Sandra Hüller
: Ein Film erforscht das Geheimnis der Ausnahmeschauspielerin

Schneewittchen wollte sie spielen – und hat viele, viele andere Rollen übernommen. Was Sandra Hüller so besonders macht, ergründet ein Arte-Film.
Von
Christina Tilmann
Berlin
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Sandra Hüller auf dem roten Teppich bei den Internationalen Filmfestspielen 2023 in Cannes

Sandra Hüller auf dem roten Teppich bei den Internationalen Filmfestspielen 2023 in Cannes

Bayerischer Rundfunk
  • Sandra Hüller, gefeierte Schauspielerin, wird in einem Arte-Film porträtiert.
  • Film beleuchtet ihre Karriere von frühen Theaterrollen bis zum Erfolg in Cannes und Hollywood.
  • Hüllers Freiheit und Auswahl ihrer Rollen werden hervorgehoben.
  • Arte-Doku „Sandra Hüllers Geheimnis“ bis 5. April in der Mediathek.
  • Film „Sisi und ich“ von Frauke Finsterwalder ebenfalls verfügbar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Früh hat es für sie angefangen mit der Schauspielerei – aber nicht sofort erfolgreich. „Im Kindergarten haben wir ‚Schneewittchen und die sieben Zwerge‘ gespielt – und ich war ein Zwerg“, erzählt Sandra Hüller im Interview mit Regisseurin Antje Harries. „Und da dachte ich: Ne, das machen wir irgendwann anders. Irgendwann bin ich Schneewittchen.“

Schneewittchen ist sie vielleicht nicht geworden - aber Hamlet, Penthesilea, Courtney Love und viele andere Rollen auf den deutschen Bühnen von Bochum bis Basel und von Leipzig bis München. Und in Filmen von „Requiem“ über „Toni Erdmann“ bis „Anatomie eines Falls“ und „The Zone of Interest“ ein gefeierter Star, der es bis auf den Roten Teppich der Oscar-Verleihung 2023 geschafft hat.

Eine Schauspielerin, die die Freiheit liebt

Nun unternimmt ein Arte-Film den Versuch, das Geheimnis dieser Schauspielerin zu ergründen, von der sie zwar alle schwärmen, die Regisseure Johan Simons, Hans-Christian Schmid und Justine Triet, und die Schauspiel-Kollegen Jens Harzer, Franz Rogowski und Christian Friedel, vor der sie aber mindestens so viel Respekt und Hochachtung haben. „Sie kriegt die Krise, wenn man ihr ihre Freiheit nimmt“, hat etwa Franz Rogowski beobachtet, mit der sie in dem Gabelstapler-Liebesfilm „In den Gängen“ spielte. „Wenn man sie an die enge Leine nimmt, hat man verkackt.“

So hat sich Sandra Hüller auch die Freiheit genommen, die Filme zu wählen, die sie will und in denen sie ein Frauenbild wiederfindet, das ihr gefällt. Bei der Studentin Michaela, die in ihrer ersten Filmrolle in Hans-Christian Schmids Film „Requiem“ an einem Exorzismus stirbt, bedauert sie noch, dass sie „so ein Mädchen ist, das zerbricht - ich hätte so gern eine Rolle gehabt, die aufbricht und glücklich wird.“ Und bei Penthesilea, das sie an der Seite von Jens Harzer ungeheuer intensiv am Bochumer Schauspielhaus spielt, bittet sie irgendwann darum, das Stück abzusetzen. Zu anstrengend ist ihr dieser existenzielle Kampf zwischen Frau und Mann geworden.

Sandra Hüller im Interview für den Arte-Film Sandra Hüller - Anatomie eines Anti-Stars

Sandra Hüller im Interview für den Arte-Film „Sandra Hüller - Anatomie eines Anti-Stars“

Bayerischer Rundfunk

Im Interview mit Regisseurin Antje Harries ist sie wie in ihren Rollen – reflektiert, zurückhaltend, klug. Sie lässt nicht ahnen, welche Kraft auf der Bühne oder im Film aus ihr herausbrechen kann. Claudia Bauer, die auf der Ernst Busch-Hochschule für Schauspiel in Berlin diese „sehr seltsame Person, dieses thüringische Mädchen mit den komischen Augenbrauen“ entdeckt und zu sich ans Theaterhaus Jena holt, sagt über sie: „Sandra kann unsagbar albern sein, und dann wieder sehr ernsthaft, und sie hat auch den Mut festzuhalten: Nein, das stimmt jetzt für mich nicht.“

Und Johan Simons, der sie als Regisseur erst an den Münchner Kammerspielen und dann am Schauspielhaus in Bochum begleitet, bekennt, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen zwischen ihnen. Die Szene, in der sie als Hamlet während der 20 Minuten Theaterpause einfach auf der Bühne stehenbleibt, nennt er ein „Wunder der Anwesenheit“. Und betont: „Shakespeare hat den Hamlet eigentlich für Sandra Hüller geschrieben. “

Und doch sagt Sandra Hüller selbst über sich: „Zum Superstar gehört etwas anderes, das ich nicht habe“, gibt sie selbst zu. Deshalb wirkt sie auch auf den Roten Teppichen von Cannes bis Hollywood wie ein Wesen von einem anderen Stern. „Das ist doch absurd, das ganze Theater“, findet die 1978 in Suhl geborene Schauspielerin, während Regisseurin Justine Triet vermutet, es sei „dieses System des Wettbewerbs von Festivals und Preisverleihungen, das Sandra eigentlich hasst.“  Und Johan Simons, der sie auf ihrem Weg zum Oscar beobachtet, bemerkt: „Sie nimmt das Ganze wie ein Kind, das sich wundert: Bin ich das wirklich? Das ist auch toll.“

Regisseurin Justine Triet (li.) und Schauspielerin Sandra Hüller (re.) in Cannes auf dem roten Teppich zu „Anatomie eines Falls“, der bei den Filmfestspielen 2023 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

Regisseurin Justine Triet (l.) und Schauspielerin Sandra Hüller (r.) in Cannes auf dem roten Teppich zu „Anatomie eines Falls“, der bei den Filmfestspielen 2023 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

Bayerischer Rundfunk

Die Dokumentation „Sandra Hüllers Geheimnis“ ist bis 5. April in der Arte-Mediathek zu sehen und läuft am 7.3. um 22.15 Uhr bei Arte. Ebenfalls in der Arte-Mediathek: der Film „Sisi und ich“ von Frauke Finsterwalder