt und kritisiert die falsche Interpretation.
- Kontroverse Debatte entbrannte, sogar Verbindungen zu einem Messerangriff wurden hergestellt.
- Finch betont, dass der Song gegen Stereotype und nicht parteipolitisch ist.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eigentlich ist die Message doch klar. In Wort wie Bild tropft die stereotype Überzeichnung dem Musikvideo zu „Wenn du dumm bist“ aus jeder Pore: Finch mit Fluppe im Mundwinkel, Dosenbier in der Hand und Deutschland-Fahne an der Wand einer Plattenbau-Wohnung, irgendwo in Ostdeutschland. „Ick lass' mir nüsch verbieten und schon jar nüsch vom Staat / Und wer wat anderet sagt, wird von da oben bezahlt“, rappt er dazu im tiefsten Brandenburger Dialekt.
2 Minuten und 44 Sekunden, die deutlicher nicht sein könnten. Sollte man meinen. Ende Januar veröffentlichte der in Fürstenwalde aufgewachsene Rapper den Song, den viele als Hymne gegen AfD-Anhänger lesen. Eine Satire aus der Perspektive eines stereotypen Wutbürgers. Eine Abrechnung mit jenen, die nach einem Blick in abstruse Telegram-Gruppen glauben, sie hätten verstanden, wie die Welt funktioniert.
Gewiefter Kommentar zur aufgeheizten politischen Stimmung
„Das Leben ist so leicht, wenn du dumm bist / Weil's für alles einen einfachen Grund gibt“, kondensiert Nils Wehowsky, so Finch mit bürgerlichen Namen, den Frust aller Vernunftbegabten in einen Refrain. Viele sehen im Lied des 34-Jährigen einen gewieften Kommentar zur aktuell aufgeheizten politischen Stimmung in Deutschland. Ein mutiges Statement gegen wahltaktische Bauernfängerei mit vermeintlich einfachen Antworten auf komplexe Fragen.
Das Problem: Finch rappt auch aus der Perspektive eines klischeehaften Wutbürgers. Doch die, die er damit parodiert, verstehen die Satire nicht. Mehr noch: vereinzelte AfD-Sympathisanten scheinen „Wenn du dumm bist“ sogar als musikalische Unterstützung ihrer Partei zu deuten.
Schon die Kommentarspalte eines auf Instagram veröffentlichten Teasers zum Song, in dem bereits der Refrain zu hören war, war auffallend voll mit blauen Herzen. Eine Chiffre für eine positive Einstellung gegenüber der AfD, deren Parteifarbe Blau ist. Ein Nutzer postete sogar ein GIF, das die Co-Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, in stolzer Pose zeigt. Auch Videos von AfD-Wahlkampfhelfern mit Musik aus „Wenn du dumm bist“ machen in den Sozialen Medien die Runde. Und auf YouTube ist in den Kommentaren unter dem Musikvideo zu lesen: „AfD wählen jetzt“.
Debatte um „Wenn du dumm bist“ kochte schnell hoch
Finch selbst hat bereits darauf reagiert. Auf Instagram postete er ein Video von sich mit grübelndem Blick, darüber die (nicht ganz ernst gemeinte) Frage: „Ist das jetzt eine AFD Hymne??? Oder doch ein Song dagegen? Ich kapiere es nicht“. Ein Follower des Rappers liefert Antwort und Zusammenfassung der Debatte in einem: „Sorry aber wer der Meinung ist dass das Lied Pro-AfD ist, hat den Schuss nicht mehr gehört“.
Die kontroverse Debatte kochte schnell so hoch, dass manche sogar einen Zusammenhang zwischen dem Messerangriff in Aschaffenburg, bei dem ein Kind und ein Mann getötet wurden, und dem Inhalt des Songs herstellten. Finch sah sich deshalb zu einem ernsteren Post genötigt: „Sind manche Leute in diesem Land eigentlich völlig geistig zurückgeblieben?“, schreibt er darin. „Was hat die Tat in Aschaffenburg mit einem Song ‚Wenn du dumm bist‘ zu tun?“
Und eines stellt der Brandenburger Rapper gleich selbst klar: „Gegen solche Stereotypen, wie ich sie im Song beschreibe, zu sein, heißt nicht automatisch grün, links oder sonst etwas zu sein. Normaler Menschenverstand reicht dafür aus.“ Er lasse sich politisch von keiner Partei vor den Karrren spannen. Vielleicht haben es jene, die Finchs Satire nicht erkannt haben, ja diesmal verstanden.


