Smashing Pumpkins in Berlin
: Wie Billy Corgan mit seiner Band die Zitadelle rockt

Vor 8000 Zuschauern lässt die US-Band rund um Billy Corgan es in der Zitadelle Spandau krachen. Wie das Konzert war.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Nicht immer bestens gelaunt: Billy Corgan, hier beim Auftritt in Bonn am 5.8.2025

Nicht immer bestens gelaunt: Billy Corgan, hier beim Auftritt in Bonn am 5.8.2025

Foto: IMAGO/Bonn.digital
  • Smashing Pumpkins rockten vor 8000 Fans die Zitadelle Spandau in Berlin.
  • Billy Corgan zollte Tribut an Bands wie Black Sabbath und Berlin („Take My Breath Away“).
  • Klassiker wie „Disarm“, „Today“ und „1979“ sorgten für größten Jubel, neue Songs wurden zurückhaltender aufgenommen.
  • Corgans Bühnenauftritt zeigte Humor, u. a. durch Aufkleber auf Gitarren wie Micky Mouse und „Chop Suey“.
  • Die Band bleibt prägend für den Alternative-Rock der 1990er und verbindet Melancholie mit Gitarrenpower.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bandnamen sind nicht wirklich wichtig für den Erfolg einer Rockband. Sie setzten sich ohnehin zumeist erst in vielen Köpfen fest, wenn der Erfolg da ist. Eine kleine Aussagekraft haben sie trotzdem. Sie geben einen Hinweis, ob eine Band eine gewisse Selbstironie an den Tag legt. The Smashing Pumpkins sind ein origineller Bandname. Erfunden hat ihn Billy Corgan, der Sänger und Alleinherrscher der 1988 in Chicago gegründeten Gruppe.

Corgan schaut oft grimmig von der Bühne, so wie zu Beginn seines Konzerts am Mittwochabend in der Zitadelle Spandau. Im Inneren seines Herzens ist der kahlköpfige Mann, der mit seinem schwarzen Gewand eher wie ein Priester aussieht, aber wohl ein lustiger Geselle. Nicht weil er sich selbst als denjenigen preist, der den Regen im bis vor kurzem wolkenverhangenen Berlin vertrieb. Nein, Billy Corgan ist vor allem deshalb ein besonderes Exemplar aus dem Rocksuperstaruniversum, weil er sich nicht scheut, Rockvorfahren als seine Idole zu preisen, die auf ihrem langen Weg durch die Rockgeschichte eine Menge Coolness verloren haben. So hat er The Scorpions aus Hannover vor vielen Jahren als seine Jugendhelden gelobt und auf einem ihrer Alben mitgespielt. Bei einem Konzert in Deutschland holte er sich sogar einen alten Scorpions-Gitarristen mit auf die Bühne.

Tribut an Berlin und Black Sabbath

So weit kam es am Mittwochabend in der Zitadelle Spandau nicht, doch Corgan zollte auch hier älteren Bands Tribut. In der Mitte des Konzerts mit einem Cover der kalifornischen Band Berlin, die 1986 mit „Take My Breath Away“ einen (von Giorgio Moroder geschriebenen) Hit hatte. Und kurz vor Schluss mit dem Intro von „N.I.B.“ von Black Sabbath, deren Sänger Ozzy Osbourne jüngst gestorben ist.

Nicht, dass die US-Band stilistisch in der Tradition der Düster-Rock-Erfinder stehen würde, aber sie verknüpfte in ihrer ersten Erfolgsphase Anfang der Neunzigerjahre viel klassischen Hard Rock mit Alternative-Rock zu einer Mischung, die so ähnlich wuchtig war, dass kein Staub darauf liegen blieb.

Es ist genau das, was auch die rund 8000 Fans in Spandau erwarteten. Unter ihnen waren erstaunlicherweise sogar etliche junge Leute. Vielleicht wollten sie sich gern mal eine Band live angucken, die den Alternative-Rock der Neunzigerjahre mitgeprägt hat und sich im Jahr 2000 auflöste - nicht aus echtem Kreativitätsmangel, sondern eher aus einer gewissen Unlust. Nach weniger erfolgreichen Nachfolgeprojekten wie Zwan kam Corgan dann ja doch die Lust auf eine Wiederbelebung seiner eigenen Legende und er machte mit neuen Mitstreitern einfach da weiter, wo er nach fünf Alben und 25 Millionen verkauften Tonträgern aufgehört hatte.

Die einzigartige Verbindung von ohrenstrapazierender Gitarrenpower und unsentimentaler Melancholie beherrscht er nach wie vor. Beim Auftritt in der Zitadelle lösten den größten Jubel natürlich seine alten Hits wie „Disarm“, „Today“ oder „Tonight, Tonight“ aus. Auch andere Songs aus dem vor 30 Jahren erschienenen großartigen Album „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ wie „1979“, „Jellybelly“ oder „Bullet With Butterfly Wings“ wurden mit großem Hallo quittiert.

Dagegen wurden die paar Songs seines inzwischen 13. Studioalbums, „Aghori Mhori Mei“ eher wohlwollend aufgenommen, aber nicht euphorisch. Euphorie ist ohnehin keine Vokabel, die sich in den Pumpkins-Kosmos verirrt. Trotzdem hatte es den Anschein, als würde der Kürbis-Kopf Corgan ein wenig begeistert ob seines Berlin-Trips. Sein leicht diabolischer Blick wich im Verlaufe des Konzerts einem launigen Antlitz.

Und wer auf der Videowand genau hin schaute zu seinen wechselnden Gitarren, der sah noch mehr lustige Anzeichen seiner Persönlichkeit. Auf den diversen E-Saiteninstrumenten klebten Abziehbilder von Micky Mouse oder ein „Chop Suey“-Sticker. Wie man aus seiner Personalauswahl für seine Band weiß, besitzt Billy Corgan ja eine gewisse Asien-Affinität. Dass er die auch beim Essen hat und auf der Bühne kundtut, macht ihn noch interessanter. Aber das Interessantes bleibt doch seine Musik. Daran gab es nach dem Konzert keinen Zweifel.