„Tatort“ aus Berlin
: „Vier Leben“ – Politik-Thriller mit Harfouch und Waschke

Das „Tatort“-Duo, gespielt von Harfouch und Waschke, ermittelt im politischen Berlin. Hintergrund des Politik-Trillers ist ein komplexes Kapitel deutscher Zeitgeschichte. Kann das gut gehen?
Von
Michael Heider
Berlin
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ARD/rbb TATORT: VIER LEBEN, am Sonntag (16.02.25) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Ein Attentat auf einen Lebensmittel-Lobbyisten entpuppt sich als Beginn einer Mordserie, die Bonard und Karow mitten ins politische Berlin führt, zu einem Ermittlungsausschuss, aber auch zu einer Menschenrechts-Gruppe. Eine führende PR-Beraterin wird direkt vor Karows Augen erschossen, der Täter scheint dem Ermittlerteam ständig einen Schritt voraus zu sein. - Susanne Bonard (Corinna Harfouch, mi.) und Robert Karow (Mark Waschke, re.) finden die Verdächtige Soraya Barakzay (Pegah Ferydoni, li.) bei einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor.
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„Tatort“-Duo im Einsatz: Susanne Bonard (Corinna Harfouch, mi.) und Robert Karow (Mark Waschke, r.) befragen die Verdächtige Soraya Barakzay (Pegah Ferydoni, li.) während einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor.

rbb/Gordon Muehle
  • „Tatort: Vier Leben“ mit Harfouch und Waschke als Ermittler in Berlin.
  • Mordserie beginnt mit Attentat auf Politiker Weghorst.
  • Ermittlungen führen ins politische Berlin und einen Untersuchungsausschuss zu Afghanistan.
  • Film basiert auf wahren Begebenheiten, zeigt NATO-Abzug aus Afghanistan.
  • Ausstrahlung am 16. Februar 2025, 20.15 Uhr im Ersten, zwölf Monate in der ARD Mediathek verfügbar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Kugel des Scharfschützen trifft am helllichten Tag, an einem der meistbesuchten Orte Berlins. Vor dem Bahnhof Friedrichstraße geht Jürgen Weghorst zu Boden. Ein Schuss reicht. Er ist sofort tot. Mehr haben auch Zeugen nicht gesehen. Schnell ist klar, dass die Ermittlungen für Susanne Bonard (Corinna Harfouch) und Robert Karow (Mark Waschke) keine einfachen werden.

Auch, weil der Druck auf die beiden enorm ist. Kaum am Tatort angekommen, ruft die Staatsanwältin an. Die Innensenatorin möchte unbedingt eine Terrorlage ausschließen, lautet die Weisung. Die Hauptstadt steckt mitten in den Vorbereitungen auf den Staatsbesuch des britischen Königs. „Vielleicht lässt sie uns erstmal unsere Arbeit machen“, zeigt sich Karow genervt.

Bonard und Karow stehen einer ganzen Mordserie gegenüber

Da weiß der störrische Kommissar noch nicht, dass er an diesem Tag mehr Arbeit bekommen wird. Und das nicht aus royalen Gründen. Denn das Attentat auf Weghorst, einem einst aufstrebenden Politiker, der über einen Skandal stolperte, erweist sich als Beginn einer Mordserie.

Bei den Ermittlungen im Umfeld des dubiosen Lebensmittelverbandes, für den Weghorst zuletzt als Lobbyist gearbeitet hat, wird Karow selbst Zeuge des zweiten Mords. Während eines Banketts auf dem Dach des Humboldt Forums wird eine Kommunikationsberaterin ebenfalls von der Kugel eines Scharfschützen tödlich verletzt.

Der Beginn einer Mordserie: Vor dem Bahnhof Friedrichsstraße wurde ein Attentat auf einen Lebensmittel-Lobbyisten verübt.

Der Beginn einer Mordserie: Vor dem Bahnhof Friedrichstraße wurde ein Attentat auf einen Lebensmittel-Lobbyisten verübt.

rbb/Gordon Muehle

Der Mörder scheint Bonard und Karow immer einen Schritt voraus zu sein. Um ihn zu finden, müssen die beiden Ermittler tief ins politische Berlin eintauchen. Dort finden sie sich in einem Dickicht aus Macht, Verschlossenheit und entgegengesetzten Interessen wieder. Trotz dieser widrigen Umstände kommen finden sie eine Spur. Sie steht im Zusammenhang mit einem Untersuchungsausschuss zu Afghanistan. Dort wurde auch Weghorst vorgeladen.

Der einstige Politiker stand bezüglich seiner Rolle während des Abzugs der NATO-Truppen 2021 unter Druck. Zum Zeitpunkt seiner Ermordung befand er sich auf dem Weg zu einem Exklusiv-Interview. „Der Tag, an dem er in die Offensive gehen wollte“, wie Karow bereits in Erfahrung gebracht hat. Nun ist auch klar, was der Disclaimer zu Beginn des knapp 90-minütigen Films bedeutet: „Dieser Tatort ist angelehnt an wahre Begebenheiten.“

„Tatort“ als Politik-Thriller mit komplexem Hintergrund

Knapp zwei Jahrzehnte dauerte der NATO-Einsatz gegen die islamistischen Taliban in Afghanistan. Für die Bundeswehr war es der verlustreichste und teuerste ihrer Geschichte. Von den 5000 am Hindukusch stationierten deutschen Soldatinnen und Soldaten verloren 59 ihr Leben.

Der Abzug verlief hektisch. Sinnbild war das Chaos am Flughafen Kabul. Tausende Afghanen hatten dort versucht, ausgeflogen zu werden. Oftmals vergeblich. Auch die Evakuierung sogenannter afghanischer Ortskräfte schlug fehl. Gut 300 von ihnen beschäftigte Deutschland. Die Zurückgelassenen sahen sich den Taliban gegenüber, die nur wenige Wochen nach dem Abzug erneut in Afghanistan die Macht übernahmen. Ein Versagen, das auch im echten Leben einen Untersuchungsausschuss des Bundestages nach sich zog.

Mark Waschke fügt seiner Rolle emotionale Facetten hinzu

Und ein Versagen, vor dem Drehbuchautor Thomas André Szabó für den dritten Fall des Berliner „Tatort“-Duos Bonard und Karow nicht zurückschreckte. „Vier Leben“, so der Titel des Films, greift damit einen äußerst komplexen Hintergrund auf. Das ist Szabó durchaus bewusst: „Die Verantwortung ist groß, den realen Ereignissen und den davon betroffenen Menschen gerecht zu werden und sich gleichzeitig so weit von der Realität zu entfernen, dass die Erzählung nicht kolportagehaft die Rechte realer Personen verletzt oder sie in ein schlechtes Licht rückt“, verriet er in einem Interview mit dem rbb.

Das ist dem Team um Szabó und Regisseur Mark Monheim durchaus gelungen. Zwar weiß sich der Film stellenweise nicht besser zu helfen, als Details des NATO-Abzugs mit arg konstruierten Dialogen zu erklären; trotzdem ist ein spannender Krimi herausgekommen. Und der lässt sogar Raum für Charakterentwicklung. Mit Corinna Harfouch an seiner Seite, versteht sich vor allem Mark Waschke bestens darauf, seiner Rolle als stoischer Kommissar neue emotionale Facetten hinzuzufügen.

„Vier Leben“  ist ein kurzweiliger Politik-Thriller, der eines der komplexesten Kapitel der jüngeren deutschen Vergangenheit aufgreift. Ein „Tatort“, der sich thematisch etwas traut. Da stört es kaum, dass die Inszenierung ganz den deutschen Krimi-Sehgewohnheiten entspricht. Dazu gehören selbstverständlich auch stadtbekannte Hauptstadt-Kulissen, darunter der Potsdamer Platz und der stillgelegte Flughafen Tegel. Sogar das Brandenburger Tor hat einen Auftritt. Anders als der britische König – so viel sei schon mal verraten.

„Tatort: Vier Leben“ (Ausstrahlung)

„Vier Leben“ wird am Sonntag, dem 16. Februar 2025, um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Der Film ist im Anschluss zwölf Monate in der ARD Mediathek abrufbar.