Taylor Swift im Kino
: 3 Stunden Konzert als Film – funktioniert das?

Selbstermächtigung Deluxe: Auch im Kino ist das Konzert der „Eras Tour“ durch 17 Jahre Karriere von Taylor Swift ein Erlebnis.
Von
Susanne Gietl
Berlin
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Leinwandfüllend: Taylor Swift kommt zur Weltpremiere des Films "Taylor Swift: The Eras Tour" im AMC The Grove 14.

Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Taylor Swift ist eine Frau der Superlative. Mit zwölf Nummer eins-Alben hat Swift einen Verkaufsrekord gebrochen, ihr gehören zwölf Grammys und die Tickets für die „The Eras“-Deutschlandtour, die nächstes Jahr im Juli startet, waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft. Am Freitag (13.10.) feierte Sam Wrenchs Konzertfilm zu „The Eras Tour“ in UCI- und Cinemaxx-Kinos Deutschlandpremiere.

Der Konzertfilm, zusammengeschnitten aus drei Live-Shows in Los Angeles, ist mit 2 Stunden und 48 Minuten kürzer als das über dreistündige Taylor-Swift-„The Eras“-Konzert. Durch viele Großaufnahmen kommt man Taylor Swift ungewöhnlich nah. Die Verkürzungen innerhalb des Konzertfilms trüben die Freude am Konzert nicht. Einige Fans, ein paar davon mit Fanshirt oder im Swiftieoutfit, tanzen nicht nur bei „Shake It Off“ im Kino und klatschen während des Konzerts begeistert.

17 Jahre Taylor Swift in einer Tour

In „The Eras Tour“ führt Taylor Swift durch 17 Jahre Musikkarriere. Jede der zehn Epochen (Eras) bekommt ihren eigenen Look. Taylor Swift zeigt sich mit rotem Lippenstift und offenen Haaren mädchenhaft-frech, sexy und verführerisch, romantisch und geheimnisvoll. Ganz gleich, welches Jahrzehnt, Swift steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Ein langer Laufsteg mit einem rautenförmigen Bühnenelement ragt ins Publikum, die Hauptbühne markiert ein riesiger LED Bildschirm. Fünf Menschen halten riesige, wehende Segel über dem Kopf und versammeln sich der Mitte des Laufstegs. Sie legen ihre „Flügel“ übereinander. Aus ihrer Mitte erhebt sich eine silbern funkelnde Taylor Swift wie Phoenix aus der Asche. Nach fünf Jahren Konzertpause ist „Miss Americana“ wieder da.

Seelenverwandte treffen sich bei Taylor Swift

Schon früh wendet sich Swift, die nur in die Menge deuten muss, um ihre Fans jubeln zu hören, an ihre Swifties. Sie spricht von einer „soul mate crowd situation“, ein Treffen von Gleichgesinnten, die Toleranz leben. Die Vielfalt spiegelt sich auch auf der Bühne. Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Hautfarbe und – es ist schade, das immer noch betonen zu müssen – verschiedener Köperformen, tanzen mit Swift.

Swifties beim Arbeitsausflug zum Kinofilm der Eras-Tour. Die Outfits spiegeln Swifts unterschiedliche Epochen wider.

Susanne Gietl

Musikalisch reicht die Bandbreite von Country bis Pop, Indie und Folk hin zu Hip Hop. Einige der Songs tragen den Beititel „Taylors Version“, denn Taylor, die einige Alben bei Universal Music veröffentlich hatte, spielt seit 2021 ihre Alben neu ein, um darüber kommerziell verfügen zu können. Am 27. Oktober erscheint „1989 (Taylors Version)“.

Gelebte, weibliche Selbstermächtigung

Swift lebt weibliche Selbstermächtigung. Das zeigt sie auch bei ihrem Konzert. Für den sexismuskritischen Song „The Man“ zieht die 33-Jährige ein silbernes Jackett über ihren glitzernden Bodysuit. Während Swift sich im Hintergrund Szenen eines Büroalltags abspielen, singt Swift, dass sie es satt habe, „so schnell zu rennen, wie ich kann, ich frage mich, ob ich schneller ankommen würde, wenn ich ein Mann wäre“. Gemeinsam mit allen anderen Frauen tanzt sie im Vordergrund, während die Männer geschäftig tun. Stufe für Stufe erklimmt Swift bis ganz nach oben das Bühnengerüst.

Trailer zum Film auf YouTube:

Swift inszeniert in „The Eras Tour“ eine Abenteuerreise. Nach der „Lover“-Ära folgt die „Fearless“-Ära mit goldenem Fransenkleid, in „Evermore“ trägt Swift gemeinsam mit den Mittanzenden ein dunkles Cape. Sie halten feuerrote Leuchtkugeln in ihren Händen, in der „Folklore“-Epoche singt sie auf dem moosbedeckten Dach einer Holzhütte, in der „Red“-Ära schenkt Swift einem kleinen Mädchen ihren schwarzen Hut.

Ein Hechtsprung ins Finale

Unvergesslich ist Swifts Hechtsprung, durch den sie in einem imaginären Pool verschwindet. Während eine digitale Taylor Swift in rotem Kleid schwimmt, erscheint der Titel der finalen Ära: „Midnights“. In „Karma“, dem letzten Song des Konzerts, offenbaren sich all der Schweiß und all die Tränen, die Swift im Laufe der Jahrzehnte vergossen haben mag: „Frag mich, was ich in all den Jahren gelernt habe. Frag mich, was ich durch all die Tränen verdient habe. Frag mich, warum so viele verblassen, aber ich bin immer noch hier.“ Und das ist auch gut so.

Der Film ist bis 5. November von Donnerstag bis Sonntag in ausgewählten Kinos zu sehen.