Status Quo in Oranienburg 2024: Die Rocklegenden spielen ein Konzert im Schlosspark

Richie Malone (v. l.), Francis Rossi und Bassist John „Rhino“ Edwards von der britischen Band „Status Quo“ bei ihrem Auftritt am 15.09. 2019 während der „BBC Radio 2 Live“ Show im Londoner Hyde Park.
Keith Mayhew/dpaIhre Musik hat etwas Notorisches, Unnachgiebiges, etwas Beharrliches, Insistierendes. Manche würden sagen: man kann diesem Sound nicht aus dem Weg gehen, er bringt einen aus dem Konzept. Status Quo sind seit mehr als einem halben Jahrhundert die wohl berühmtesten Vertreter des Boogie-Rock. Ihre Hits aus den 70er- und 80er-Jahren waren zahlreich, doch sie klingen in den Ohren mancher Zuhörer stets ähnlich: „Caroline“ und „Down Down“, „What You`re Proposing“ oder „Again And Again“ kommen im stets ähnlichen Klanggewand aus den Lautsprechern gerumpelt. Das gilt auch für den Riesenhit „Rockin` All Over The World“, der oft als Blaupause für den Band-Sound gilt, und sogar noch für das Jahre später aufgenommene „The Wanderer“.
Aber die Fans lieben diesen hart rockenden Boogie-Sound, bei dem auf Dauer kaum jemand still auf den Sitzen bleiben kann. Die Legende lebt: Mit Status Quo kommt im nächsten Sommer eine der ganz großen Bands der Rockgeschichte in den Oranienburger Schlosspark. Nebenbei ist es eine der ältesten noch aktiven Bands der Welt.
Anfänge im Psychedelic-Pop
Status Quo spielen seit 1967 unter diesem Namen zusammen, zuvor waren die Gründungsmitglieder aber bereits in befreundeten Bands mit wechselnden Namen aktiv und hatten auch bereits erste Studioaufnahmen. Die wichtigsten Bandmitglieder waren über weite Strecken der Bandgeschichte die beiden Gitarristen und Sänger Francis Rossi und Rick Parfitt, die gemeinsam auf der Bühne für einen ziemlichen Wirbel sorgten. Auch Bassist und Gründungsmitglied Alan Lancaster trug wichtige Teile zum typischen Klang der Band bei, verließ die Gruppe jedoch bereits im Jahr 1985.
Ein Boogie-Rhythmus mit synkopieten Basslinien, stark verzerrten elektrischen Gitarren und ein harmonisches Songgerüst, das aus wenigen Akkorden besteht – dies bleiben unverändert die wichtigsten Zutaten in der musikalischen Formel von Status Quo. Auch über viele Besetzungswechsel hinweg.

Die britische Band Status Quo Richie Malone (v. l.), John Edwards, Sänger Francis Rossi, Leon Cave und Andy Bown (undatierte Aufnahme). Das Album „Quo'ing In – The Best of The Noughties“ war am 16.09.2022 erschienen.
Tina Korhonen/dpaDabei sollte aber nicht vergessen werden, dass die Briten immer wieder auch mit anderen Stilarten experimentiert haben. Ihr allererster Hit im Jahr 1968, „Pictures of Matchstick Men“, war lupenreiner Psychedelic-Pop im Stil der Zeit, für den sie sich ungeniert bei den Beatles oder auch beim Rolling-Stones-Album „Their Satanic Majesties Request“ bedient haben. Mit Lieder wie „Rock `n` Roll“ haben sie bewiesen, dass sie auch gefälligen, melodischen Adult-Contemporary-Poprock beherrschen.
Welthit mit „In The Army Now“
Und dann ist da noch „In The Army Now“, ihr Überhit aus dem Jahr 1986, der in der Schlussphase des Kalten Krieges mit einem ironisch gehaltenen Text über den Militärdienst für Aufmerksamkeit sorgte. Ein Coverstück der Band Bolland & Bolland. Spätestens damit hatten Status Quo bewiesen, dass sie auch die gefällige Sprache des 1980er-Jahre-Pop-Mainstreams sprechen konnten, atmosphärische Synthesizer-Flächen und ein MTV-taugliches Musikvideo inklusive.
Ihre – tatsächlichen oder vermeintlichen – musikalischen Begrenztheiten haben Status Quo übrigens längst auch selbstironisch zum Thema gemacht: „In Search of the Fourth Chord“ hieß ihr Studioalbum aus dem Jahr 2007, „Auf der Suche nach dem vierten Akkord“. Ja, doch, den konnten Parfitt, Rossi und Co. auf jeden Fall spielen. Den und noch viele mehr.
Auf gemeinsamen Tourneen mit anderen Veteranen wie Deep Purple begeisterten Status Quo in diesen Jahren aber vor allem ihre alten Fans. Die Nachwirkungen des 1980er-Comebacks waren längst abgeklungen.
Francis Rossi macht ohne Rick Parfitt weiter
Und dann kam das Jahr 2016. Den bei allen Veränderungen wohl umstrittensten Schwenk ihrer Karriere vollzog die Band Ende jenes Jahres. Nach mehreren Erkrankungen, nach Drogen- und Alkoholsucht, Krebs und Herzinfarkten war Co-Frontmann Rick Parfitt im Alter von 68 Jahren verstorben.

Rick Parfitt (1948-2016), verstorbener Gitarrist und Sänger der britischen Band Status Quo, während eines Interviews in Stuttgart im Jahr 2014.
Bernd Weißbrod/dpaBereits vor seinem Tod musste er sich bei einigen Konzerten gesundheitsbedingt vertreten lassen. Letztlich entschied Francis Rossi, auch ohne den langjährigen Kreativpartner weiterzumachen. Richie Malone übernahm seinen Part. Malone war damals zarte 30 Jahre alt – geboren in dem Jahr, als die damals schon reifen Rock-Veteranen mit „In The Army Now“ gerade ihr großes Comeback hatten. Mit „Backbone“ legte die neue Besetzung im Jahr 2019 auch ein künstlerisch überzeugendes neues Studioalbum vor.
Besucher des Konzertes in Oranienburg dürfen sich also durchaus über eine revitalisierte, verjüngte Band bekommen, die auf der Bühne ihre alte Energie mühelos abrufen kann.
Informationen zum Konzert
Status Quo – Live 2024, im Schlosspark Oranienburg, Sonnabend, 27. Juli 2024, 19.30 Uhr, Tickets ab sofort erhältlich: www.reservix.de

