Schlagersängerin
: Andrea Berg: Mal Prinzessin, mal Amazone

Sie werde sich in eine sexy Märchenprinzessin verwandeln, kündigt Schlagersängerin Andrea Berg an.
Von
dpa
Frankfurt (Oder)
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Jogginganzug statt Bühnenkostüm: Schlagersängerin Andrea Berg während einer Probenpause in Westhausen

dpa/Christoph Schmidt

Auch als Punk-Amazone in Korsage und hohen Stiefeln oder als barfüßiger Hippie werde sie die Bühne betreten. Während die 53-Jährige in einer Lagerhalle in Westhausen in Baden-Württemberg die Show zu ihrer anstehenden „Mosaik-Tour“ vorbereitet – noch im Jogginganzug statt schillerndem Bühnenkostüm –, gerät die Musikerin ins Schwärmen. „Du kannst es ja sowieso nicht jedem recht machen. Deswegen habe ich mir dieses Mal geschworen, ich baue meine Traumwelten.“

Auf knappe Outfits und Miniröcke, für die Andrea Berg bekannt ist, will sie nicht verzichten: „Mit Make-up kann man viel kaschieren. Aber Beine länger machen, das kann man ja heute noch nicht. Und deswegen spiele ich auch gerne mal damit und setze sie auch total gerne ein. Sie sind immer noch perfekt.“

Vor anstehenden Touren trainiere sie dafür aber noch härter als ohnehin: täglich eine Stunde Crosstrainer oder Joggen, dazu Krafttraining. „Sechs Wochen vor der Show gibt’s auch keine Nudeln mehr, da gibt’s auch keine Pizza mehr, da gibt es keine Maultaschen, keine Spätzle, keine weißen Brötchen, gar nichts.“

Fotografieren beim Probenbesuch ist verboten, nur einige Bilder teilt Andrea Berg selbst mit ihren Fans auf Instagram. „Da wird man noch neugieriger“, schrieb ein Fan dazu. Die Show, benannt nach dem aktuellen Album, hat sie erarbeitet mit René Baumann alias DJ BoBo. „Heute habe ich ein paar Mal aufgehört zu singen, weil ich mich einfach umgedreht habe, um zu schauen, wie sieht es aus.“ Dabei seien ihr die Tränen gekommen. „Weil ich dann denke, das ist echt schön, so hast du es dir vorgestellt“, sagt Andrea Berg.

Auch beim Gespräch während der Probenpause in dem Industriegebiet kommen der Schlagersängerin die Tränen, als sie über den Song „Geh deinen Weg“ spricht – geschrieben für die 21-jährige Tochter. „Wir haben gemeinsam den Kilimandscharo besucht“, erzählt Andrea Berg vom Urlaub 2018: „Du gehst mit deinem Kind nach Afrika. Du siehst Elefanten, Giraffen, Nashörner" – aber die Tochter sei am fasziniertesten von einer Eule gewesen. „Das fand ich so toll.“ So sei das Tier zum Symbol geworden. „Wir haben auch das Video dazu gedreht, was wir auch in der Show spielen, wo eine Eule auf meiner Hand sitzt und dann auf einmal wegfliegt.“ Sie habe auch ihre Tochter loslassen müssen, damit die fliegen könne.

Vor rund 20 Jahren machte sie aus Herzschmerz einen ihrer größten Hits: „Damals bin ich gerade mit meinem Papa unterwegs gewesen. Kurz vorher wurde ich ein wenig ,verarscht‘ von jemandem – wie das eben im Leben auch einmal vorkommt.“ Die beiden hielten an einer Tankstelle, wie sie weitererzählt: „Der Papa steigt aus, geht zahlen, und auf einmal denke ich: ,Du hast mich tausendmal belogen, du hast mich tausendmal verletzt. Ich bin mit dir so hoch geflogen, doch der Himmel war besetzt.‘“ Als der Vater zurückkam, habe sie gesagt: „Ich hab’s!“

Kraft aus dem Privatleben

Die Kraft für das Leben im Rampenlicht, auch wenn sie die Auftritte genießt, zieht Andrea Berg aus ihrem Privatleben: „Rauskommen vor 15 000 Leuten, singen und danach alleine in ein Hotelzimmer gehen, um am nächsten Tag dann irgendwo in einer anderen Stadt wieder aus der Torte zu springen" – ohne einen anderen Lebensinhalt hätte sie die Energie dazu wohl nicht.

Die Zeit in Aspach, wo sie und Ehemann Ulrich Ferber ein Hotel betreiben, bewahre sie vor einem „schwarzen Loch“. Dort beginne ein normaler Tag für beide meist um 7 Uhr, „wir nehmen unsere drei Hunde mit, laufen ein Stück, gehen dann zusammen zum Frühstück. Und dann sprechen wir, was jeder heute so vorhat, lesen die Zeitung, und dann gehen wir auseinander und treffen uns erst am späten Abend wieder.“

Wenn Andrea Berg nicht mit Tour-Vorbereitungen oder einem neuen Album beschäftigt ist, kümmert sie sich um das Hotel. „Dann komme ich auch schon mal mit dem Rostbraten an den Tisch. Und dann sag’ ich: ,Guten Appetit, lasst’s euch schmecken.‘ Und manchmal fällt dann jemandem, der das zum ersten Mal so erlebt, das Besteck aus der Hand.“

Zwischen Hospiz-Engagement und Tournee

Inspiration für die Lieder, zu denen sie die Texte selbst schreibt, nimmt Andrea Berg aus dem Leben, wie sie erzählt. Dabei spart sie auch düstere Seiten wie Verlust und Trauer nicht aus. "Ich wurde schon sehr früh damit konfrontiert, insbesondere auch durch die Hospizarbeit." Die frühere Krankenschwester engagiert sich für eine Einrichtung in ihrer Heimatstadt Krefeld.

Anfang der 90er startete Andrea Berg im Schlager, heute bringt sie unter dem eigenen Label Bergrecords Musik heraus.

Ihre "Mosaik-Tour" startet sie am 29. November in Stuttgart, dann folgen bis Ende März Auftritte in 30 Städten. Am 7. Februar, 20 Uhr, tritt sie in der Mercedes-Benz Arena in Berlin auf.

MOZ-Ticketservice: 0335 66599558