Streit um Buchhandlungen
: Darum sagt Weimer Preisverleihung auf Buchmesse in Leipzig ab

Der Streit um den Deutschen Buchhandlungspreis eskaliert: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagt die Preisverleihung in Leipzig ab. Jury und Nominierte üben scharfe Kritik.
Von
dpa
Berlin
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Wolfram Weimer

Ist mit seinem Handeln schwer in die Kritik geraten: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos). Nach der Berlinale geht es nun um Buchhandlungen.

Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Weimer sagt Preisverleihung am 19. März 2026 auf Leipziger Buchmesse ab.
  • Begründung: Debatte um gestrichene Juryvorschläge überlagert die Würdigung.
  • Drei linke Buchhandlungen von Liste genommen wegen „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“.
  • Scharfe Kritik u.a. von Deniz Yücel, Katrin Göring-Eckardt, Sasa Stanisic, David Schliesing.
  • 115 Nominierte zeigen Solidarität, wollen Preisgeld ersetzen; Jury distanziert sich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises im Rahmen der Leipziger Buchmesse am 19. März 2026 abgesagt.

Die Debatte um die Streichung von drei Juryvorschlägen drohe den Sinn der Veranstaltung „zunehmend zu überlagern“, erklärte Weimer am Dienstag, 10. März 2026, in Berlin. Eine „angemessene Würdigung“ der Preisträgerinnen und Preisträger scheine „kaum noch möglich“, argumentierte der Politiker.

Weimer hatte die drei linken Buchhandlungen „The Golden Shop“ (Bremen), „Rote Straße“ (Göttingen) und „Zur schwankenden Weltkugel“ (Berlin) in der vergangenen Woche aufgrund von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ von der Nominiertenliste genommen und damit Kritik ausgelöst.

Reaktionen auf Absage der Preisverleihung der Buchmesse

Nach der Absage der Preisverleihung schrieb der „Welt“-Journalist und Mitbegründer der Schriftstellervereinigung Pen Berlin, Deniz Yücel, am Dienstag, 10. März 2026, auf der Plattform X: „Wo es Cancel Culture gibt, ist Feigheit meist nicht weit.“ Auf derselben Plattform kritisierte auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt, Weimer vergesse, „dass er es war, der die Würde des Buchhandlungspreises angesägt“ habe.

Der vielfach prämierte Schriftsteller Sasa Stanisic warf Weimer auf Bluesky unter anderem „Inkompetenz, paternalisierende Übergriffigkeit, Willkür, Illiberalität“ vor. Der medienpolitische Sprecher der Linkspartei im Bundestag, David Schliesing, nannte ihn eine „absolute Fehlbesetzung und Gefahr für die Kunst- und Kulturfreiheit“.

Die ausgewählten Buchhandlungen sollen nach dem Willen Weimers nun Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten. Die Bekanntgabe der Hauptpreise solle in gesonderter Form erfolgen, hieß es. Eigentlich sollte auf der Leipziger Buchmesse verkündet werden, welche der Buchhandlungen in welchen Preiskategorien (7000 bis 25.000 Euro) ausgezeichnet werden.

Nominierte Buchhandlungen waren solidarisch

Die 115 nominierten Buchhandlungen hatten sich vor Weimers Absage vom Dienstag, 10. März 2026, hinter die drei ausgeschlossenen Läden gestellt. Sie hätten sich entschieden, „zusammenzulegen, um den Kolleginnen und Kollegen ihr Preisgeld zu ersetzen“. Mehr als die Hälfte der nominierten Buchläden habe sich demnach bereit erklärt, Geld an das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels zu überweisen. Die Streichung durch den Kulturstaatsminister bezeichneten die unterzeichnenden Läden als „unfassbar“.

Der Grünen-Politiker Sven Lehmann übt scharfe Kritik an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wegen des Eklats um den Deutschen Buchhandlungspreis. „Kein Jahr ist Wolfram Weimer im Amt und schon hat er tonnenweise Porzellan zerschlagen“, sagte der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag. Weimer habe sowohl die Berlinale als auch den Buchhandlungspreis beschädigt, meinte Lehmann. „Offenbar ist er dieser wichtigen Aufgabe nicht gewachsen.“ Lehmann erklärte: „Ich bin sehr froh, dass sich die Buch- und Verlagsbranche gewehrt und mit den drei ausgeschlossenen Buchhandlungen solidarisiert hat. Der Vorgang wird auch ein Nachspiel im Bundestag haben.“

Bereits am Montag, 9. März 2026, hatte sich die unabhängige Jury des Deutschen Buchhandlungspreises von den Ausschlüssen distanziert. Die sechs Mitglieder wiesen darauf hin, dass die Entscheidung von Weimer getroffen worden sei und außerhalb ihres Einflussbereiches lag. Die Jury habe sich bewusst gegen eine Nachnominierung der drei Plätze entschieden, um „eine sichtbare Lücke“ zu lassen.

Die drei Buchläden hatten vergangene Woche außerdem angekündigt, gegen die Streichung in dieser Woche klagen zu wollen. Dadurch wollten sie auch die Gründe für den Ausschluss erfahren.

Der Deutsche Buchhandlungspreis wird seit dem Jahr 2015 verliehen. Ausgezeichnet werden demnach Buchhandlungen, die sich „im besonderen Maße um das Kulturgut Buch und das kulturelle Leben vor Ort verdient gemacht haben“.