Taylor Swift und Frankfurt (Oder)
: Superstar beschäftigt Universität und Kirche

Keine Sängerin ist derzeit erfolgreicher als Taylor Swift. Ein omnipräsenter Popstar. Wie groß ihre Strahlkraft ist, zeigen Beispiele aus Frankfurt (Oder) und Heidelberg.
Von
Michael Heider
Frankfurt (Oder)
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Taylor Swift

Ist gerade einfach überall: Sängerin Taylor Swift auf ihrer aktuellen „The Eras Welttournee“

Jane Barlow/PA Wire/dpa

An ihr gibt es derzeit kein Vorbeikommen: Taylor Swift. Gerade ist die Sängerin auf Tour. Mal wieder. Bei Konzerten in London vergangenes Wochenende (21.-23.6.) tauchten zahlreiche Prominente wie die Popstars Paul McCartney, Bon Jovi und Ellie Goulding, die Hollywood-Schauspieler Hugh Grant, Mila Kunis und Ashton Kutcher und der britische Thronfolger Prinz William mit seinen Kindern Prinz George und Prinzessin Charlotte auf. Auch Taylor-Freund Travis Kelce erschien auf der Bühne.

Im Juli besucht der derzeit größte Musikstar auch Deutschland für Konzerte. Spürbar ist der Hype um die 34-Jährige aber nicht nur in Stadien, im Kino und – ihrem Freund, Travis Kelce, sei Dank – in der amerikanischen Football-Liga. Selbst an Orten, an denen man nicht damit rechnet, ist Taylor Swift längst Thema. Wie diese kuriosen Beispiele beweisen.

Gastvortrag an der Europa-Uni Viadrina in Frankfurt (Oder)

Auch die Wissenschaft kommt nicht mehr dem Popstar vorbei. Am Dienstag, dem 2. Juli, um 18 Uhr, hält Taylor Swift Einzug in die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Nein, nicht leibhaftig. Dafür in Form eines Gastvortrags. Kulturwissenschaftler Jörn Glasenapp referiert dort zum Thema „Taylor Swift und die alten weißen Männer“.

Der Professor für Literatur und Medien von der Universität Bamberg folgte damit einer Einladung von Cornelia Müller, Professorin für Sprachgebrauch und Multimodale Kommunikation, und Daniel Illger, Professor für Populäre Kulturen, die an der Viadrina lehren. Interessierte sind herzlich eingeladen, im Raum 102 im Gräfin-Dönhoff-Gebäude (Europaplatz 1) vorbeizuschauen und zu lauschen.

Glasenapp ist laut Vortragsankündigung selbst bekennender Swiftie. In einem Buch, das im Februar dieses Jahres erschienen ist, verfolgt er den Weg der Sängerin zum, wie er sagt, „größten Popstar unserer Zeit“. Dabei ergründet er auch, wodurch sich ihre Songtexte und Musik auszeichnen. Den Fokus seines Buchs legt er dabei auf Swifts Rolle als Frau innerhalb der Musikindustrie und analysiert ihre öffentliche Wahrnehmung und wie diese in ihrer Kunst verarbeitet wird. Auch der Einfluss, den Taylor Swift damit auf ihre Fans, die Popkultur und die (amerikanische) Gesellschaft ausübt, interessiert den Wissenschaftler.

Kirche bietet Taylor Swift-Gottesdienste an

Dass ihre Fans Taylor Swift anbeten, ist hinlänglich bekannt. Dass deren Songs auch in Gebetshäusern erklingen, dürfte hingegen neu sein. Die evangelische Heiliggeistkirche in Heidelberg erwies sich hier als Pionier. Am 12. Mai 2024 bot sie zwei Messen an – mit Live–Musik von Popstar Taylor Swift. Offenbar mit Erfolg: Der erste Gottesdienst war sofort ausgebucht.

„Ich bin ziemlich geflasht und überrascht. Mit dieser Resonanz hatte ich nicht gerechnet“, sagte Pfarrer Vincenzo Petracca. Der erste Gottesdienst um 11 Uhr sei innerhalb kürzester Zeit ausgebucht gewesen. Deswegen werde es noch einen zweiten um 13 Uhr geben. Pro Gottesdienst standen 423 Plätze zur Verfügung. Der Eintritt war frei, aber es mussten Plätze reserviert werden.

„Wir wollen ganz bewusst andere Milieus erreichen, insbesondere Jüngere“, sagte Petracca zur Idee hinter dem Konzept. Das schien zu klappen: Die ersten Reservierungen seien vor allem von Müttern gekommen, deren Kinder gesagt hätten: „Wir gehen zusammen hin“, erzählte Petracca und lachte. Die Gottesdienste trugen den Titel „Anti Hero“ nach dem Titel „Anti–Hero“ von Swift. Die etwa sechs Stücke des Popstars sang Tine Wiechmann, die unter anderem als Professorin für Pop–Kirchenmusik an der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg tätig war.

Religion und Politik bei Taylor Swift

Die Heiliggeistkirche bietet seit 2015 immer wieder Konzerte mit Popmusik — die Beatles, Leonard Cohen, Queen, Madonna. Auch einen Gottesdienst mit Musik von Michael Jackson gab es schon, bei dem der Pfarrer nach eigener Aussage auch auf die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Jackson und das Thema Missbrauch in der Kirche einging.

„Das ist bei Taylor Swift viel einfacher“, sagte Petracca zum Thema hinter der Musik. In den Gottesdiensten im Mai ging es um das Verhältnis von Religion und Politik bei Taylor Swift. „Sie ist im Moment die wirkmächtigste Popmusikerin auf unserem Planeten. Sie wird für so einflussreich gehalten, die US–Wahlen im Herbst zu beeinflussen“, sagte der 59-Jährige. Er verweist darauf, dass Swift sich in der Vergangenheit auch klar als Christin politisch geäußert hat. (mit dpa)