Für weihnachtliche Stimmung wird schon vor Konzertbeginn gesorgt. Im Außenbereich der Columbiahalle dampft es aus Glühweinkesseln in die kalte Berliner Luft, gebrannte Mandeln, Bratwürste und Bier im Plastickbecher wechseln unter Lichterketten die Besitzer und Halbstarke mit Kippe im Mundwinkel beweisen sich am Hau den Lukas. Kein Zweifel, sie ist zurück: Sidos Weihnachtsshow. Diesmal sogar neben jeder Menge Rap vor bunt geschmückter Tanne mit eigenem Weihnachtsmarkt im Siggi-Style.
Doch als kurz nach 20 Uhr auch drinnen der Vorhang fällt, ist es vorbei mit Besinnlichkeit. Kurzes Warm-Up vom Kinderrap-Rhinozeros Dikka – bei dem mehr als nur die jüngsten Fans mit Eltern zum Beat wippten – und schon betritt der Zeremonienmeister im grünen Trainingsanzug hoch selbst die Bühne. Wie bei früheren Ausgaben gleicht die einem Kamin gewärmten Wohnzimmer, das selbst Kevin McCallister nicht festlicher hätte dekorieren können. Und auch sonst hält es Sido mit bewährter Tradition und eröffnet das abendliche Set mit seinem „Weihnachtssong“.
Zugegeben, der Song handelt davon, einen gewissen „Kerl in Rot“ kaltzumachen, und statt Schnee (oder ähnlich weiße Substanzen) unter dem Schlitten, lieber die Nase damit voll zu haben. Doch auch er zeugte früh davon, dass Paul Würdig – so der bürgerliche Name des Rappers – über ein gewisses Faible für Weihnachten verfügen muss. Ganz sicher aber ist er Ausdruck für die jahrelange Treue seiner Fans. Denn obwohl der Song so alt ist, dass im dazugehörigen Video noch Bushido inklusive Zahnstocher im Mund einen Auftritt hat, kann Sido dem Publikum den Refrain getrost überlassen.
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Der kleine Kevin verließ die Bühne mit einer PS5 unterm Arm

„Weihnachtszeit, Weihnachtszeit, sag allen Bescheid, dass Sido kommt und 'n Sack bei hat, und Geschenke verteilt, hey“ heißt es auch wieder während der zweistündigen Show diverse Male. Egal ob „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ oder „Oh Tannenbaum“ – immer wieder holt Sido junge Fans auf die Bühne und stimmt besinnliche Töne an, begleitet nur von einer Akustikgitarre. Am Ende darf sich dann ein Geschenk vom Stapel unter dem bunt leuchtenden Weihnachtsbaum genommen werden. Besonders glücklich verlässt der kleine Kevin die Bühne wieder Richtung Eltern. Immerhin hat er eine PS5 unter dem Arm.
Betuliche Intermezzi bleiben an diesem Mittwochabend allerdings nur von kurzer Dauer. Dafür nimmt Sido die Subwoofer in der Columbia viel zu stark in Anspruch. Begleitet vom langjährigen Kollaborateur DJ Desue an den Reglern fliegen so die „Fuffies im Club“ oder gehen die „Bilder im Kopf“ los. Und wie es sich für seine weihnachtliche Varieté-Show gehört, überlässt Sido erneut Gästen das Mikro. Neben K.I.Z. gehört dazu auch Fler, der mit seinem Ex-Aggro Berlin-Kollege den gemeinsamen Song „Lost“ spielt. Und für ihren Hit „Steh wieder auf“ aus dem Jahr 2005 reanimiert Sido zusammen mit Harris das Duo Deine Lieblings Rapper.

Bommelmützen, Strickpullover und „Wooh“-Rufe satte Euphorie

Vielleicht liegt es daran, dass die Weihnachtsshows coronabedingt zwei Jahre in Folge ausfallen mussten. Das Publikum jedenfalls feiert jeden Ton, der von der Bühne schallte, mit „Wooh“-Rufen satter Euphorie. Wären sie nicht so zahlreich mit roter Bommelmütze, weihnachtlichem Strickpullover (gerne auch mit Totenkopf-Masken-Muster) oder – in einem Fall – sogar im Sido-Bademantel in der ausverkauften Columbiahalle erschienen, man wähnt sich fast in einem Club mit Flatrate-Bar in Lloret de Mar. Zu hören gibt es allerdings vorwiegend Material aus der mittleren Schaffensperiode des Rappers. Das bedeutet wenig rohe Aggro-Verse und auch wenig Songs vom aktuellen Album „Paul“, das erst vergangene Woche erschienen ist.
In seinem aktuellen Album "Paul" arbeitet der Sido, der mit bürgerlichen Namen Paul Würdig heißt, persönliche Themen wie Drogenabstürze und Entzug auf.
In seinem aktuellen Album „Paul“ arbeitet der Sido, der mit bürgerlichen Namen Paul Würdig heißt, persönliche Themen wie Drogenabstürze und Entzug auf.
© Foto: Vitali Gelwich/dpa
Auf den berühmt-berüchtigtsten Song von Sido will das Publikum aber partout nicht verzichten: den „Arschficksong“. Immer wieder dröhnt dessen gesummter Refrain zwischen den Songs aus den über 3000 Kehlen. „Leute gewöhnt euch das ab mit dem Lied“, versucht Sido mit Blick auf die jüngsten Anwesenden noch zu beschwichtigen. „Das letzte Lied ist ein Lied mit A“, versucht es Sido noch frech. Doch mit „Astronaut“ vom 2015 erschienen Album „VI“ wird sich nicht zufriedengegeben. Und so hilft es alles nichts. Ganz zuletzt erklingt also doch noch der andere Song mit A. Immerhin befindet man sich ja in einer Weihnachtsshow. Und da will auch Sido möglichst alle Wünsche erfüllen. Gelegenheit dazu hat er nun noch weitere siebenmal.

Sido in der Columbiahalle Berlin – die weiteren Termine und Tickets

Das sind die weiteren Termine:
Sido & Gäste - Sidos Weihnachtsshow in der Columbiahalle Berlin
Für diese Konzerte sind laut Ticketportal Eventim Karten nicht mehr zustellbar / nicht verfügbar:
  • 15.12.
  • 16.12.
  • 18.12.
  • 19.12.
Für folgende Konzerte gibt Ticketverkäufer Eventim an, dass die Karten noch zustellbar sind (Stand 15.12.):
  • 20.12.
  • 21.12.
  • 22.12.